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Bahn will Züge in China kaufen Die Aufregung ist absurd

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Chinesische Hochgeschwindigkeitszüge von CNR.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn Deutschland seine Waren im Ausland verkauft, ist das großartig. Wird im Ausland gekauft, scheint dies besorgniserregend. Handel ist aber keine Einbahnstraße und schlechte Qualität wird nicht dadurch besser, dass sie "Made in Germany" ist.

Die Deutsche Bahn will ihre Züge bald in China kaufen. Fast reflexartig heißt es da: Wie bitte? Ein Staatskonzern, der fremd geht? Wenn Deutschland exportiert, ist das normal, aber wenn Deutschland importiert, ist das pfui Teufel. "Ein Staatsbetrieb ruiniert eine ganze Branche", "die Chinesen machen die Märkte platt", "Chinas Staatskonzerne verkaufen bald auch die Tickets" und "übernehmen die Deutsche Bahn" - die Kritik an der Ankündigung von Bahn-Vorstand Heike Hanagarth in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kommt prompt.

Angemessen ist sie nicht. Die Bahn ist kein Förderverein für deutsche Zulieferer. Kostenkontrolle ist oberste Pflicht - auch für die Deutsche Bahn. 1,8 Milliarden Euro gibt der Konzern im Jahr für Züge und Ersatzteile aus, vor allem in Europa. Diese Summe will der Konzern drücken - am liebsten mit China. Das ist seine unternehmerische Freiheit.  

Konkret geht es um 35.000 Radsätze, die die Bahn ab 2017 in der Volksrepublik kaufen will. Bisher werden diese von 600 Beschäftigten beim Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH im Herzen des Ruhrgebiets gegossen. Der frühere Zechenbetreiber verlangt 2000 bis 3000 Euro pro Radsatz. Der chinesische Konkurrent Tyhi produziert ein Drittel günstiger, wie es heißt. Die Bahn will Kosten senken. Das ist ihr gutes Recht. In China hat sie die Chancen dazu. In Zukunft könnten es sogar ganze Züge "Made in China" sein, die auf deutschen Schienen rollen.

China schmiedet Zug-Giganten

Die Zughersteller im Reich der Mitte sind nicht von gestern. Sie haben in den vergangenen Jahren Know-how gesammelt. "Die Zeiten, in denen China und Qualität ein Gegensatz waren, sind vorbei", sagt Hanagarth. Rasanter Fortschritt ist in China politisch gewollt. Die Aussichten insbesondere für die Zugbaubranche sind gut. Zurzeit schmiedet Peking einen gigantischen Zughersteller aus den beiden Unternehmen CSR und CNR. Ihr addierter Umsatz wird umgerechnet fast 40 Milliarden Dollar betragen. Nach Bahn-Angaben könnte der neue Konzern in Zukunft satte 50 Prozent des Weltmarktes abdecken.

Kritiker übersehen vor allem eins. Kaum ein anderes Land verkauft mehr Produkte ins Ausland als Deutschland. Für viele deutsche Firmen - darunter Autobauer wie Volkswagen - ist die Volksrepublik der wichtigste Absatzmarkt. Nirgendwo verkaufen und verdienen die Autokonzerne mehr Geld als in China. Nicht nur VW, auch BMW und Daimler machen hier glänzende Geschäfte. Weil die Nachfrage so groß ist, verlagern die Unternehmen schon lange reihenweise ihre Produktion nach China. Warum sollte da nichts zurückkommen?

Handel ist keine Einbahnstraße

Dass chinesische Zugbauer inzwischen gefragt sind, ist nichts Neues. Gerade bauten sie die Bostoner U-Bahn. 2020 steht die Ausschreibung für neue Züge der Münchener S-Bahn an. Auch weitere Regionalzüge sollen aus China kommen. Die Volksrepublik hat mehr als nur einen Fuß in der Tür.

Siemens, dem bisherigen Haus- und Hoflieferanten der Deutschen Bahn dürfte das nicht schmecken. Aber die Münchener werden sich daran gewöhnen müssen, dass auch die Bahn sich mit internationalen Wettbewerbern beschäftigt. Handel in der globalisierten Welt ist keine Einbahnstraße. Siemens muss sich zudem den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Baureihe 407 des ICE zuletzt massive Probleme hatte - die eigentlich für Dezember 2011 geplante Auslieferung verzögerte sich um über zwei Jahre. Schlechte Qualität wird nicht dadurch besser, dass sie "Made in Germany" ist.

Quelle: n-tv.de

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