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Winterkorn gewinnt Machtkampf Piëch gefährdet sein Lebenswerk

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Ferdinand Piëch hat es wissen wollen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht Piëch, sondern Winterkorn geht aus dem Machtkampf bei Volkswagen als Gewinner hervor. Der VW-Chef bleibt im Amt. Konzern-Patriarch Piëch hat sich keinen Gefallen getan. Die nächsten Jahre dürften zur Qual werden.

Ferdinand Piëch war nie ein Mann der großen Worte: "Streichen Sie das 'noch' " - als Antwort auf die Frage, ob der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sein Vertrauen genieße. Oder: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn" - das sind die typischen Minimalsätze des VW-Patriarchen, die Konzern-Geschichte schreiben. Daran hat man sich gewöhnt. Warum sollte jemand lange Reden schwingen, wenn es auch anders geht? Wenn ein paar Wort-Brocken ausreichen, um den Boden beben zu lassen?

So war's immer und sollte es auch für immer sein - so hat sich das zumindest Piëch vorgestellt. Nach ihm die Sintflut. Es spricht nicht für große soziale Kompetenz, aber es hat immer funktioniert. Nur ist es so, dass selbst der rabiateste Partriarch irgendwann einmal seinen Schrecken verliert - meistens, wenn er in die Jahre gekommen ist. Irgendwann wittert das Rudel, dass die Gunst der Stunde gekommen ist und verweigert die Gefolgschaft. Dieser Moment ist jetzt gekommen. Den Boden beben lassen haben seine einstigen Gefolgsleute.

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In knappen sieben Zeilen sprach das Präsidium des Aufsichtsrats, dem Piëch als Chefkontrolleur angehört, Winterkorn sein volles Vertrauen aus. Der 67-Jährige sei "der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen". Ein Paukenschlag. Dem Kontrollgremium wird empfohlen, Winterkorns Ende 2016 auslaufenden Vertrag im nächsten Februar zu verlängern.

Der "Göttervater", wie ihn ein Kleinanleger einmal nannte, ist geschlagen. Er hat zu hoch gepokert. Schon diese Woche war es sichtlich einsamer um ihn herum geworden. Viele gingen auf die eine oder andere Weise auf Distanz. Cousin Wolfgang Porsche, Sprecher des Porsche-Familienzweigs, bezeichnete Piëchs Vorstoß sofort als "Privatmeinung". Einen Treueschwur für Winterkorn sprach er zwar zunächst nicht aus. Aber die Familien Porsche und Piëch, genauso wie die Politik und die Betriebsräte sind immerhin nicht gemeinsam über Winterkorn hergefallen. So wäre es früher gewesen.

Die offene Machtfrage

Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und die zwei Vertreter des VW-Großaktionärs Niedersachsen auf der Kapitalseite sprachen sich öffentlich für Winterkorn aus. Ein deutliches Zeichen der Unterstützung gab Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh am Vortag auf der Tribüne im Wolfsburger Stadion beim Spiel VfL Wolfsburg gegen Neapel, als er sich demonstrativ neben den VW-Chef setzte. Es war wohl mehr als nur gespielte Gelassenheit.

Mit so viel Widerstand dürfte der Patriarch nicht gerechnet haben. Er war immer das unangefochtene VW-Machtzentrum. Diesmal haben seine Argumente für die Demontage Winterkorns aber offenbar nicht gereicht. Mit ihrer Entscheidung haben die Präsidiumsmitglieder jetzt nicht nur klar Position für Winterkorn bezogen, sondern auch klar gegen Piëch. Damit stellen sie die wirkliche Machtfrage.

Piëch hat sich mit der von ihm angezettelten Blitz-Demontage keinen Gefallen getan. Seine Autorität war über die Jahre sicherlich auch ein großer Garant für den Erfolg des Konzerns. Er ist ein Genie auf seinem Gebiet - ohne Zweifel. Gerade deshalb ist diese Niederlage jetzt aber auch so niederschmetternd.

Piëch hat auf den letzten Metern seiner Ausnahmekarriere gutes Porzellan zerschlagen. Er ist damit Gefahr gelaufen, seinem Lebenswerk großen Schaden zuzufügen. Er wäre nicht der Erste, dem das passiert. Nichts scheint für Machtmenschen schwieriger zu sein, als den richtigen Zeitpunkt zu finden, in die zweite Reihe zurückzutreten. Zwanghafte Getriebenheit, sich zu Lebzeiten ein Denkmal zu setzen, kann damit enden, dass man das Denkmal schon zu Lebzeiten demontiert. Was bleibt dann?

Mit 78 sollte man wissen, dass nichts für ewig ist. Auch nicht unangefochtene Autorität. Der Aufsichtsrat wird den Vertrag von Winterkorn für zwei Jahre verlängern. Piëch will sich nach seinen bisherigen Plänen erst in zwei Jahren von seinem Aufsichtsratsposten zurückziehen. Dann ist er 80. Das könnte quälend werden.

Quelle: n-tv.de

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