Marktberichte

Kurse auf hohem Niveau An der Wall Street zieht Ernüchterung ein

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An den US-Börsen ging es zur Wochenmitte lange seitwärts - zum Handelsende aber in den negativen Bereich.

(Foto: AP)

Die Hoffnung trägt nicht ewig: US-Anleger schauten lange auf die Impfstoffe im Kampf gegen Corona. Doch wann diese kommen ist noch offen - und bis dahin steigen die Infektionszahlen. Und so treten Investoren wieder einen Schritt zurück - oder greifen ausgewählt zu.

Zwischen Impfstoff-Hoffnungen und steigenden Corona-Infektionszahlen haben sich die US-Indizes in engen Grenzen seitwärts bewegt. Im Schlussgeschäft gerieten sie aber ins Rutschen und gingen letztlich schwächer aus dem Tag. Für Verunsicherung und Angst vor weiteren Lockdowns sorgte da unter anderem, dass in New York als Maßnahme gegen die Corona-Pandemie die Schulen wieder geschlossen werden.

Die Hoffnungen auf einen bald verfügbaren Impfstoff gegen das Coronavirus hatten zunächst noch gestützt, nachdem Pfizer und Biontech mit der Nachricht aufgewartet hatten, dass der entwickelte Corona-Impfstoff in den Endergebnissen eine Wirksamkeit von 95 Prozent zeigt.

Erst zu Wochenbeginn hatte das US-Biotechnologieunternehmen Moderna mit der Nachricht einer Wirksamkeit von 94 Prozent eines eigenen Impfstoffs Hoffnungen geschürt. Weil es in beiden Fällen aber noch eine Weile, möglicherweise Monate, dauern wird bis die Impfstoffe zum Einsatz kommen und gleichzeitig die Infizierten-Zahlen weiter steigen und immer neue Restriktionen auslösen, agierten die Anleger vorsichtig - zumal auf den rekordhohen Niveaus.

Der Dow-Jones-Index verlor am Ende 1,2 Prozent auf 29.438 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index kam ebenfalls um 1,2 Prozent zurück. Der technologiebasierte Nasdaq sank 0,8 Prozent.

Als Belastungsfaktor wiesen Marktteilnehmer auch darauf hin, dass das in den USA schon lange erhoffte staatliche Stimuluspaket weiter auf sich warten lässt. "Die Aussichten für ein kurzfristiges Hilfspaket oder ein größeres mittelfristiges haben sich eingetrübt", sagte Stratege James McCormick von NatWest Markets. Auch US-Notenbankchef Jerome Powell hatte jüngst erneut die beachtlichen Hürden für die Wirtschaft und die Unsicherheit wegen der Dynamik der Corona-Pandemie hervorgehoben. Er sieht schon seit geraumer Zeit die Fiskalpolitik am Zug, der Wirtschaft und der Bevölkerung unter die Arme zu greifen.

Tesla zieht es empor - Boeing bleiben am Boden

Die zuletzt wegen des Moderna-Konkurrenzprodukts deutlich gefallenen Kurse von Pfizer und Biontech konnten sich erholen und zwar um 0,8 und 4,0 Prozent. Moderna fielen dagegen um weitere 4,6 Prozent zurück. Die Gewinne vom Montag sind damit wieder verschwunden. Die Analysten von BMO hatten die Aktie zuletzt als ausgereizt bezeichnet. Seit Jahresbeginn liegt sie über 370 Prozent im Plus, bei Biontech sind es 155 Prozent.

Lange im Plus handelten Boeing. Die die Papiere des Flugzeugbauers schlossen schließlich 3,2 Prozent leichter. Dass die US-Flugaufsichtsbehörde dem Problemflieger 737 MAX wieder die Starterlaubnis erteilt hat, stützte nur vorübergehend. Denn noch weitere Aufsichtsbehörden müssen grünes Licht geben. Obendrein fällt die Entscheidung in eine Zeit, in der der Flugverkehr und entsprechend die Nachfrage nach Flugzeugen extrem beeinträchtigt ist.

Die Aktie des Einzelhändlers Lowe's sank trotz guter Umsatzzahlen um mehr als acht Prozent. Der Gewinn entsprach zwar den Erwartungen, fiel aber dennoch geringer aus. Die Aktie hatte sich vom Märztief bis zum Jahreshoch im Oktober bereits verdreifacht, so dass hier auch Gewinnmitnahmen den Kurs gedrückt haben könnten. Am Vortag hatten bereits die Aktien von Home Depot und Walmart trotz guter Geschäftszahlen nachgegeben.

Weiter kurstreibend wirkte bei der Tesla-Aktie die angekündigte Aufnahme in den S&P-500-Index am 21. Dezember. Tesla legten um 10,2 Prozent zu. Einen Satz um gut 15 Prozent machte die Nikola-Aktie. Hier trieb die Fantasie auf eine Zusammenarbeit des Hybrid-Lkw-Entwicklers mit General Motors, die im September noch verschoben worden war, nachdem, Vorwürfe gegen Nikola wegen angeblicher Falschinformationen aufgekommen waren. Am Donnerstag wird sich General Motors auf einem Investorentag zum Geschäftsverlauf äußern und könnte dabei auch etwas zur Kooperation mit Nikola sagen. Die Aktie ging 1,8 Prozent höher aus dem Handel.

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Am Devisenmarkt tat sich wenig, der Dollar tendierte insgesamt knapp behauptet, während er zum Yen etwas deutlicher zurückkam. Ein festerer Yen gilt gemeinhin als Zeichen für die Suche der Anleger nach Sicherheit. Der Goldpreis gab um rund ein halbes Prozent nach, während die US-Staatsanleihen behauptet tendierten. Bei letzteren lag die Zehnjahresrendite eine Tick höher bei 0,88 Prozent.

Die Ölpreise stiegen um bis zu ein Prozent, US-Öl der Sorte WTI erreichte phasenweise ein Elf-Wochen-Hoch. Im Handel wurde dazu auf die Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff verwiesen und bei einer dadurch zu erreichenden Normalisierung des Lebens wieder eine steigende Ölnachfrage. Die neuesten US-Ölvorratsdaten waren derweil gemischt ausgefallen. Zwar stiegen die Ölvorräte, aber nicht ganz so stark wie erwartet und vor allem nicht so stark wie die Bestände des Branchendiensts API vom Vorabend.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ