Marktberichte

Dow Jones klettert Dax-Anleger trotzen Pariser Terror

Zum Handelsstart ein deutliches Minus, am Ende steht das Plus: So verabschiedet sich der deutsche Aktienmarkt aus dem ersten Handelstag nach den Anschlägen von Paris. Einzelne Werte kommen unter die Räder. Auch die US-Börsen bleiben stabil.

Viel Lärm um nichts? So schrecklich die Terroranschläge in Paris auch gewesen sind, am deutschen Aktienmarkt haben sie zum Start in die neue Handelswoche keine große Rolle gespielt. "Die Börsianer sind zwar verunsichert. Aber es gilt auch: Politische Börsen haben kurze Beine", sagte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil. "Die Lage normalisiert sich schnell", unterstreicht sie.

Nach anfänglichen deutlichen Verlusten und einem Tagestief von 10.609 Stellen rappelte sich der Dax im weiteren Handelsverlauf auf, drehte am Mittag ins Plus, pendelte danach um seinen Freitagsschlusskurs - und schloss am Ende 0,1 Prozent fester bei 10.713 Punkten. Das Tageshoch markierte er bei 10.764 Zählern. Der MDax legte 0,8 Prozent auf 20.685 Stellen zu. Der TecDax gewann ebenfalls deutliche 0,9 Prozent auf 1800 Zähler. Auch die Börse in Paris fing sich: Nach einem Abschlag von 1,4 Prozent zum Auftakt am Morgen erholte der CAC 40 ebenfalls.

"Panik ist nicht zu sehen"

Entsprechend fielen die Reaktionen von Marktteilnehmern aus: "Panik ist nicht zu sehen", sagte ein Börsianer. Ökonomen rechnen mit geringen Auswirkungen auf die globale Konjunktur. "Solange die Anschläge von Paris nicht der Beginn einer fortgesetzten Reihe von Anschlägen sind, gehen wir davon aus, dass die makroökonomischen Auswirkungen begrenzt und von kurzer Dauer sein werden", schrieb Malcolm Barr, Analyst bei JP Morgan.

"Terroranschläge hat kein Analyst auf der Agenda", sagte Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Das sei wie ein "schwarzer Schwan", etwas, das man nicht erklären könne. "Diffuse Ängste."

Die weitere Entwicklung im Wochenverlauf dürfte auch davon abhängen, wie Frankreich auf die Attacken reagiert. Sollte sich das Land auf Artikel 5 der Nato-Verträge, also den Bündnisfall, berufen, könnte das nach Einschätzung von IG zu einer deutlichen Ausweitung der westlichen Militär-Operationen in Syrien und im Irak führen. Nach Einschätzung von IG könnten die Attacken durchaus dazu führen, dass der Westen seine Bedenken gegen ein Beibehalten des Assad-Regimes fallen lässt - auch wenn dies sehr unpopulär wäre und einen erheblichen Sieg für die russische Diplomatie darstellte.

Dax: Lufthansa schmieren ab

Mit Blick auf die Einzelwerte standen vor allem Aktien aus Sektoren wie der Luftfahrt, Touristik oder Versicherungen im Vordergrund. Die Stimmung in diesen Sektoren reagiere erfahrungsgemäß empfindlich auf Sicherheitsprobleme, hieß es aus dem Handel, da schon die Angst vor Anschlägen das Reiseverhalten vieler Menschen beeinflussen könnte. Die Titel der Deutschen Lufthansa gaben 2,5 Prozent ab. Allianz schlossen nahezu unverändert.

Ebenfalls im Fokus sanden Tui sowie CTS Eventim. Tui-Papiere sackten um mehr als 4 Prozent ab. Bei CTS betrug der Abschlag 0,5 Prozent.

Mit Aufschlägen von rund 0,8 Prozent schlossen K+S. Damit setzte das Papier die Aufwärtsbewegung vom Freitag fort. Im Handel wurde zudem auf die Kaufempfehlung von Hauck & Aufhäuser verwiesen. Auch bei ThyssenKrupp lieferte eine Analystenstimme einen positiven Impuls. Die Deutsche Bank empfahl die Titel zum Kauf, das Kursplus betrug etwa 0,3 Prozent. ThyssenKrupp legen als letzter Konzern des Leitindex in dieser Woche seinen Quartalsausweis vor.

Mit Blick auf den Abgas-Skandal will Volkswagen die Elektromobilität vorantreiben. Markenchef Herbert Diess forderte dafür eine "konzertierte Aktion" der gesamten Branche. Es gehe um eine Schlüsseltechnologie. Gleichzeitig wurde bekannt, dass sich der Konzern um eine "Brücken-Finanzierung" bei den Banken bemühen will - um die Folgen des Abgas-Skandals kurzfristig abfangen zu können. VW-Titel gewannen 1,0 Prozent.

TecDax: Machtkampf und Analystenstimmen

Das Tauziehen um die Strategie bei Dialog Semiconductor setzte sich indes weiter fort. Der Hedgefonds Elliott als Gegner der Strategie des Vorstands hat seinen Anteil auf 5 Prozent aufgestockt. Der Kurs der Aktien gab dennoch 1 Prozent nach.

Aixtron halfen eine Kaufempfehlung durch Barclays. Die Titel verbesserten sich um 2 Prozent. Noch deutlicher ging es für Adva nach oben: Rund 4,5 Prozent zog der Kurs der Anteilsscheine an. Im Handel wurde zum einen darauf verwiesen, dass das Unternehmen in der Vorwoche eine gute Präsentation vor Investoren in London gehalten habe. Zudem sei die Aktie, auch wenn sie sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht habe, gegenüber den Wettbewerbern nicht teuer.

Wall Street: Kurse klettern

Auch die Wall Street zeigte zum Wochenstart zunächst keine starken Reaktionen auf die Anschläge von Paris - im Gegenteil. Die New Yorker Börsenbarometer wies am Vormittag (Ortszeit) Aufschläge auf. Der Dow Jones Industrial verbesserte sich um 0,3 Prozent auf 17.483 Punkte, auch der S&P-500 schaffte dieses Plus und 2053 Stellen. Der Nasdaq100 positionierte sich 1,15 Prozent höher bei 4984 Punkten.

Energiewerte stützten die Kurse. Exxon gewannen 3,6 Prozent, Chevron 4,4 Prozent. Dagegen gerieten Luftfahrt- und Touristikwerte unter Druck. American Airlines gaben 1,4 Prozent nach, United Continental 1,2 Prozent. Der Kurs des Kreuzfahrtunternehmens Carnival sank um 1,5 Prozent. Im Fokus stand ferner eine Großübernahme in der Hotelbranche. Für 12,2 Milliarden Dollar will Marriott den Sheraton-Betreiber Starwood übernehmen und damit zur weltweit größten Hotelkette aufsteigen. Die Offerte liegt aber unter dem Starwood-Schlusskurs vom Freitag. Die Papiere notierten daher 3,6 Prozent tiefer. Marriott gewannen 1,3 Prozent.

Devisen: Euro um 1,07

Der Euro geriet zu Wochenbeginn unter Druck. Die Gemeinschaftswährung fiel in der Nacht zeitweise auf 1,0689 Dollar und notierte damit in Reichweite ihres Sechseinhalbmonatstiefs vom vergangenen Dienstag. Am Abend präsentierte sich der Euro etwas erholt um 1,0710 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0723 Dollar festgesetzt nach 1,0764 Dollar am Freitag. Schon vor den Pariser Attentaten war der Euro vor allem wegen der Aussicht auf eine anhaltend ultralockere Geldpolitik im Euro-Raum unter die Räder gekommen.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann rechtfertigen die Anschläge jedoch keine Euro-Verkäufe: "Anders als nach dem 11. September 2001 muss die Geldpolitik nicht reagieren. Denn anders als damals steckt der vom Terror betroffene Währungsraum nicht in einer Rezession, die durch etwaige kurzfristige Konsumzurückhaltung verschlimmert werden könnte", schrieb der Experte in einem Kommentar.

Stabilisierend wirkten zwischenzeitlich Konjunkturdaten: Die Eurozone verließ im Oktober die Minusinflation. Auf niedrigem Niveau zog die Inflation etwas stärker an, als erste Berechnungen gezeigt hatten. Die Statistikbehörde Eurostat korrigierte die Jahresteuerung auf 0,1 Prozent, vorläufig hatte sie eine Rate von null Prozent genannt.

Asien: Doppel-Belastung für den Nikkei

In Asien wiesen die Aktienmärkte Verluste aus. Allerdings konnten die Börsen ihre zum Teil hohen Anfangsverluste im weiteren Tagesverlauf reduzieren. Händlern zufolge ist das ein positives Zeichen und ein Beleg dafür, dass "politische Börsen meist kürzere Beine haben". Allerdings könne keiner sagen, wie der weitere Wochenverlauf sich gestalten werde.

In Japan drückten auch enttäuschende Konjunkturdaten schwer auf die Stimmung. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt schrumpfte im abgelaufenen Quartal überraschend kräftig um 0,8 Prozent und fiel damit in die Rezession zurück. Der neue Schwächeanfall ist ein Rückschlag für Premier Shinzo Abe, der mit einem ambitionierten Konjunkturprogramm die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt zu einem höheren Wachstum verhelfen will. Seit dem Amtsantritt Abes ist die Wirtschaft in fünf von insgesamt elf Quartalen geschrumpft, was die Anfälligkeit der Wirtschaft unterstreicht.

Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte fielt um 203 Punkte oder 1,0 Prozent und ging beim Stand von 19.394 Zählern aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix verlor 0,9 Prozent auf 1572 Zähler. Auch an den übrigen großen Handelsplätzen Asiens ging es zu Wochenbeginn bergab. Die chinesische Festlandsbörse in Shanghai verlor, ebenso der Markt in Hongkong. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gab mehr als 1 Prozent nach.

Rohstoffe: Gold zieht an

Die Ölpreise legten nach den Terroranschlägen zunächst  zu, schmierten dann am Nachmittag aber wieder ab. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember 43,40 Dollar. Das waren rund 2,5 Prozent weniger als vor Bekanntwerden der Anschläge. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) betrug 41,74 Dollar.

Der Goldpreis legte nur minimal zu: 01, Prozent auf 1085 Dollar. "Angesichts des Preissturzes um 100 Dollar in den vergangenen Tagen ist das aber kaum der Rede wert", meinte ein Marktteilnehmer.

Quelle: ntv.de, bad/mmo/DJ/dpa/rts