Marktberichte

Wall Street legt Verschnaufpause ein Dax kann 10.000er-Fluch überwinden

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Seit Tagen geht es für den Dax nur noch nach oben.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Dem Dax gelingt es erstmals seit Anfang Januar, die Marke von 10.000 Punkten deutlich hinter sich zu lassen. Nach zuletzt nur kurzen Ausflügen setzt er sich mit einem weiteren Anstieg auf fast 10.100 Punkten fest. Die Wall Street tritt auf der Stelle.

Schließlich gelang es dem Dax am Nachmittag, sich von der 10.000-Punkte-Marke nach oben zu lösen: Der deutsche Leitindex kletterte sogar bis auf fast 10.100 Punkte. Am Ende stand ein Plus von 0,7 Prozent, welches den Index auf 10.094 Punkte beförderte. Unterstützung kam vom Ölpreis, der trotz Schwankungen weiter nah an den Jahreshochs notierte.

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Zum Ölpreis hieß es unter anderem, die hohen Lagerbestände in den USA würden nun gelassener gesehen. Die Commerzbank merkte dazu an, die Lagerbestände seien zwar wegen höherer Importe und einer geringeren Verarbeitung gestiegen. Die Vorräte im Lagerort Cushing seien aber deutlich zurückgegangen. Beim Rohöl betrage das Minus 1,8 Millionen Barrel, bei den Benzinvorräten  4,2 Millionen Barrel. Zudem fiel die US-Ölproduktion auf den niedrigsten Stand seit Ende Oktober 2014.

Auch von der Währungsseite kam etwas Rückenwind, denn der Euro tendierte weiter zur Schwäche und kostet nur noch 1,1267 Dollar, gut 2 Cents weniger als noch am Dienstag. Keine frischen Impulse liefern die Verbraucherpreise für März in der Eurozone. Die Teuerung liegt im Jahresvergleich bei null Prozent statt wie angenommen bei minus 0,1 Prozent.

Mit Blick auf die kurzfristigen Aussichten zeigten sich Händler nun wieder optimistisch. Der Dax liege nun unmittelbar am März-Hoch von 10.112 Punkten. Sollte er es überwinden, sei ein Test der 200-Tage-Linie bei 10.300 Punkten möglich. Sie gilt als Dreh- und Angelpunkt für langfristige Investoren, ein Anstieg über den gleitenden Durchschnitt könnte somit strategisch orientierte Anleger in den Markt ziehen.

Frankfurt: BASF führen den Dax an

Der Dax schloss nach seinem Tageshoch bei 10.098 Punkten 0,7 Prozent höher auf 10.094 Punkten. Für den Nebenwerteindex MDax hingegen ging es 0,4 Prozent abwärts auf 20.442 Zähler. Einen Abschlag von 0,5 Prozent verzeichnete der TecDax, der auf 1658 Punkte sank. Der Euro-Stoxx-50 verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 3059 Stellen.

BASF
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An der Spitze der Dax-Gewinner lagen am Ende BASF mit einem Plus von 1,9 Prozent. "Die Aktie hat wegen des niedrigen Ölpreises den Markt lange underperformt, nun holt sie die Relativen Verluste mit dem Ölpreisanstieg auf", sagte ein Händler. Daneben werde die Aktie Richtung Ausschüttungstermin am 2. Mai zunehmend interessant. Die Dividendenrendite ist mit gut 4,2 Prozent vergleichsweise hoch.

Nach dem fast 10-prozentigen Kursplus am Vortag ging es nur am Anfang deutlich aufwärts mit der Aktie der Deutschen Bank. Presseberichte, wonach der Rechtsstreit in den USA um das Silber-Fixing beigelegt sein könnte, stützen. Am Ende schloss die Aktie jedoch schwächer als der Gesamtmarkt um 0,3 Prozent höher.

Im MDax landeten Kuka ganz oben. Der Kurs gewann 2,3 Prozent auf 93,45 Euro. "Die jüngste Konsolidierung scheint abgeschlossen zu sein", sagte ein Händler. Der Konzern profitiere unter anderem von der starken Wettbewerbsposition in der Robotertechnik.

Im Kleinwerte-Index SDax rutschten Scout24 um 1,3 Prozent auf 31,07 Euro ab. Die Credit Suisse verkaufte nach eigenen Angaben im Auftrag mehrerer Aktionäre 12 Millionen Papiere des Online-Anzeigenmarkts zu je 30 Euro.

USA: Schwache Bilanzen hemmen Wall Street

Dow Jones
Dow Jones 25.383,11

Die Aktienkurse an der Wall Street nahmen eine Auszeit. Nach dem kräftigen Vortagesplus, ausgelöst durch die überraschend guten Ergebnisse von JP Morgan, traten die Kurse auf der Stelle. Immerhin stieg der Dow-Jones-Index mit 17.962 Punkten erneut auf ein Jahreshoch. Die Euphorie nach den guten JPM-Zahlen war allerdings weitgehend verflogen, weil für die Bank of America (BofA) und Wells Fargo die Messlatte etwas zu hoch war und die beiden Banken nicht an das hohe Niveau anknüpfen konnten.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,1 Prozent auf 17.926 Punkte. Der S&P-500 schloss die Sitzung unverändert bei 2.082 Punkten. Der Nasdaq-Composite verlor 1,5 Punkte auf 4.946 Punkte.

Zudem musste der Markt noch einige US-Konjunkturdaten verarbeiten. So wurden die Verbraucherpreise und Realeinkommen  aus dem März sowie die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht. Die Verbraucherpreise blieben ebenso hinter den Erwartungen zurück wie am Mittwoch die Erzeugerpreise und bezeugten damit den nach wie vor geringen Inflationsdruck. Sie stiegen im vergangenen Monat insgesamt und in der Kernrate um jeweils 0,1 Prozent, während Volkswirte in beiden Fällen ein Plus von 0,2 Prozent erwartet hatten. Die Erstanträge gingen hingegen überraschend stark zurück, ein neuerlicher Beweis für die gute Beschäftigungslage in den USA.

Wells Fargo
Wells Fargo 23,73

Bei der Bank of America bemängelte ein Beobachter, die Bank habe nur "geliefert". Die Gewinnkennziffern bewegten sich im Rahmen der Erwartungen. Vor allem wegen rückläufiger Handelseinnahmen und den langfristig niedrigen Zinsen hat die Bank im ersten Quartal 13 Prozent weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Für die Aktie ging es um 2,5 Prozent nach oben. Auch die Zahlen von Wells Fargo wurden negativ aufgenommen, der Kurs reduzierte sich um 0,5 Prozent. Die drittgrößte Bank der USA hat im Auftaktquartal 2016 wegen des Ölpreisverfalls einen Gewinnrückgang von 5,9 Prozent verbucht. Die Bank ist einer der größten Geldgeber für die Öl- und Gasförderer in den USA. Der Gewinn je Aktie und die Einnahmen lagen im Rahmen der Erwartungen. JP Morgan, die am Mittwoch um gut 4 Prozent gestiegen waren, legten um weitere 1,3 Prozent zu.

Zahlen hat auch die Fluggesellschaft Delta Air Lines vorgelegt. Das Unternehmen hat überraschend gut abgeschnitten. Der Kurs stieg um 0,9 Prozent. PepsiCo gaben dagegen um 0,9 Prozent nach. Stifel Nicolaus hat die Aktie auf "Hold" von "Buy" abgestuft und dabei auf Bewertungsgründe verwiesen. Zudem sei es fraglich, ob PepsiCo das Umsatzwachstum steigern könne, sperre sich das Unternehmen doch gegen eine Aufspaltung in eine Getränke- und eine Snack-Sparte, wie sie von Aktionären mit Nachdruck gefordert werde.

Asien: Nikkei schießt um mehr als 3 Prozent nach oben

Nikkei
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Asiens Börsen haben ihren Höhenflug fortgesetzt und sind auf die höchsten Stände seit etwa vier Monaten geklettert. Zugleich gaben die regionalen Währungen nach, angeführt vom Singapur-Dollar. Händler rechneten offenbar damit, dass andere Notenbanken der Entscheidung Singapurs folgen und ihre Geldpolitik weiter lockern werden.

Der MSCI-Index für die Aktien der Region Asien/Pazifik ohne Japan stieg um 0,5 Prozent auf das höchste Niveau seit Dezember. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 3,2 Prozent höher bei 16.911 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 2,92 Prozent auf 1371 Zähler. In China lagen die beiden wichtigsten Indizes rund 0,3 Prozent im Plus.

Angetrieben wurden die Börsen von der Hoffnung auf noch mehr billiges Geld wegen der weniger guten Aussichten für die Weltwirtschaft. Ungeachtet der jüngsten positiven Wirtschaftsdaten aus China wird die Lockerung der Geldpolitik Singapurs am Donnerstag als weiteres Krisenzeichen der Weltwirtschaft gewertet.

Devisen: Kurs des Euro stabilisiert sich

Euro / US-Dollar
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Der Dollar zeigte auf breiter Front Stärke. Für einen Euro wurden im späten US-Handel nur noch 1,1259 Dollar gezahlt, nachdem die Gemeinschaftswährung erst am Dienstag bei 1,1465 Dollar ein Jahreshoch markiert hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1252 (Mittwoch: 1,1298) Dollar festgesetzt. Zum Yen behauptete der Dollar seine Gewinne und notierte weiter über der Marke von 109 Yen. Am Montag war er auf das Jahrestief bei 107,63 Yen gerutscht. Im späten US-Handel bewegten sich die Kurse allerdings nur noch seitwärts.

Rohstoffe: Ölpreise schwanken vor Treffen in Doha

Die Ölpreise gaben leicht nach. Unter den Investoren mehren sich die Stimmen, die nicht daran glauben, dass sich die Ölförderländer am Sonntag auf eine Begrenzung der Fördermenge einigen werden. Zudem haben die jüngsten Daten zu den Rohölvorräten der USA am Mittwoch den Akteuren in Erinnerung gerufen, dass nach wie vor viel zu viel Öl auf dem Markt ist. Auch verteuerte der festere Dollar Öl für Käufer aus dem Nicht-Dollarraum. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI fiel zum US-Settlement um 0,6 Prozent auf 41,50 Dollar. Für Brent ging es um 0,8 Prozent auf 43,84 Dollar nach unten.

"Die Nervosität ist hoch, und daran wird sich in den nächsten Tagen wenig ändern", sagte ein Händler. "Russland hat Erwartungen an das für Sonntag anberaumte Treffen wichtiger Ölproduzenten in Doha gedämpft und damit der Ölpreisrally Wind aus den Segeln genommen", konstatierten die Analysten der Commerzbank.

Die Stärke des Dollar schmälerte auch das Interesse an Gold, das ebenfalls in der US-Währung bezahlt wird. Die Feinunze fiel bereits den zweiten Tag in Folge und verbilligte sich zum US-Settlement auf 1.226 Dollar, ein Minus von 1,7 Prozent.

Quelle: ntv.de, mli/kst/mmo/DJ/dpa/rts