Marktberichte

US-Börsen fressen die Gewinne Dax verteidigt ein Plus

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Großbaustelle Euro-Krise. An ihr kommt keiner vorbei. Eine offene Frage ist, wie der künftige Rettungsschirm ESM mit mehr Geld ausgestattet werden kann.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Börsen spielen nicht mit. Der deutsche Markt gibt seine satten Tagesgewinne wieder ab. Für positive Stimmung sorgen zunächst Aussagen des EZB-Mitglieds Nowotny zu einer Banklizenz für den ESM und positive Quartalszahlen aus den USA.

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Uneinheitlich tendierende US-Börsen haben die Aufwärtsbewegung an den europäischen Aktienmärkten am Nachmittag abgebremst. "Die Situation verschlechtert sich und das wird verstärkt durch die schlechten Bilanzen, die vorgelegt werden, vor allem im Technologiesektor." An der Wall Street kamen vor allem die nicht gut an.

Der deutsche Leitindex Dax kam deutlich zurück, landete aber dennoch mit 0,3 Prozent im Plus bei 6.406 Punkten. Der MDax notierte zuletzt 0,2 Prozent höher bei 10.475 Zählern. Der TecDax zeigte sich deutlich robuster mit einem Plus von 1,0 Prozent bei einem Stand von 756.

Die Spekulationen auf eine Bankenlizenz für den Euro-Rettungsfonds hatten den deutschen Aktienmarkt am Morgen ins Plus gehievt. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hatte in einem Fernsehinterview mit Bloomberg erklärt, es gebe Gründe dafür, dem Rettungsfonds eine solche Lizenz zu erteilen. Analysten zufolge würde eine Bankenlizenz dem ESM mehr Feuerkraft geben, da sich der Rettungsschirm zum Beispiel bei der EZB refinanzieren könnte. Händler warnten allerdings vor zu viel Optimismus, weil sich die Zentralbank seit langem gegen eine Banklizenz des Rettungsschirms wehrt. Ihre Begründung: Das in Artikel 213 des EU-Vertrages festgeschriebene Verbot der Staatsfinanzierung per Notenpresse.

Starke Quartalszahlen von US-Schwergewichten vor Börseneröffnung in den USA verliehen dem Markt am Nachmittag dann regelrecht Flügel. Besonders angetan zeigten sich Börsianer vom Geschäftsausweis von Boeing. Die Ergebnisse des Flugzeugbauers bewegten sich auf einer Linie mit den außergewöhnlich guten Quartalszahlen von Lockheed und Northrop. Das starke Umsatzwachstum habe auch den Gewinn je Aktie mit nach oben gezogen, meint ein Marktteilnehmer. Der Pharmakonzern Eli Lilly und der Airbus-Rivale Boeing erhöhten ihre Prognosen.

Enttäuschender Ifo-Index lässt Anleger kalt

Den enttäuschend ausgefallenen Ifo-Index hakten die Anleger am deutschen Aktienmarkt schnell ab. Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli wegen der Schuldenkrise den dritten Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel um 1,9 auf 103,3 Punkte. "Die Aussichten für die deutsche Konjunktur sind zunehmend mit Risiken behaftet", urteilte Helaba-Analystin Viola Julien. "Das kommt allerdings alles andere als überraschend, von daher reagiert der Markt auch kaum", erklärte ein Börsianer.

Für Bewegung unter den Einzelwerten sorgten vor allem die zahlreichen Quartalsberichte, die vorgelegt wurden. Daimler überraschte die Investoren mit einer Bekräftigung der Prognose, die Aktien legten um 4,1 Prozent zu. Der Autobauer rechnet weiterhin "mit einem Ergebnis aus dem laufenden Geschäft in der Größenordnung des Vorjahres". 2011 hatten die Schwaben operativ knapp neun Mrd. Euro verdient. Viele hätten wegen der Konjunktureintrübung mit einer Senkung der Prognose gerechnet, doch Daimler bleibe optimistisch - das überzeuge auch die Anleger, sagte ein Börsianer.

Auf der Verliererseite standen dagegen die Papiere der Deutschen Bank, die sich um 4,1 Prozent verbilligten. Ein Nettogewinn von gut vier Mrd. Euro, den die Analysten dem Institut bisher zugetraut hatten, werde 2012 wohl nicht zu schaffen sein, signalisierte das Bankhaus am Dienstagabend. Die Zahlen für das zweite Quartal seien deutlich schlechter als erwartet ausgefallen, hieß es in einem Kommentar von Silvia Quandt Research. Auch Christoph Bast, Analyst bei der DZ Bank, schrieb in einer Kurzstudie: Ein Nettoergebnis, das aufgrund von Währungseffekten unter dem Konsens liege, und nur vage Erklärungen seien eher enttäuschend. Die Commerzbank notierte im Dax 0,7 Prozent fester. Der europäische Bankenindex rückte um ein Prozent vor.

HHLA fallen nach Prognosesenkung

Noch deutlicher auf Talfahrt gingen die Aktien des Hamburger Hafen- und Logistikkonzerns HHLA. Der Konzern reduzierte angesichts der sich abzeichnenden Konjunkturabkühlung abermals sein Gewinnziel für das laufende Jahr. Die Aktien stürzten im MDax 8,2 Prozent ab, den niedrigsten Stand seit März 2009.

Bei Wacker läuft es momentan nicht rund. Der Kurs gab nach Zahlen zunächst nach, rettete sich am Ende aber mit 0,4 Prozent ins Plus. Ein näherer Blick auf den Aktienkurs zeigt, dass diese Entwicklung keine Überraschung für die Börse ist. Während der MDax seit Jahresstart 17 Prozent zugelegt hat, verlor die Wacker-Aktie 16 Prozent. "Belastend wirken sich auf den Umsatz wie die Marge die fallenden Preise für Polysilicon aus", sagte ein Marktbeobachter. Dies könne nur zum Teil durch neue Kapazitäten ausgeglichen werden. Die Zahlen für das zweite Quartal stufte er als "in line" ein, der Ausblick sei allerdings verhalten.

Qiagen setzten sich nach der Anhebung der Jahresziele mit einem Plus von 4,6 Prozent an die TecDax-Spitze. Beflügelt von Umsatz und Ergebniszuwächsen im zweiten Quartal erhöhte Deutschlands größtes Biotechunternehmen die Jahresprognose. Qiagen gehe dynamisch ins zweite Halbjahr, kommentierte LBBW-Analyst Timo Kürschner. Das Unternehmen habe von einem hohen, meist zweistelligen Wachstum in allen Regionen profitiert. Qiagen kündigte am Dienstagabend zudem an, erstmals ein Aktienrückkaufprogramm aufzulegen. Es soll ein Volumen von bis zu 100 Mio. US-Dollar haben.

Eine Berg- und Talfahrt erlebten die Anteilsscheine von Dialog Semiconductor, die im Sog enttäuschender Apple-Zahlen zunächst 3,5 Prozent verloren, am Nachmittag aber 2,2 Prozent fester notierten. Die Analysten von Close Brothers Seydler erklärten, trotz des schwierigen Umfeldes weiter an die Wachstumsstory von Dialog zu glauben und empfahlen die Titel zum Kauf. Ein Händler begründete die Kurserholung zudem mit charttechnischen Faktoren, nachdem die Dialog-Titel in den vergangenen beiden Tagen stark unter Druck gestanden hatten. Zudem legte der Dialog-Rivale ARM Zahlen über den Erwartungen der Analysten vor. Die ARM-Aktie gewann in London 5,9 Prozent, die in Frankfurt gelisteten Apple-Papiere sackten dagegen um 5,6 Prozent ab.

Im SDax schossen die Anteilsscheine von Praktiker um 18,3 Prozent nach oben. Der Finanzinvestor Clemens Vedder will dem angeschlagenen Baumarktkonzern mit mindestens 30 Mio. Euro unter die Arme greifen.

Quelle: ntv.de, ddi/bad/DJ/rts