Marktberichte

Rettungspaket trägt Dow-Rally hält an - Erste Gewinnmitnahmen

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Den Bullenmarkt verließ am Ende etwas die Kraft.

(Foto: imago images/Xinhua)

Nach dem Beschluss eines beispiellosen Rettungspakets kehren die Käufer aufs Parkett der Wall Street zurück. Doch die ersten Investoren machen nach den Gewinnen der vergangenen Tage bereits Kasse.

Nach dem größten Tagesanstieg seit rund 90 Jahren am Vortag ist die Rally an der Wall weitergelaufen. Allerdings setzten in den letzten 20 Minuten abrupte Gewinnmitnahmen ein, die die Aufschläge halbierten. Anlass waren Probleme bei dem Zwei-Billionen-Corona-Hilfspaket. Senator Bernie Sanders von Vermont drohte Berichten zufolge wegen eines strittigen Punkts bei der Arbeitslosenversicherung mit einer Verschiebung. Händler sagten, dies erinnere daran, wie wackelig jede Erholungsbewegung sei.

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Zunächst hatte die US-Politik für eine fabelhafte Rally von bis fünf Prozent im Dow gesorgt: Kongress und Regierung hatten sich auf ein Stimuluspaket von schätzungsweise zwei Billionen Dollar geeinigt, mit dem die US-Wirtschaft vor den schlimmsten Folgen der Coronavirus-Pandemie geschützt werden soll. "Das ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung", kommentierte Marktstratege Paul Sandhu von BNP Paribas Asset Management die Maßnahme.

Der Dow-Jones-Index kletterte schließlich noch um 2,4 Prozent auf 21.201 Punkte. S&P-500 gewann 1,2 Prozent, während der Nasdaq-Composite 0,5 Prozent im Minus schloss.

Der Dow-Jones-Index profitierte vor allem von der erneut haussierenden Boeing-Aktie, die gut 24 Prozent zulegte nach über 20 am Vortag und 11 am Montag. Die Anleger setzen darauf, dass der Konzern mit Staatshilfe gestützt wird und gehen daher in die zuvor abgestürzte Aktie. Die Aktie allein trug mit über 200 Punkten zum Dow-Anstieg bei.

Allerdings warnten Ökonomen selbst mit Blick auf China, dass es noch zu früh sei, eine wirtschaftliche Erholung heraufzubeschwören. "Es ist augenscheinlich ein äußerst signifikantes Paket - beispiellos in Friedenszeiten. Aber wir beobachten, dass ganze Teile der Wirtschaft heruntergefahren werden und weder die Fed oder Fiskalpakete können daran etwas ändern", sagte Volkswirt Andrew Hunter von Capital Economics.

Die Entspannung in der Krise wurde auch Dollar aufgezeigt, der nach seiner jüngsten Stärke wegen seiner Reputation als Fluchtwährung nachgab. Der ICE-Dollarindex verlor 1,3 Prozent. Händler verwiesen hier aber auch auf die Geldflut der US-Notenbank, die zu einer gigantischen Aufblähung der Fed-Bilanz führe und den Greenback tendenziell belaste.

Am Goldmarkt wurden Gewinne nach dem jüngsten Höhenflug eingestrichen. Die Feinunze verbilligte sich trotz Dollarschwäche um 1,3 Prozent auf 1611 Dollar. Erdöl wurde erneut gekauft, hier stützten die US-Stimulus-Maßnahmen. US-Leichtöl der Sorte WTI gewann 1,2 Prozent auf 24,31 Dollar je Fass, Nordseeöl der Sorte Brent 2,0 Prozent auf 27,68 Dollar. Händler warnten vor einem Einbruch der Investitionen angesichts des jüngsten Preisverfalls bei Rohöl. Damit sei die künftige Preisrally vorprogrammiert.

Unter den Einzelaktien stiegen Nike um 9,2 Prozent. Trotz der allgegenwärtigen Covid-19-Pandemie übertraf der Sportartikelhersteller umsatzseitig die Analystenerwartungen in seinem im Februar endenden Quartal. Zugleich verdiente Nike 23 Prozent weniger als vor Jahresfrist, aber immer noch mehr als von Analysten befürchtet.

Facebook standen dagegen drei Prozent unter Druck. Das Unternehmen hat gewarnt, dass die gegenwärtig stark erhöhte Nutzung des soziale Netzwerks vor dem Hintergrund der Pandemie nicht zu höheren Umsätzen führen werde.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ