Marktberichte

Mehr Sorgen als Zuversicht Dow hält sich knapp über 30.000er Marke

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An der Wall Street regierte die Zurückhaltung.

(Foto: AP)

Das Konjunkturpaket stockt, Corona explodiert und der No-Deal-Brexit wir zunehmend wahrscheinlicher: Alles keine Gründe für Anleger zuzugreifen. Allerdings handeln die Kurse an der Wall Street auf hohem Niveau. Und dann gibt es die spektakulären Einzelwerte.

An der Wall Street ist zum Ende der Handelswoche wieder Vorsicht eingekehrt. Der Dow-Jones-Index schaffte es aber, mit einem leichten Plus ins Wochenende zu gehen. Die Perspektive auf baldige Impfungen gegen Covid-19 in den USA und damit mutmaßlich eine Belebung der Wirtschaft hob die Stimmung kaum. Ein Gremium der US-Gesundheitsbehörde FDA hat sich für die Zulassung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer ausgesprochen. Das Votum ist aber wenig überraschend, weil Großbritannien den Impfstoff seit kurzem bereits verabreicht. Die Corona-Pandemie mit weiterhin hohen Neu-Infektionszahlen und verschärften Eindämmungsmaßnahmen belastete das Sentiment indessen weiter.

Der Dow-Jones-Index schloss am Ende 0,2 Prozent fester bei 30.047 Punkte, Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,1 Prozent nach. Für den technologielastigen Nasdaq-Composite ging es um 0,2 Prozent nach unten.

Als Belastungsfaktor auch jenseits des Atlantiks werteten Marktteilnehmer zudem die bedrohlich nah rückende Gefahr eines harten Brexits. "Wir haben lange Zeit gedacht, dass diese negativen Kommentare der Politik Verhandlungstaktik sind und es für beide Seiten von Bedeutung ist, ein Abkommen zu schmieden", sagte Marktstrategin Seema Shah von Principal Global Advisors. Doch nun stiegen die Sorgen, dass die Hürden unüberwindbar seien zwischen der EU und Großbritannien. Händler betonten, dass ein Handelsabkommen eingepreist sei. Komme es anders, bestehe Korrekturbedarf.

Bremsend wirkte schließlich, dass das herbeigesehnte Konjunkturprogramm in den USA nicht vorankommt. Hier gibt es einen neuen Dämpfer bei den Verhandlungen. Republikanische Senatsabgeordnete wollen den überparteilichen Kompromiss nicht in Gänze mittragen. Immerhin hat der US-Kongress mit einer Verlängerung des laufenden Bundeshaushalts eine drohende Haushaltssperre und damit eine Stilllegung von Bundesbehörden abgewendet - wenn auch nur für eine Woche. Ein positives Zeichen kam von der Konjunkturseite. So hat sich die Stimmung der US-Verbraucher im Dezember stärker als erwartet aufgehellt.

Abcellera mit 195 Prozent Aufschlag zum Debüt

Bei den Einzelwerten standen Walt Disney im Fokus. Der Unterhaltungskonzern will sein Angebot auf seinem Streamingdienst erheblich ausbauen und die Abonnentenzahl dadurch in den kommenden Jahren massiv steigern. Der Kurs schoss daraufhin um 13,6 Prozent in die Höhe. Der schweizerische Versicherungskonzern Zurich übernimmt das Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft von Metlife in den USA für 3,94 Milliarden US-Dollar. Die Aktie der Verkäuferin sank um 0,8 Prozent.

Oracle hat in ihrem zweiten Geschäftsquartal Umsatz und Gewinn dank eines starken Cloud-Geschäfts gesteigert und dabei besser als erwartet abgeschnitten. Auch der Ausblick auf das laufende dritte Quartal des Datenbankspezialisten lag über den Analystenschätzungen. Die Aktie gewann 1,9 Prozent.

Die Broadcom-Aktien fiel um ein Prozent. Dabei hat der Software- und Halbleiter-Konzern mit seinen Ergebnissen und dem Ausblick die Erwartungen übertroffen. Allerdings hat die Aktie im laufenden Jahr bereits 30 Prozent gutgemacht, was zu Gewinnmitnahmen anregte. Zugleich informierte Broadcom darüber, dass Kirsten Spears neue Finanzchefin werden wird.

Mit prominenter Unterstützung von Filmstar Uma Thurman ging das Pharma-Startup Abcellera an die US-Börse. Die Nachfrage soll riesig gewesen sein. Der Ausgabepreis von 20 Dollar lag oberhalb der zuletzt genannten und davor angehobenen Spanne von 17 bis 18 Dollar. Aus dem Handel ging die Aktie bei 58,90 Dollar, ein Plus von 195 Prozent zum Ausgabepreis.

Am Devisenmarkt stieg der Dollar-Index mit der erhöhten Risikoaversion um 0,2 Prozent leicht an. Das britische Pfund stand hingegen mit den wachsenden Sorgen über einen harten Brexit unter Druck - zu Dollar und Euro. Der britische Premierminister Boris Johnson spricht von einer "sehr hohen Wahrscheinlichkeit", dass die Verhandlungen mit der EU scheitern werden. Der Goldpreis wurde von den anhaltenden Unsicherheiten am Markt nur wenig bewegt. Die Feinunze verteuerte sich minimal um 0,1 Prozent auf 1839 Dollar.

Die Ölpreise tendierten mit Nachfragesorgen nach unten. Zudem belastete, das der Dienstleister Baker Hughes über eine steigende Zahl aktiver Bohrlöcher in den USA berichtet hat. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI gab 0,4 Prozent nach auf 46,61 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent fiel um 0,5 Prozent auf 50,01 Dollar. Brent notierte damit gerade so noch über der 50-Dollar-Marke, die der Preis am Vortag erstmals seit März genommen hatte.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ

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