Marktberichte

Euro legt zu, Gold auch Fed lässt Börsen leicht verwirrt zurück

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An der Wall Street verfolgen Händler aufmerksam die Powell-Rede.

(Foto: REUTERS)

Die US-Währungshüter sehen ein Abschwächen des Wachstums, wollen aber vorerst nicht mit einer Zinssenkung eingreifen. Wie lange nicht, ist aber unklar. Die Märkte reagieren nicht eindeutig.

Mit leichten Aufschlägen hat die Wall Street auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank und die anschließenden Aussagen von Fed-Chairman Jerome Powell reagiert. Das Zinsniveau wurde, wie erwartet, bestätigt, der Fed-Funds-Zielsatz liegt damit weiter bei 2,25 bis 2,50 Prozent. Der Offenmarktausschuss (FOMC) hat sich allerdings etwas pessimistischer zum Wirtschaftswachstum sowie den Inflationserwartungen geäußert und seine "geduldige" Haltung in Bezug auf mögliche Leitzinsänderungen aufgegeben.

Diese Änderung der Wortwahl macht Leitzinssenkungen zwar wahrscheinlicher, ob dies jedoch bereits auf der kommenden Sitzung im Juli geschehe, sei nicht sicher, so ein Teilnehmer. Powell sagte in seiner Pressekonferenz, nach Meinung vieler FOMC-Mitglieder gebe es jetzt mehr Argumente für Zinssenkungen. Jedoch würde das Gremium gerne abwarten, ob die Risiken das Wachstum weiter belasteten und dann auf Basis "anhaltender Entwicklungen" handeln.

Zinssenkung bis 2020 immer wahrscheinlicher

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Die Aussagen der US-Notenbank seien etwas "verwirrend", sagte Ökonom Mike Fratantoni von Mortgage Bankers Association. So sei der Ausblick mit etwas mehr Unsicherheiten behaftet, es habe aber keinen Hinweis darauf gegeben, dass eine Zinssenkung unmittelbar bevorsteht. Die Projektionen zeigten, dass in diesem Jahr mit keiner Zinssenkung zu rechnen sei und eine erste Lockerung frühestens im kommenden Jahr zu erwarten sei. "Damit stehen den Märkten schwierige Zeiten bevor, denn die Aussagen deuten darauf hin, dass die Fed eine Wachstumsverlangsamung registriert, aber noch nicht gewillt ist, die Zinsen in diesem Jahr zu senken", ergänzte der Teilnehmer.

Die wichtigste Botschaft der US-Notenbank ist nach Aussage von Unicredit die starke Veränderung der Zinsprognosen der FOMC-Mitglieder. Volkswirt Harm Bandholz verwies darauf, dass nun acht von 17 FOMC-Mitgliedern für 2019 eine Zinssenkung erwarteten und neun für 2020. Sieben davon rechneten sogar mit zwei Zinssenkungen für 2019.

Dollar kann Nachgeben wieder auffangen

Gold in USD
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Der Dow-Jones-Index gewann 0,1 Prozent auf 26.504 Punkte. Vor der Zinsentscheidung und den Aussagen von Powell hatte der Index wenig verändert bei 26.456 Punkten gelegen. Der S&P-500 verbesserte sich um 0,3 Prozent. Der Nasdaq-Composite legte um 0,4 Prozent zu. Dabei standen 1.836  2Kursgewinnern 1.100 Kursverlierer gegenüber. Unverändert schlossen 114 Titel.

Der Dollar geriet mit der Aussicht auf eine mögliche Zinssenkung zwischenzeitlich unter Druck, holte die Verluste allerdings weitgehend wieder auf. Der Greenback sei sowohl gegenüber dem Yen als auch dem Euro und den Schwellenländer-Währungen unter Druck geraten, so ein Teilnehmer. Der Euro legte in der Spitze bis auf 1,1254 Dollar zu. Im späten US-Handel lag die Gemeinschaftswährung bei 1,1229 Dollar - und damit fast wieder auf dem Niveau vor der US-Zinsentscheidung.

Adobe und Jabil glänzen

Adobe
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Der Goldpreis zeigte sich zum US-Settlement mit einem 0,1 Prozent bei 1.348 Dollar. Allerdings legte er im elektronischen Handel mit den pessimistischeren Konjunkturaussagen der US-Notenbank zu und stieg bis auf 1.356 Dollar. Im späten US-Handel lag das Edelmetall dann bei 1.355 Dollar, ein Aufschlag von 0,6 Prozent.

Die Ölpreise zeigten sich mit leichten Abgaben, obwohl die offiziellen wöchentlichen US-Öllagerdaten stärker gesunken sind als erwartet. Das Barrel der US-Sorte WTI reduzierte sich zum US-Settlement um 0,3 Prozent auf 53,76 Dollar, Brent verlor 0,5 Prozent auf 61,82 Dollar.

Bei den Einzelwerten legten Adobe um 5,2 Prozent zu. Der Softwarekonzern übertraf für das zweite Quartal die Erwartungen, beim Ausblick auf das laufende dritte Quartal enttäuschte Adobe aber etwas.  Der Apple-Zulieferer Jabil hat für das dritte Geschäftsquartal einen Umsatz über den Markterwartungen ausgewiesen. Die Aktie verbesserte sich um 10,2 Prozent.  Die Analysten von Suntrust erhöhten Tripadvisor auf "Buy". Das Unternehmen habe das Angebot für online buchbare Produkte ausgeweitet und Nutzerwachstum generiert. Die Titel rückten um 1,9 Prozent vor.

Quelle: n-tv.de

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