Marktberichte

Sorge vor EU-Kritikern Frankreich-Wahl könnte Märkte erschüttern

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Wer das Rennen in Frankreich macht, dürfte auch das Marktgeschehen beeinflussen.

(Foto: imago/Winfried Rothermel)

Die Aktienmärkte stehen in der kommenden Woche vor neuen Rekorden. Allerdings nur, wenn ihnen Frankreichs Wähler keinen Strich durch die Rechnung machen. Eine Niederlage des Lieblingskandidaten der Anleger könnte für Turbulenzen sorgen.

"Rien ne va plus, nichts geht mehr" - oder vielleicht doch? Frankreichs Wähler haben es Experten zufolge in der Hand, ob die internationalen Börsen in der neuen Woche zum Sprung auf neue Hochs ansetzen. Sollten sich in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl allerdings zwei europakritische Kandidaten durchsetzen, droht ein Absturz.

Derzeit setzten Anleger auf einen Sieg des unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron, sagt Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. "Das ist das marktfreundlichste Szenario und wird sowohl französischen Aktien als auch dem Euro weiteren Auftrieb geben." In der alten Woche gewann die Gemeinschaftswährung ein Prozent auf etwa 1,07 Dollar. Der Pariser Auswahlindex CAC40 kam indes kaum vom Fleck.

In Umfragen liegen die vier aussichtsreichsten Kandidaten allerdings fast gleichauf. Sollte Macron den Einzug in die Stichwahl verpassen, rechnen Experten mit Kursturbulenzen. Dem unabhängigen Kandidaten werden die größten Chancen eingeräumt, die voraussichtliche Siegerin der ersten Runde - die Europa-Kritikerin Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National - am 7. Mai zu besiegen.

"Frexit"-Planspiele Gift für Anleger

Allerdings hat der Linke Jean-Luc Melenchon in den Umfragen stark aufgeholt. Er will ebenso wie Le Pen über den Ausstieg seines Landes aus der EU abstimmen lassen. "Das Killer-Szenario für den Euro wäre, wenn diese beiden zur Stichwahl antreten", warnt Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. "Dies würde einen Ausstieg Frankreichs aus dem Euro wahrscheinlich machen."

Spekulationen auf einen "Frexit" könnten auch internationale Aktienanleger in die Flucht schlagen, deren Käufe die heimischen Märkte in den vergangenen Monaten gestützt hätten, warnt Anlage-Experte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg und Goldberg. "Ein plötzlich ausbleibender Kapitalstrom aus dem Ausland wäre Gift für den Dax." Dieser verlor in den vergangenen Tagen 0,5 Prozent auf etwa 12.000 Punkte.

Kurz nach den USA kommt auch in Deutschland die Bilanzsaison auf Touren: In der neuen Woche öffnen rund ein halbes Dutzend Dax-Konzerne ihre Bücher. Den Anfang macht der Software-Anbieter SAP am Dienstag. Am Donnerstag sind Deutsche Bank, der Chemiekonzern BASF und der "Aspirin"-Anbieter Bayer an der Reihe. In den USA legen der Limonaden-Hersteller Coca-Cola, die Schnellrestaurant-Kette McDonald's jeweils am Dienstag Geschäftszahlen vor, Google-Mutter Alphabet folgt am Donnerstag.

Konjunkturdaten tun ihr Übriges

Darüber hinaus müssen Investoren eine Menge Konjunkturdaten verdauen. Am Montag gibt der Ifo-Index Auskunft über die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen. Hinweise auf die Kauflaune der Verbraucher liefert am Donnerstag der GfK-Index. Am selben Tag stehen zudem der europäische Geschäftsklima-Index sowie die deutschen Inflationsdaten auf der Agenda.

Ein erneuter Rückgang der Teuerung könnte den Spekulationen um die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Nahrung geben, auf die deren Chef Mario Draghi bei seiner Pressekonferenz am Donnerstag nach dem Zinsentscheid wohl eingehen wird. Führende Notenbanker betonten in der alten Woche, dass es noch zu früh sei, die geldpolitischen Zügel anzuziehen.

Quelle: ntv.de, kst/rts