Marktberichte

Strohfeuer an der Wall Street? Leichte Verluste folgen auf Riesengewinne

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(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Zwischenzeitlich sieht es so aus, als würden die US-Börsen auch am zweiten Handelstag der Woche kräftige Gewinne einfahren. Doch sie können ihre Tageshöchstwerte nicht halten, am Ende schließen sie sogar im Minus. Nur Freizeit- und Touristikwerte legen weiter zu.

Die US-Börsen haben nach den kräftigen Vortagsgewinnen am Dienstag leicht im Minus geschlossen. Die Tageshöchststände mit Aufschlägen bis zu 4 Prozent konnten nicht gehalten werden. Geprägt wurde der Handel erneut von der Hoffnung, dass die eingeleiteten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in absehbarer Zeit gelockert werden können. Die USA werden jedoch hart von der Pandemie getroffen.
Der Dow-Jones-Index fiel um 0,1 Prozent auf 22.655 Punkte. Der S&P-500 schloss 0,2 Prozent leichter bei 2.659 Punkte, während der Nasdaq-Composite 0,3 Prozent abgab auf 7.887 Punkte.

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Zwar kamen aus den USA zu Wochenbeginn auch etwas ermutigende Signale, dass das Herunterfahren des öffentlichen Lebens sich langsam auszahlt, indem die Dynamik der Corona-Ausbreitung nachlässt. Dennoch warnen Behörden vor voreiligen Schlüssen. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität starben in den USA bislang knapp 11.000 Menschen an der von dem Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19.
Allein im US-Bundesstaat New York waren es binnen der letzten 24 Stunden 731 Menschen und damit mehr als an jedem Tag zuvor. Damit stieg die Gesamtzahl der Todesopfer in New York auf 5.489, wie Gouverneur Andrew Cuomo am Dienstag bekanntgab. In dem Bundesstaat mit der gleichnamigen Millionenmetropole wurden bereits mehr als 138.000 Infektionen bestätigt.

Die US-Regierung will derweil die geplanten Hilfen für kleine und mittlere Unternehmen um 250 Milliarden Dollar erhöhen. US-Finanzminister Steve Mnuchin schrieb auf Twitter, er habe mit Anführern von Republikanern und Demokraten im Kongress über die zusätzlichen Finanzmittel beraten. Kleine und mittlere Unternehmen müssten an das Geld kommen, das sie zum Überleben benötigten.

Nur ein Strohfeuer?

"Die Anleger versuchen nun, Risiken und Chancen auszumachen", sagte Bruce Pang von China Renaissance Securities. "Die Erfahrung aus China zeigt, dass der Markt einen Boden findet, wenn die Zahl der Infektionen ihren Höhepunkte erreicht." Die Anleger gingen zudem davon aus, dass ein großer Teil der schädlichen wirtschaftlichen Folgen wie langsameres Wachstum, steigende Arbeitslosigkeit, lahmende Nachfrage und unterbrochene Lieferketten bereits in den gesunkenen Kursen eingepreist seien. Die Risiken blieben aber dennoch groß und die Märkte anfällig für Gewinnmitnahmen und neuerliche Abstürze.

Auch die Portfoliomanagerin Nancy Perez vom Vermögensverwalters Boston Private Wealth warnte, dass die zwischzeitlichen Gewinne nur ein Strohfeuer gewesen sein könnten. "Es gibt eine Menge Gegenwind, der dazu führen kann, dass der Markt seine jüngsten Tiefs noch einmal antestet." Auch wenn die Restriktionen auf dem Papier gelockert würden, werde die Erholung der Wirtschaft Zeit in Anspruch nehmen.

Freizeit- und Touristikwerte legen zu

American Airlines
American Airlines 11,78

Investoren setzten dennoch auf eine nahende Lockerung der Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Sie deckten sich vor allem mit Freizeit- und Touristik-Werten ein, die in den vergangenen Wochen besonders hart gebeutelt worden waren. Auch die Aktien von Fluggesellschaften waren gefragt: United Airlines stiegen um 1,9 Prozent und American Airlines um 7,6 Prozent.

Kraft Heinz legten um 2,7 Prozent zu, nachdem der Lebensmittelkonzern für das erste Quartal ein Umsatzwachstum in Aussicht gestellt hatte, während Analysten einen Rückgang erwartet hatten. Das Unternehmen rechnet nunmehr mit einem Wachstum von 3 Prozent bzw. 6 Prozent organisch.
Luminex verbesserten sich um 5,2 Prozent. Das Biotech-Unternehmen hatte seinen Erstquartalsumsatz vorab veröffentlicht. Die Erlöse übertrafen die eigenen Ziele, was vor allem dem Bereich Molekulardiagnostik zu verdanken war. Hier wurde wegen der Coronavirus-Pandemie ein Umsatzplus von über 25 Prozent erzielt.

Nach dem Kurssprung zu Wochenbeginn ging es bei Carnival weitere 10,7 Prozent nach oben. Den Auslöser lieferte die Nachricht vom Vortag, dass der Staatsfonds von Saudi-Arabien mit einer Beteiligung von 8,2 Prozent bei der größten Kreuzfahrtreederei der Welt eingestiegen ist. Carnival, wie auch andere Anbieter von Kreuzfahrten, litten jüngst besonders stark unter den Reisebeschränkungen und der damit fehlenden Liquidität im Unternehmen. Royal Caribbean erhöhten sich um 13,3 Prozent.

Quelle: ntv.de, chr/DJ