Marktberichte

Starke Kursverluste in Asien Märkte setzen Ausverkauf fort

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(Foto: AP)

Der Verlustserie an den internationalen Aktienmärkten setzt sich fort. Nach dem Kurssturz des Dow Jones in New York am Vorabend rauschen die Aktienindizes an den Märkten im Asien-Pazifik-Raum weiter in den Keller. Zeitweise verlieren die Indizes in Fernost bis zu neun Prozent. Bis Handelsschluss kann sich der Markt jedoch etwas fangen.

Allen Bemühungen der Politik zum Trotz hat sich die Talfahrt der Börsen rund um den Globus in Folge der Schuldenkrise in den USA und Europa schier unaufhaltsam fortgesetzt. Nach den Kursstürzen der Wall Street am Montag baute die Börse in Tokio ihre Verluste weiter aus. Daneben hätten die höher als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten aus China belastet, hieß es. Anleger flüchteten in als sicher erachtete Anlagen: Sowohl Gold wie auch der Schweizer Franken kletterten auf Rekordstände.

Mit einem Abschlag von 1,7 Prozent auf 8944 Punkte erholte sich der Nikkei zum Handelsschluss aber wieder vom Tagestief bei 8657 Punkten. Der Topix schloss 1,6 Prozent leichter bei 770 Punkten.

Neben anhaltenden Sorgen um die US-Konjunktur drückten auch negative Inflationsdaten aus China auf die Stimmung. Der chinesische Konsumentenpreisindex ist im Juli auf ein Dreijahreshoch von 6,5 Prozent gestiegen. Volkswirte hatten hingegen mit einem leichten Rückgang von zuletzt 6,4 auf 6,3 Prozent gerechnet. "Wir sehen aktuell eine Paniksituation, in der die Anleger das Weite suchen, um weitere Verluste zu vermeiden", kommentierte ein Händler von Mizuho Securities das Marktgeschehen.

Im Vorfeld des Offenmarktausschuss-Treffens der US-Notenbank im späteren Tagesverlauf seien Hoffnungen auf eine technische Gegenreaktion an den internationalen Aktienmärkten aufgekommen, hieß es von Beobachtern. "Wir sehen eine Marktpanik, die eventuell zu stärkeren Verlusten führt, als nötig", fügte ein Analyst von Mito Securities hinzu. Daneben habe die relative Stärke der Börse in Schanghai für etwas Unterstützung gesorgt.

Öl- und Finanzwerte verzeichneten die stärksten Abschläge. Inpex verloren 5,5 Prozent auf 497.000 Yen und Marubeni 4,9 Prozent auf 482 Yen, während Nomura Holdings mit einem Minus von 3,8 Prozent bei 327 Yen aus dem Handel gingen. Exportwerte wie Honda Motor (-2,8 Prozent auf 2.722 Yen) und Nikon (-2,7 Prozent auf 1.607 Yen) litten unter dem festen Yen.

Nach Vorlage schwacher Erstquartalszahlen und eines eingetrübten Ausblicks gaben Elpida Memory um 9,2 Prozent auf 573 Yen nach. Disco verbilligten sich um 4,1 Prozent auf 3.865 Yen, nachdem das Unternehmen den Ausblick für das Gesamtjahr sowie die Dividendenprognosen gesenkt hatte.

Etwas besser als der Gesamtmarkt hielten sich Daikin Industries mit einem Minus von 1 Prozent auf 2.506 Yen. Der Chemiekonzern hatte seinen Nettogewinn im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt.

Verluste in Korea

Die Börse in Seoul setzte die Talfahrt der vergangenen fünf Handelstage fort und schloss sehr schwach. Vor allem ausländische Investoren hätten massiv Positionen abgebaut, hieß es. Zwischenzeitlich verlor der Kospi 10 Prozent, ging dann aber mit einem Minus von 3,6 Prozent bei 1801 Punkten aus dem Handel.

Nachdem der Kospi auf ein Tagestief von 1685 Zählern gefallen sei, hätten heimische Institutionen aggressive Gelegenheitskäufe getätigt und den Markt damit gestützt, sagten Börsianer. Analysten sprachen aber von einer sehr ängstlichen Anlegerstimmung. Es fehle an Vertrauen in den Willen der Politik, die Weltwirtschaft zu stützen. "Alles was wir tun können, ist auf effektive Maßnahmen von Seiten der wichtigen Wirtschaftsmächte warten", meinte ein Analyst von Shinhan Investment.

Chemiewerte profitierten nach den zuletzt massiven Verlusten von. LG Chem kletterten um 2,1 Prozent und Honam Petrochemical um 1,5 Prozent.

Tagesverlierer waren Bankenwerte. Korea Exchange Bank büßten 6,3 Prozent ein. Woori Finance Holdings verloren 7,2 Prozent und Hana Financial Group 6,5 Prozent.

Shanghai kaum verändert

Die Börse in Shanghai erholte sich trotz höher als erwartet ausgefallener Inflationszahlen von frühen Verlusten und schloss auf dem Niveau des Vortages. Der Verzicht der chinesischen Regierung auf weitere monetäre Straffungsmaßnahmen habe für Unterstützung gesorgt, hieß es.

Während der Shanghai Composite mit 2526 Punkten aus dem Handel ging, ging es in Hongkong steil bergab. Der Hang Seng verlor 5,7 Prozent auf 19.331 Zähler. Zwar habe hier zwischenzeitlich eine Kombination aus Gelegenheitskäufen und Leereindeckungen gestützt, insgesamt hätten aber die Rezessions- und Schuldenängste überwogen, sagten Händler.

Die chinesischen Verbraucherpreise waren im Juli um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, im Juni hatten sie um 6,4 Prozent zugelegt. Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Leitzinsanhebung ist nach Einschätzung von Analysten angesichts der aktuellen Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten aber gering. Dies habe den Verkaufsdruck etwas abgemildert, es sei aber noch zu früh, um von einer Bodenbildung zu sprechen, meinten Analysten.

Zu den Verlierern in Shanghai zählten unter anderem Minenwerte. Zijin Mining fielen um 1,1 Prozent, Chalco um 0,2 Prozent und Shenzhen Zhongjin Lingnan Nonfemet um 5,6 Prozent.

Auf der Gewinnerseite standen unterdessen die Papiere von Fluggesellschaften, die von den stark gesunkenen Ölpreisen profitierten. Air China kletterten um 1 Prozent, China Southern Airlines um 1,4 Prozent und China Eastern Airlines um 1,2 Prozent.

China Merchants Bank stiegen um 0,7 Prozent, nachdem das Management für die erste Jahreshälfte eine Gewinnsteigerung um 40 Prozent vermeldet hatte. Die in Hongkong gelisteten HSBC brachen unterdessen um 7,3 Prozent ein.

US-Börsen rutschen ab

Der Dow Jones hatte am Montagabend mit minus 5,6 Prozent auf 10 809,85 Punkten geschlossen. Der breit gefasste S&P 500 brach um 6,7 Prozent auf 1119,46 Punkte ein und auch die Nasdaq-Indizes zeigten sich nach ihren insgesamt sieben- und achtprozentigen Verlusten in der Vorwoche erneut extrem schwach: Der Nasdaq 100 verlor 6,1 Prozent auf 2060,29 Punkte und der Composite-Index noch deutlichere 6,9 Prozent auf 2357,69 Punkte.

"Eine Abstufung durch S&P ist zwar erwartet worden, aber dass es so schnell kommt, hat geschockt", sagte ein Aktienexperte in London. Keith Wirt, Chef-Investmentstratege von Fifth Third Asset Management in Cincinnati erläuterte: "Zwar gibt es derzeit billige Aktien am Markt, aber die Emotionen kochen augenblicklich hoch. Es gibt genug Unsicherheiten und die Anleger wollen daher so wenig Risiken wie möglich."

Historische Herabstufung

Die neuerliche extreme Nervosität an den Börsen weltweit hatte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) am Freitag ausgelöst, als sie nach Börsenschluss bekanntgegeben hatte, dass sie die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft habe. Das hatte am Wochenende die Sorge vor einem Börsen-Crash am Montag genährt. Dagegen hatten sich aber Politik und Europäische Zentralbank mit ihrem Krisenmanagement stemmen wollen. Neben der EZB hatten auch die Finanzminister der G7 versucht, den Kursstürzen entgegenzusteuern.

Die Europäische Zentralbank hatte am Sonntagabend signalisiert, dass sie nun auch Staatsanleihen der großen Euroländer Italien und Spanien kaufen wolle. Daraufhin purzelten am Montag die Renditen zehnjähriger italienischer und spanischer Anleihen kräftig: Die Refinanzierung wird somit für Rom und Madrid wieder günstiger.

Dem US-Markt half Obamas Rede nicht zur Trendwende. Der US-Präsident sagte am Montagabend mitteleuropäischer Zeit, die Probleme der USA seien "lösbar". "Egal, was eine Ratingagentur meint, wir waren immer und werden immer ein AAA-Land sein", betonte er. Es gebe eine ganze Reihe von Ideen, wie die Krise gelöst werden könne.

Quelle: n-tv.de, nne/rts/DJ

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28.04.09