Marktberichte

11.000 geknackt, 1,06 gerissen Spekulationen befeuern den Dax

Den deutlichen Verlusten am deutschen Aktienmarkt vom Dienstag folgen noch größere Gewinne zur Wochenmitte. Nicht nur im Dax schieben Gerüchte die Kurse an.

"Der Markt will einfach weiter nach oben", sagt ein Händler mit Blick auf den deutschen Börsenhandel zur Wochenmitte. "Deeskalationssignale" aus der Türkei, Spekulationen über eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik, Gerüchte über einen erneuten Übernahmeversuch: Kaufimpulse gab es dabei genug. Die steigenden Kurse lieferten zudem einen weiteren gleich mit. Aber vor allem im späten Handel hieß es: "Kurstreiber ist nur der Euro."

Der Dax schloss mit einem Plus von 2,2 Prozent und 11.170 Punkten. Die Verluste vom Dienstag, als der deutsche Leitindex fast 160 Punkte eingebüßt hatte, sind damit mehr als wettgemacht. Gleichzeitig gelang der Sprung über die psychologisch wichtige 11.000er Marke und die charttechnisch relevante 200-Tage-Linie. Der MDax verabschiedete sich mit einem Aufschlag von 1,5 Prozent und 21.263  Zählern auf. Der TecDax gewann 1,4 Prozent auf 1821 Stellen.

Die EZB und der Euro

"Insbesondere die Aussicht auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik hat dem Dax neuen Schwung gegeben, auch wenn die Frage bleibt, ob der Sprung über 11.100 Punkte nachhaltig ist", erläuterte Andreas Lipkow, Händler bei Kliegel & Hafner. Laut einem Medienbericht gibt es aktuell Diskussionen innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB), wie weitere Konjunkturimpulse gesetzt werden könnten. Das heizte Spekulationen an, dass die EZB womöglich den Einlagenzins stärker senken könnte als bisher erwartet.

Der Kurs des Euro rutschte daraufhin auf ein Siebenmonatstief, was dem deutschen Aktienmarkt zusätzlich Rückenwind bescherte. Ein schwacher Euro hilft den deutschen Unternehmen, die ihre Waren außerhalb der Eurozone exportieren.

Dax: Satte Gewinne bei K+S

Bei den Einzelwerten ging es im Dax mit K+S am deutlichsten nach oben: fast 8 Prozent. Der Platow-Brief schrieb, Potash könnte einen neuen Anlauf für eine Übernahme des deutschen Konzerns unternehmen. Seit dem Rückzieher von Potash Anfang Oktober ist der Kurs von K+S stark gefallen. Nun könnte im Frühjahr ein neues Angebot kommen, dass allerdings unter dem letzten Offerte von 41 Euro liegen könnte, so der Informations-Dienst. Grund für ein neues Angebot sei der Produktionsstart der neuen kanadischen Legacy-Mine, mit der K+S wettbewerbsfähiger werde.

Ebenfalls deutlich fester präsentierten sich Deutsche Lufthansa, nachdem ein möglicher Streik der Flugbegleiter abgesagt wurde. Die Kranich-Titel zogen rund 2 Prozent an.

Mit einem Plus von etwa 4 Prozent legten die VW-Vorzugsaktien den neunten Tag in Folge zu. Die Anleger setzten darauf, dass die Lage bei VW weniger verheerend ist, als es der aktuelle Kurs der Aktie andeutet. Das Kraftfahrt-Bundesamt genehmigte inzwischen die Vorschläge von VW zur Überarbeitung der ersten manipulierten Dieselmotoren. Für die größeren 2,0-Liter-TDI-Motoren reicht demnach das Aufspielen eines neuen Programms aus.

MDax: Metro und die Dividende

Positiv beurteilten Händler die neue Dividendenpolitik bei Metro. Das Unternehmen hatte die Bandbreite für die Ausschüttungsquote auf 45 bis 55 Prozent erhöht von bisher 40 bis 50 Prozent. Die nun angekündigte Dividende von 1,00 Euro je Stammaktie liege deutlich über der Erwartung von 0,86 Euro, auch die Dividendenrendite von über 3 Prozent spreche für die Aktie. Zudem empfahl die Investmentbank Jefferies die Aktie zum Kauf. Die Titel verbesserten sich um mehr als 5,5 Prozent.

Leoni bauten im Verlauf ihre Verluste ab und schlossen rund 1,5 Prozent fester. Der bevorstehende Abstieg aus dem Stoxx-600 bremste den Kurs zunächst ein. Sie müssen den breiten Index am Abend des 18. Dezember verlassen. Als Profiteur könnten sich Zalando-Aktien erweisen. Die Titel verbesserten sich um etwa 4,5 Prozent. Der Stoxx-600 ist zwar kein Benchmark-Index, er dient aber als Grundlage für zahlreiche Branchen-ETFs.

CTS Eventim gewannen rund 1  Prozent. Die Anleger reagierten damit positiv auf die vorgelegten Geschäftszahlen. Dank besserer Geschäfte sowohl im Ticketgeschäft als auch im Bereich Live-Entertainment hatte das Unternehmen in den ersten neun Monaten deutlich mehr verdient als im Vorjahreszeitraum.

USA: "Thanksgiving" bremst aus

Ohne große Kursbewegungen, aber immerhin mit positiven Vorzeichen warteten die Indizes an der Wall Street auf. Händler verwiesen auf den festen Dollar sowie wieder fallende Ölpreise als Gründe. In den vergangenen Tagen hatten die Ölpreise als Schrittmacher für den Markt fungiert. Der Dow-Jones-Index schloss nahezu unverändert bei 17.813 Punkten. Der Nasdaq Composite legte um 0,3 Prozent auf 5116 Stellen zu. Der S&P-500 positionierte sich unverändert bei 2089 Zählern. Wegen des Feiertags "Thanksgiving" am Donnerstag blieb der Umsatz zunächst begrenzt, zumal auch am Freitag nur verkürzt gehandelt wird.

Eine Serie von Konjunkturdaten zeichnete ein rosiges Bild der US-Konjunktur, was aber nicht für Auftrieb sorgte. So hatten in der Vorwoche deutlich weniger US-Bürger als erwartet erstmals Arbeitslosenhilfe beantragt. Auch die Auftragseingänge langlebiger Güter schlugen die Markterwartungen für den Monat Oktober signifikant. Positiv überraschte auch der Anstieg des Markit-Einkaufsmanagerindexes für das Dienstleistungsgewerbe im November. "Die Daten bestätigen die Zuversicht, dass eine Zinserhöhung der Fed angesichts der verbesserten Wirtschaftsaussichten angemessen ist", kommentierte ein Händler.

Bei den Einzelwerten standen Hewlett-Packard im Blick. Der Computerkonzern hatte im vierten Geschäftsquartal, dem letzten vor seiner Aufspaltung, deutlich weniger umgesetzt und etwas weniger verdient. Zudem gab das Unternehmen für den Bereich Drucker und PC einen enttäuschenden Ausblick. Die Aktie von HP Inc sackte um 8,4 Prozent ab. Bei Hewlett Packard Enterprise, in der das Cloud- und das Unternehmenskundengeschäft gebündelt ist, zeigten sich die Anleger zufrieden, das Papier kletterte um 1,5 Prozent. Die Aktie von Deere steigerte sich um 4,8 Prozent. Der Landmaschinenhersteller hatte trotz stark rückläufiger Gewinne im vierten Quartal die Erwartungen am Markt übertroffen. Geholfen haben dem Unternehmen dabei vor allem Kosteneinsparungen.

Devisen: Euro unter 1,06

Der Euro beschleunigte zur Wochenmitte seinen Abwärtstrend. Nachdem die Gemeinschaftswährung am Morgen noch bei 1,0679 Dollar gelegen hatte, notierte sie am Abend bei 1,0585 Dollar unter der 1,06er Marke. Diese hatte ihr vergangene Woche noch mehrfach Unterstützung gegeben. Die EZB setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0586 Dollar fest.

"Der Euro droht wieder unter 1,06 Dollar nach unten auszubrechen", blickte ein Händler bereits voraus. Hinter der Schwäche des Euro stehe ein Bericht, dem zufolge die EZB unter anderem die Anleihekäufe auf risikoreichere Papiere ausdehnen könnte. Entscheidend für die weitere Entwicklung des Währungspaars bleiben allerdings die Zentralbanktreffen der EZB und US-Notenbank im Dezember. Die Deutsche Bank prognostizierte, dass der Euro sehr schnell Richtung Parität und im Verlauf des Jahres 2016 sogar auf sein bisheriges Tief bei 0,85 Dollar fallen könnte.

Rohstoffe: Ölpreise verpassen Trendwende

Ein Überangebot am Ölmarkt drückte die Preise wieder. Allerdings reduzierten sich die Abschläge am Abend wieder etwas, nachdem die US-Lagerbestände nicht so stark gestiegen waren wie befürchtet. Ein Barrel des Nordsee-Öls Brent kostete 45,66 Dollar und damit etwa 0,5 Prozent weniger als noch am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel um 0,4 Prozent auf 42,48 Dollar. Während das American Petroleum Institute den Anstieg der US-Rohölvorräte in der vergangenen Woche mit 2,6 Millionen Barrel bezifferte und Analysten mit 1,2 Millionen Barrel gerechnet hatten, lag das tatsächliche Plus nur bei 0,96 Millionen Barrel.

Der Goldpreis sank ebenfalls. Eine Feinunze kostete am Abend mit 1072 Dollar rund 0,3 Prozent weniger als noch am Dienstag. Am Markt wurde - wie beim Ölpreis auch - bereits bezweifelt, dass mit dem Anstieg vom Dienstag ein Trendwechsel eingeleitet worden war.

Asien: Uneinheitliche Börsen

Zwar verschreckte der Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch das Nato-Mitglied Türkei die Anleger auch in Asien etwas, doch insgesamt fiel die Reaktion moderat aus. Bei den Leitindizes waren die Vorzeichen aber uneinheitlich. Während der Shanghai Composite 0,9 Prozent auf 3648 Zähler zulegte, fiel der Nikkei 0,4 Prozent auf 19.849 Punkte. Der Hangseng gab 0,4 Prozent nach. In Sydney fiel der S&P/ASX 200 0,6 Prozent.

Am japanischen Markt spielten Gewinnmitnahmen eine Rolle, nachdem der Nikkei in weniger als zwei Monaten fast 20 Prozent gutgemacht hatte. Die Yen-Stärke drückte vor allem auf Exportwerte. In Schanghai gehörten Pharma-, Medien und Internetsicherheits-Werte zu den Favoriten. Auch Rüstungstitel waren mit der Türkei-Russland-Krise gesucht.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ/dpa

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