Marktberichte

Ist Aschermittwoch alles vorbei? Trump hält Dax in Schach

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Warten auf die Steuerbescherung: Heute Abend soll Trump vor beiden Kongresskammern seine Haushaltspolitik erklären.

(Foto: AP)

Weder Konjunkturdaten noch Unternehmenszahlen können den Dax von seiner Antriebslosigkeit befreien. Alle Augen und Ohren sind auf Präsident Trump gerichtet, dessen Rede heute Nacht entscheiden dürfte, ob die Anleger morgen mit einem Kater aufwachen.

Am Tag vor Donald Trumps erster Rede als Präsident im US-Kongress wirken die Aktienmärkte wie erstarrt. Analyst Jochen Stanzl vom des Online-Brokers CMC Markets mahnte vor Trumps Rede zur Vorsicht. "Investoren sollten sich auf Luftlöcher vorbereiten, in die der Deutsche Aktienindex morgen früh fallen könnte, wenn der neue US-Präsident nicht liefert. Dann wäre am Aschermittwoch auch an der Börse zunächst einmal alles vorbei." Trumps Rede vor beiden Kammern des US-Kongresses ist für die Nacht zum Mittwoch (3.00 Uhr MEZ) geplant.

Nachdem der Dax knapp um den gestrigen Schlusskurs gependelt war, rettete der deutsche Leitindex ein minimales Plus von 0,1 Prozent ins Ziel und schloss bei 11.834 Punkten. Der MDax beendete den Handel unverändert bei 23.366 Punkten. Der TecDax stieg auf 1904 Zähler, ein Plus von 0,4 Prozent. Der EuroStoxx50 machte ein halbes Prozent gut und schloss bei 3324 Punkten.

Wenig Bewegung gab es auch an den US-Börsen - einziger Unterschied:  Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,1 Prozent auf 20.812 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P 500 sank um 0,3 Prozent auf 2363 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,6 Prozent auf 5825 Punkte. "Wir warten einfach darauf, heute Abend mehr Fleisch auf diese Knochen zu bekommen", sagte Portfoliomanager Mark Spellman vom Vermögensverwalter Alpine Funds. "Wir haben nur allgemeine Ankündigungen und versuchen nun herauszufinden, wie diese umgesetzt werden sollen."

Margenprognose lastet auf Salzgitter

Unter den Einzelwerten im Dax rückten die Aktien von Infineon als Schlusslicht mit minus 1,2 Prozent in den Blick. Der Chiphersteller will sich nach der geplatzten Wolfspeed-Übernahme in den USA nach neuen Möglichkeiten für Wachstum umsehen.

Darüber hinaus zogen Unternehmen aus der zweiten Reihe mit Quartalsberichten die Aufmerksamkeit auf sich. So kam dem Stahlhersteller Salzgitter 2016 neben Einsparungen zwar die Erholung auf dem Stahlmarkt zugute, so dass er wieder einen Gewinn erwirtschaftete. Doch enttäuschte die Konzernprognose für 2017. Die Papiere fielen daher mit minus 2,4 Prozent an das MDax-Ende.

Hochtief
Hochtief 71,56

Hochtief-Aktien litten unter Gewinnmitnahmen und büßten 0,45 Prozent ein. Am Morgen hatten sie noch ein Rekordhoch bei 145,55 Euro erreicht. Der Baukonzern gab sich wegen gefüllter Auftragsbücher und guter Aussichten auf weitere Bestellungen optimistischer für 2017.

Um 1,69 Prozent abwärts ging es für die Titel des Möbel- und Einzelhändlers Steinhoff. Dank Zukäufen startete der südafrikanische Konzern, dessen Wurzeln in der deutschen Möbelindustrie liegen, mit einem Umsatzsprung ins neue Geschäftsjahr. Der US-Markt sei allerdings schwierig gewesen, schränkte ein Analyst ein.

Im TecDax erholten sich die Aktien von Nordex wieder leicht nach ihrer steilen Talfahrt am vergangenen Donnerstag und Freitag. Nach dem Kurssturz um bis zu 37 Prozent infolge einer Prognosesenkung ging es für die Papiere des Windkraft-Anlagenbauers nun erstmals wieder aufwärts. Sie legten an der Index-Spitze um 6 Prozent zu.

Finanzwerte unter Druck

An der Wall Street drückten zudem neue Daten zum US-Wirtschaftswachstum auf die Stimmung. Dieses schwächte sich 2016 auf 1,6 Prozent ab. Trump will die Konjunktur ankurbeln. Unter den Einzelwerten standen Target im Rampenlicht. Der Kurs des Einzelhandelskonzerns stürzte um rund zwölf Prozent ab, nachdem das Management vor anhaltenden Umsatzeinbußen in diesem Jahr gewarnt hatte.

Zu den Verlierern zählten auch die Aktien des Arzneimittelherstellers Perrigo, die 11,7 Prozent einbrachen. Das Unternehmen verschob die Veröffentlichung seines Jahresberichts. Unter Druck standen ferner Finanzwerte, die im Schnitt 0,2 Prozent einbüßten.

Asien: Abwartende Stille

Nikkei
Nikkei 29.025,46

An den ostasiatischen Aktienmärkten passierte nach den Abgaben zum Wochenstart wenig. Beobachter sprachen von einer abwartenden Haltung vor Trumps Rede und moderaten Kursbewegungen. In Tokio kam der Nikkei-Index nach einer anfangs stärkeren Erholung wieder etwas zurück. Der Index beendete den Handel mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 19.119 Punkten. In Shanghai geht es um knapp 0,3 Prozent nach oben.

Aufgehellt wurde die Stimmung durch das zwölfte Rekordhoch des Dow-Jones-Index' in Folge. Eher enttäuschende Wirtschaftsdaten aus Japan werden zur Seite gewischt, die Industrieproduktion ist wider Erwarten im Januar gesunken. Allerdings lagen die Hausbaubeginne deutlich über der Schätzung.

Devisen: Euro im leichten Aufwind

Der Euro legt am Nachmittag zugelegt und wird mit 1,0623 US-Dollar gehandelt. In der Nacht war der Euro noch kurzzeitig bis auf 1,0570 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0597 (Montag: 1,0587) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9437 (0,9446) Euro.

Mehr Bewegung offenbart der Erdölpreis. Ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligt sich um 0,8 Prozent auf 53,62 Dollar, die globaler gehandelte Ölsorte Brent gibt in ähnlicher Größenordnung nach. Aus Russland kommen derweil Nachrichten über eine Fördersenkung im Februar. Daher glauben Händler, dass die Preise kurzfristig kaum weiter fallen dürften. Wegen der steigenden US-Produktion dürfte der Preis auf absehbare Zeit aber auch kaum über die Marke von 60 Dollar springen, so Analysten

Quelle: mbo/mli/DJ/rts/dpa/AFP

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