Marktberichte

Zwischen Hoffen und Bangen US-Anleger verlieren auf letzten Metern Mut

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Die Stimmung der US-Verbraucher hatte sich im Oktober stärker als erwartet aufgehellt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff und gute Konjunkturdaten haben die US-Börsen zum Wochenausklang gestützt, aber die Sorgen der Anleger nicht gänzlich beseitigt. Unter dem Strich haben alle drei Indizes auf die Woche gesehen Verluste verbucht.

Ausgabefreudige Verbraucher und die Hoffnung auf die baldige Verfügbarkeit eines Corona-Impfstoffes haben die Wall Street gestützt. Ermutigt wurden Anleger von starken Daten zum Einzelhandelsumsatz im September. Und es könnte so munter weitergehen: Denn die Stimmung der US-Verbraucher hatte sich im Oktober stärker als erwartet aufgehellt, wie der von der Universität Michigan berechnete Index zeigte. Dass die Industrieproduktion enttäuschte, ging dabei ein wenig unter.

Allerdings verließ Anleger im späten Geschäft mit steigenden Neuinfektionen in einigen US-Bundesstaaten der Mut und die Indizes kamen deutlich von den Tageshochs zurück. Der Dow-Jones-Index rückte 0,4 Prozent auf 28.606 Punkte vor, der S&P-500 rettete ein hauchdünnes Plus ins Ziel und der Nasdaq-Composite drehte kurz vor Schluss ins Minus und gab 0,4 Prozent ab. An der Nyse standen 1.310 (Donnerstag: 1.673) Kursgewinnern 1.723 (1.373) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 81 (77) Titel. "Inmitten eines stagnierenden Arbeitsmarktes deutet der sprunghafte Anstieg der Einzelhandelsumsätze in diesem Monat darauf hin, dass die Stärke der Verbraucher mit den höchsten Werten, die wir seit drei Monaten gesehen haben, ziemlich robust ist", urteilte Investmentstratege Mike Loewengart von E-Trade Financial.

Biontech
Biontech 69,66

Nachdem in Lilly und Johnson & Johnson jüngst Rückschläge für ihre Impfstoffe verbucht hatten, kam ein Lichtblick von den Kooperationspartnern Pfizer und Biontech, die mit ihrem gemeinsamen Corona-Impfstoffkandidaten offenbar gut vorankommen. Der Antrag auf eine Zulassung zur Notfallverwendung des Mittels könnte in den USA bereits bis Ende November eingereicht werden. Die Titel der deutschen Biontech gewannen 4,1 Prozent, Pfizer legten um 3,8 Prozent zu.

Hewlett Packard Enterprise (HPE) drehten 4 Prozent ins Minus. Der Anbieter von Servern und Netzwerkprodukten hatte einen auf drei Jahre angelegten Plan veröffentlicht, mit dem das Unternehmen auf den Wachstumspfad zurückkehren will. Im Zuge dessen hatte HPE die Gewinnprognose für das 2021 endende Geschäftsjahr deutlich angehoben. Sie lag über dem Analystenkonsens. Der Dienstleister für die Ölförderbranche Schlumberger hatte im dritten Quartal infolge coronabedingt geringerer Ölnachfrage deutlich Umsatz eingebüßt. Der Kurs rauschte 8,8 Prozent nach unten.

Im Ringen um die Übernahme durch Traton trieb der US-Nutzfahrzeughersteller Navistar den Preis kurz vor Ende des Ultimatums nach oben. Der Konzern erklärte sich zur Übernahme durch die Volkswagen-Tochter bereit, allerdings zum Preis von 44,50 US-Dollar je Aktie. Traton passte das eigene Angebot entsprechend nach oben an. Die Titel schossen um 22,9 Prozent auf 43,52 Dollar in die Höhe.

Del Taco Restaurants brachen um 21,3 Prozent ein. Die Geschäftszahlen der Schnellrestaurantkette waren im Großen und Ganzen wie erwartet ausgefallen, allerdings hatte die Aktie zuvor bereits rund 11 Prozent zugelegt. Zudem monierten Händler die Umsatzentwicklung. JB Hunt Transport Services sanken um 9,7 Prozent nach Vorlage schwacher Gewinnkennziffern. Citizens Financial Group ermäßigten sich 4,6 Prozent, das Ergebnis der Bank war von Abschreibungen auf Kredite belastet worden.

Euro / Dollar
Euro / Dollar 1,17

Am Devisenmarkt verlor der ICE-Dollarindex 0,2 Prozent, während der Euro sich wieder deutlicher oberhalb der 1,17-Marke festsetzte. Doch kam der Euro von seinem Tageshoch bei 1,1746 wieder zurück. Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau hielt im Fall eines zweiten Corona-Lockdowns ein erneutes Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) für denkbar.

Der Goldpreis büßte 0,4 Prozent auf 1.90 Dollar ein. Die überwiegend positiven Konjunkturdaten und der Optimismus am Aktienmarkt belasteten das Edelmetall. Auf Wochensicht verbuchte Gold den ersten Verlust seit drei Wochen. Nachlassende Hoffnungen auf ein Konjunkturpaket in den USA hatten den Dollar 0,7 Prozent aufwerten lassen während der Woche und das Edelmetall gedrückt.

Brent Rohöl
Brent Rohöl 37,28

Der Ölpreis tendierten knapp behauptet. Nach wie vor bremsten Nachfragesorgen wegen der vor allem in Europa wieder stärker wütenden Corona-Pandemie den Preis. Aber auch auf der Angebotsseite gab es Sorgen: Händler befürchteten, das Erdölkartell Opec könnte die Förderkürzungen aufweichen. Gestützt wurden der Ölpreis von den überzeugenden Konsumdaten aus den USA. Das Fass der US-Sorte WTI verbilligte sich um 0,2 Prozent auf 40,88 Dollar, für Nordseeöl der Sorte Brent ging es um 0,5 Prozent abwärts auf 42,93 Dollar.

Wie bei Gold wurde auch der vermeintlich sichere Rentenhafen gemieden, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte im Gegenzug um 0,8 Basispunkte auf 0,74 Prozent. Die Notierungen wurden vor allem von den Einzelhandelsdaten belastet.

Quelle: ntv.de, jki/DJ