Marktberichte

Wechselhafte Geschäftsberichte US-Börsen geben nach Kursrally nach

Die Geschäftsberichte zahlreicher großer US-Konzerne könnten in der Corona-Krise nicht unterschiedlicher sein. Das bremst den Aufschwung an der Wall Street. Experten glauben, dass eine vollständige Erholung der amerikanischen Wirtschaft noch länger dauern werde.

Nach der jüngsten Kursrally scheuen US-Anleger weitere Käufe. Es fehlten die notwendigen Impulse, da die vorgelegten Geschäftszahlen Licht und Schatten böten, sagten Börsianer. Der Dow-Jones-Index verlor 1,6 Prozent auf 24.207 Punkte. Der breit gefasste S&P 500 fiel um 1,1 Prozent auf 2922 Zähler, der technologielastige Nasdaq gab um 0,5 Prozent nach (9185 Zähler). Zum Wochenauftakt hatten die drei Indizes bis zu vier Prozent zugelegt.

Mut mache Investoren das erneute Bekenntnis von US-Notenbankchef Jerome Powell zu weiteren Konjunkturhilfen im Rahmen einer Anhörung vor dem US-Senat. Gleichzeitig rief er die Parlamentarier dazu auf, alles zu unternehmen, um eine Pleitewelle zu verhindern. Das mit Abstand größte Augenmerk des Marktes gelte derzeit der Verbreitung des Coronavirus sowie der Entwicklung von Heilmitteln und Impfstoffen, sagte Tim Shaler, Chef-Ökonom des Online-Brokers iTrustCapital. Danach folgten die Konjunkturprogramme von Notenbanken und Regierungen.

Laut unabhängigen Experten des Kongresses wird sich die US-Wirtschaft auch im kommenden Jahr nicht vollständig von der Corona-Krise erholt haben. Zwar sei im dritten Quartal dieses Jahres ein starker Anstieg zu erwarten, erklärte das überparteiliche Haushaltsbüro des Kongresses (CBO). Die Wirtschaftsleistung (BIP) werde jedoch auch 2021 nicht wieder das Niveau von Anfang 2020 erreichen. Das CBO erwartet nun für das laufende zweite Quartal auf das Jahr hochgerechnet einen BIP-Einbruch von 37,7 Prozent, gefolgt von einem Anstieg von 21,5 Prozent von Juli bis September.

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Bei den Aktienwerten drückten die Zahlen von Home Depot auf die Stimmung. Wegen Zusatzkosten für Hygiene-Maßnahmen während der Coronakrise und Bonus-Zahlungen für Mitarbeiter fiel der Quartalsgewinn der Baumarktkette mit 2,25 Milliarden Dollar überraschend niedrig aus. Home-Depot-Aktien verloren 2,5 Prozent. Die Titel von Kohl's brachen um mehr als sieben Prozent ein, nachdem der Einzelhändler wegen der Pandemie-bedingten Filial-Schließungen einen Umsatzeinbruch um 44 Prozent bekanntgegeben hatte. Der Quartalsverlust fiel mit 3,20 Dollar je Aktie fast doppelt so hoch aus wie befürchtet. Zwar würden die Filialen langsam wieder eröffnet, konstatierte Analyst Randal Konik von der Investmentbank Jefferies. In der Zwischenzeit könnten einige Kunden aber für immer zur Konkurrenz abgewandert sein.

Die Papiere von Walmart verteuerten sich dagegen in der Spitze um 2,1 Prozent. Hamsterkäufe wegen der Pandemie und ein boomendes Online-Geschäft bescherten dem weltgrößten Einzelhändler ein überraschend starkes Umsatzplus. Der Quartalsgewinn fiel ebenfalls höher als vorhergesagt. Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets lobte die Zahlen als beeindruckend. Die Papiere von Advanced Auto Parts gewannen sogar 4,1 Prozent. Zwar verbuchte der Autoteile-Händler wegen der Coronavirus-Restriktionen einen überraschend starken Einbruch bei Umsatz und Gewinn. Im angelaufenen zweiten Quartal liegt das Geschäft den Angaben zufolge aber teilweise wieder auf Vorjahresniveau.

Quelle: ntv.de, mba/rts