Marktberichte

New York bestaunt das iPhone US-Börsen schließen freundlich

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Das nächste große Ding von Apple: Reicht das für einen Rekordabsatz?

(Foto: REUTERS)

Nach der ESM-Freigabe aus Karlsruhe geht der New Yorker Aktienmarkt mit dünnen Pluszeichen aus dem Handel. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht Apple mit der Präsentation seiner neuen Umsatzstütze. Für die Facebook-Aktie geht es an der Nasdaq fast 8 Prozent nach oben.

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"Bemerkenswerterweise ist aus Europa endlich etwas Handfestes gekommen."

(Foto: REUTERS)

Mit erleichtertem Aufatmen haben die US-Börsen zur Wochenmitte auf das ESM-Urteil des deutschen Bundesverfassungsgericht reagiert. Die wichtigsten Börsenbarometer beendeten den Handelstag im Plus, büßten durch Gewinnmitnahmen aber zum Abend einen Großteil ihrer Aufschläge ein.

Mit dem Urteil der Karlsruhe Richter wechselte die Aufmerksamkeit an Wall Street von der Schuldenkrise in Europa wieder zurück auf die wirtschaftliche Lage in den USA und das weitere Vorgehen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Erwartet wird, dass die Währungshüter nach ihrer zweitägigen Zinssitzung am Donnerstag über ihren weiteren Kurs informieren werden. Anleger hoffen eine dritte Runde von Konjunkturhilfen. Auf Unternehmensseite profitieren Technologiewerte vom Branchenprimus Apple, der mit dem iPhone 5 auf einen erneuten Kassenschlager hofft.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsende mit einem dünnen Plus von 0,1 Prozent bei 13.333 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte der Leitindex zwischen 13.317 und 13.373 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1436 Zählern, einem Aufschlag von 0,2 Prozent. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,3 Prozent und ging mit 3114 Punkten aus dem Handel.

In Europa sahen Börsianer die Euro-Zone nach dem Urteil gestärkt und investierten in Euro und Aktien. Die europäische Gemeinschaftswährung übersprang die Marke von 1,29 Dollar. Der deutsche Leitindex erreichte zwischenzeitlich sogar den höchsten Stand seit 14 Monaten und ging mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 7343 Punkten aus dem Handel.

Am Vormittag (Ortszeit) hatten die den Weg für den ESM und den EU-Fiskalpakt unter Auflagen freigemacht. Sie verlangten vor einer Ratifizierung völkerrechtlich sicherzustellen, dass die Haftungsgrenze von 190 Mrd. Euro nur mit Zustimmung des Bundestages erhöht werden kann. Die Reaktionen an der Wall Street fielen positiv aus: Leo Kelly von Hightower Advisors erklärte, das Urteil sei am Markt erwartet worden. "Bemerkenswerterweise ist aus Europa endlich etwas Handfestes gekommen", sagte Keith Bliss von Cuttone & Co. Er sprach von einem guten Urteil. Jetzt sei als nächstes die Fed an der Reihe.

Der Offenmarktausschuss der Fed berät am Mittwoch und Donnerstag unter der Leitung von Fed-Chef , wie die US-Notenbank geldpolitisch auf die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit in der weltgrößten Volkswirtschaft reagieren soll. Da die US-Zinsen schon bei null Prozent liegen, könnte erneut - zum dritten Mal - die Notenpresse per Anleihe-Käufe angeworfen werden. 60 Prozent der von Reuters befragten Analysten setzen auf ein neues Anleihenkaufprogramm (" ").

Bei den Einzelwerten standen Technologie-Unternehmen im Fokus: Apple stellte ein leichteres und dünneres vor, mit dem der Konzern im Kampf gegen seinen Konkurrenten Samsung punkten will. Die Apple-Titel schlossen mit einem Aufschlag von 1,4 Prozent bei 669,79 Dollar. Seit Jahresbeginn steht allerdings schon ein Plus von über 60 Prozent zu Buche. Erst in der vergangenen Woche wurde bei 683,29 Dollar ein erneutes Allzeithoch markiert.

Das neue Apple-Produkt sei zwar "optisch keine Sensation, doch die im Inneren verbaute Technik absolut beeindruckend", meinte Al Hilwa von IDC. Allerdings habe das iPhone lediglich die im Vorfeld hohen Erwartungen des Marktes erfüllt. Der Aktien-Kurs habe im Vorfeld bereits deutlich zugelegt und sich deshalb mit der Vorstellung kaum von der Stelle bewegt, sagte Michael Yoshikami von Destination Wealth Management.

Gesucht waren vor allem die Telekommunikations-, Finanz- und Industriewerte. So legten die Aktien von General Electric um 1,4 Prozent zu, die Titel von Verizon waren mit einem Plus von 1,5 Prozent stärkster Wert im Dow-Jones-Index. JPMorgan verzeichneten einen Aufschlag von 0,8 Prozent.

Auch Aktien des sozialen Online-Netzwerks Facebook waren gefragt. Firmengründer hatte am Vortag in San Francisco Investoren um Geduld bei der Entwicklung von neuen Produkten gebeten. Das Unternehmen sei inmitten der Ausarbeitung neuer Werbemöglichkeiten. Facebook-Titel legten um 7,7 Prozent zu.

Abwärts ging es für Chesapeake mit einem Minus von rund einem Prozent. Das US-Energieunternehmen stößt Gasförderfelder und Pipelines im Wert von fast sieben Milliarden Dollar ab.

Der Kurs von Texas Instruments zeigt sich nach anfänglichen Abgaben wenig verändert bei 28,59 Dollar. Das Unternehmen hatte am Vorabend nach Börsenschluss zwar das untere Ende der Prognosespanne für die Erträge angehoben, rechnet aber mit einer fortgesetzt schwachen Nachfrage.

Am Devisenmarkt stieg der Euro zeitweise deutlich über die Marke 1,29 Dollar und damit das höchste Niveau seit rund fünf Monaten. Die Gemeinschaftswährung legte nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts auf breiter Währungsfront zu. Nach Aussage von Händlern rückt nun die Marke von 1,30 Dollar in Reichweite. Im späten US-Handel notierte der Euro bei 1,2893 Dollar.

Die Notierungen am US-Anleihemarkt standen leicht unter Druck. Die Rendite zehnjähriger Titel stieg auf 1,76 Prozent und damit den höchsten Stand seit rund drei Wochen. Beobachter verwiesen auf die wieder erhöhte Risikobereitschaft der Investoren. Doch auch die schwächer als erwartete Nachfrage bei der Auktion zehnjähriger Anleihen belastete das Sentiment. Zudem fiel der Anteil indirekter Bieter, zu denen ausländische Notenbanken gehören, mit 36,2 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2011.

Der Preis für Gold gab aufgrund von Gewinnmitnahmen nach und verzeichnete zum Settlement ein Minus von 0,1 Prozent auf 1.733,70 Dollar gegenüber dem Vortag. Zuletzt war der Goldpreis auf den höchsten Stand seit rund sechs Monaten geklettert.

Der Ölpreis fiel leicht auf 97,01 Dollar zurück, nach 97,17 Dollar am Dienstag. Hier belastete der unerwartet starke Anstieg der wöchentlichen US-Lagerbestandsdaten. Erwartet wurde dagegen ein Rückgang. Zudem habe im Vorfeld der Ergebnisse der Fed-Sitzung stärkere Zurückhaltung geherrscht.

Quelle: ntv.de, sla/DJ/dpa/rts