Marktberichte

Reihenweise Rekordhochs US-Börsen setzen guten Lauf fort

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(Foto: AP)

Der Zinsentscheid der US-Notenbank beflügelt die Börsen. An den Märkten geht es nach oben. Nun wackelt sogar das bisherige Jahreshoch. Zudem markieren etliche Werte neue Rekorde.

Die Anleger haben gehofft - und die US-Notenbank hat geliefert. Einmal mehr hat die Fed die nächste Zinserhöhung verschoben und wird das Geld weiter billig halten. An den Märkten gaben die Investoren in der Folge die Zurückhaltung der vergangenen Tage auf und deckten sich mit Aktien ein. Für die Kurse bedeutete dies teils kräftige Aufschläge. Die weiterhin expansive Geldpolitik stabilisiert laut Marktteilnehmern besonders die Konjunktur in den Schwellenländern. Davon profitieren die Rohstoffpreise und mit ihnen die Rohstoffaktien besonders stark.

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Am Ende schloss der Leitindex Dax 2,3 Prozent fester bei 10.674 Punkten. Erste Marktbeobachter sehen inzwischen das Jahreshoch bei 10.802 Punkten wieder in greifbare Nähe rücken. Der MDax erhöhte sich um 2,0 Prozent auf 21.672 Stellen. Der TecDax legte 1,8 Prozent auf 1810 Stellen zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 2,3 Prozent auf 3050 Punkte vor.

Die Aussicht auf anhaltend billiges Zentralbankgeld hat die auch US-Börsen zum Handelsstart weiter angetrieben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte kletterte um 0,5 Prozent auf 18.392 Punkte. Der Nasdaq-Composite erreichte eine neuerliches Allzeithoch, diesmal bei 5.343 Punkten. Er gewann 0,8 Prozent auf 5.340 Punkte. Für den S&P-500-Index ging es um 0,65 Prozent nach oben auf 2177,18 Stellen.

Deutsche Bank mit kleiner Erholung

Im Dax schlossen alle 30 Werte mit Gewinnen. Allein im Leitindex haben Henkel, Fresenius und SAP neue Allzeithochs markiert. Der Tagessieg ging mit einem Aufschlag von 4,0 Prozent an RWE. Mit Eon reihte sich der zweite Energiewert oben ein. Für die Papiere ging es um 3,5 Prozent hinauf. ThyssenKrupp verteuerten sich um 2,8 Prozent. Neben den Metallen haben auch die Stahlpreise nach der US-Notenbanksitzung angezogen. Zudem hat das Kanzleramt der durch chinesische Billigimporte gebeutelten Stahlindustrie Hilfe zugesagt. Das hilft bei den Nebenwerten Salzgitter, die 2,7 Prozent zulegen.

Die zuletzt arg gebeutelten Papiere der Deutschen Bank klettern um 3,2 Prozent. Nach der Hiobsbotschaft einer möglichen zweistelligen Milliardenstrafe in den USA waren sie zuvor in vier Handelstagen in der Spitze um 15 Prozent eingebrochen - sie bremsten erst kurz vor ihrem historischen Tief von 11,06 Euro. Im Dax sind sie mit einem Verlust von fast der Hälfte ihres Wertes der mit Abstand schlechteste Wert in diesem Jahr.

In der zweiten Reihe klettern Bilfinger um 3,6 Prozent. Hier kommt die Ernennung eines neuen Finanzchefs gut an. Ende September legt Axel Salzmann sein Amt nieder, für ihn übernimmt der zuletzt bei Osram tätige Klaus Patzak. Die Aktie steigt um mehr als vier Prozent. Am anderen Ende büßten Südzucker trotz Prognoseerhöhung 0,6 Prozent ein. Händler hätten den Schritt erwartet und würden nun Gewinne mitnehmen, hieß es. "Im Vergleich zu ihrem Tief vom Februar haben die Aktien ihren Kurs fast verdoppelt", sagte ein Börsianer. Ströer gaben mit 2,9 Prozent sogar noch mehr ab und komplettierten das Verlierer-Duo.

Gesucht waren ferner zudem Rocket Internet. Das Papier des Berliner Internet-Inkubators springt nach Vorlage von Zahlen um knapp 8,5 Prozent. Damit kosteten die Papiere aber immer noch rund ein Viertel weniger als zu Jahresbeginn. Ein Grund für die aktuelle Rocket-Rally sei das Umsatzplus der Beteiligungen, sagte ein Börsianer. Die Töchter wie der Kochbox-Anbieter HelloFresh steigerten ihre Erlöse im ersten Halbjahr insgesamt um etwa ein Drittel. "Nach dem ganzen Negativen der vergangenen Monate sorgt schon eine relativ kleine positive Nachricht für kräftige Kursgewinne", sagte ein Experte. Zusätzlichen Schub lieferten die geplante Ausweitung des Rückkaufs einer Wandelanleihe und charttechnische Kaufsignale.

Auch in Asien war es nach Fed-Entscheidung in die Gewinnzone gegangen. Der Shanghai-Composite legte um 0,5 Prozent auf 3042 Punkte zu. Der S&P/ASX-200 in Sydney erhöhte sich um 0,7 Prozent, und für den Hang-Seng-Index ging es 0,3 Prozent nach oben. In Tokio fand wegen eines Feiertages kein Handel statt.

Devisen: fester Euro - der Markt "will sehen"

Der Euro profitierte von der zögerlichen Geldpolitik der US-Notenbank. Bis zum Nachmittag kletterte der Kurs der Gemeinschaftswährung auf 1,1248 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1238 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8898 Euro.

Die US-Börsen haben ihren guten Lauf nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed fortgesetzt. Nachdem die Indizes gleich zum Handelsstart klar zugelegt hatten, hielten sie im Verlauf ihre Gewinne. Es herrsche immer noch Erleichterung, auch wenn am Vortag weitgehend erwartet worden war, dass die US-Notenbank ihren Leitzins noch nicht anheben werde.

Deutlich zugelegt zu allen wichtigen Währungen hat die Norwegische Krone. Die norwegische Notenbank hat ihren Leitzins unverändert belassen und gleichzeitig keine erneuten Zinssenkungen signalisiert. Der Eurokurs fiel mit 9,09 Kronen auf den niedrigsten Stand seit August 2015. Vor der Entscheidung hatte er noch bei 9,24 Kronen gelegen.

Weiter aufwärts geht es mit den Ölpreisen. Zum einen wiesen neue Daten zu den US-Öllagerbeständen auf Wochenbasis für Rohöl und Benzin einen deutlichen Rückgang aus. Zum anderen stützen sie weiter Spekulationen, dass sich die Ölländer doch noch auf eine Fördermengenbegrenzung einigen könnten.

Russlands ständiger Opec-Vertreter, Wladimir Woronkow, hat die Bereitschaft seines Landes signalisiert, die Fördermenge einzufrieren. Dazu kommt der nach dem Fed-Beschluss zur Schwäche neigende Dollar. Für einen Barrel der US-Sorte WTI geht es um 1,0 Prozent auf 45,78 Dollar nach oben. Brent legt um 0,9 Prozent auf 47,27 Dollar zu.

Der Goldpreis kann einen Großteil seiner Vortagesgewinne verteidigen und notiert weiter in der Nähe eines Dreiwochenhochs. Hier stützt die Zinsentscheidung der US-Notenbank. Die Feinunze verliert 0,2 Prozent auf 1333 Dollar.

Quelle: n-tv.de, lsc/jwu/rts/DJ/dpa

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