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Für elf Milliarden Dollar Vodafone kauft in Indien

Die Vodafone Group kauft 67 Prozent am indischen Mobilfunkanbieter Hutchison Essar India und vergrößert damit ihr Engagement in den schnell wachsenden Schwellenländern. Der Kaufpreis beläuft sich auf 11,1 Mrd. US-Dollar. Das teilte der britische Mobilfunkkonzern am Montag mit und bestätigte damit Aussagen des Essar-Konzerns am Sonntag.

Mit den übernommenen Verbindlichkeiten von zwei Mrd. US-Dollar komme der Unternehmenswert des viertgrößten Mobilfunkanbieters Indiens hochgerechnet auf 18,8 Mrd. US-Dollar, teilte Vodafone mit. Verkauft hatte den 67-Prozent-Anteil die Hutchison Telecom International. Der Mobilfunker Hutchison Essar bedient in Indien 23,3 Mio. Kunden und hat hier einen Marktanteil von 16,4 Prozent.

Analysten hatten während der Auktion des Hutchison-Essar-Anteils gewarnt, Vodafone könne einen zu hohen Preis für die Inder bezahlen, um im schnell wachsenden Markt des Subkontinents Fuß zu fassen. Vodafone-CEO Arun Sarin sagte am Montag jedoch, er sei zufrieden mit dem Kaufpreis. Vodafone könne sich die Transaktion auch leisten. Es könnten beispielsweise Unternehmensteile in langsam wachsenden Märkten - wie Europa - verkauft werden.

Indien hatte China im vergangenen Jahr als der am schnellsten wachsenden Mobilfunkmarkt abgelöst. Analysten schätzen, dass hier monatlich 6,5 Mio. neue Handy-Nutzer hinzukommen. Sarin kündigte nun an, ein Handy für 25 US-Dollar anbieten zu wollen, um das Wachstum noch zu beschleunigen.

Die Transaktion ist eine der teuersten, die Vodafone jemals zu stemmen hatte. Sarin sagte jedoch, er glaube nicht, dass das Kreditrating von Vodafone unter dem Zukauf zu leiden habe. Auch müssten die Aktionäre nicht fürchten, dass die Dividende gekürzt werde.

Vodafone hatte sich in der Auktion gegen die anderen Bieter Essar Group, Reliance Communications und ein vom Hinduja-Konzern angeführtes Konsortium durchgesetzt.

Die Briten müssen nach dem Zukauf nun mit einigen Schwierigkeiten in Indien fertig werden: Die Essar Group hatte für sich bislang immer ein Vorkaufsrecht für den 67-Prozent-Anteil an Hutchison Essar geltend gemacht. Essar besitzt die übrigen 33 Prozent an Hutchison Essar. Vodafone kündigte an, Essar denselben Preis je Anteilsschein anzubieten, den auch Hutchison Telecom erhalten hat. Essar sei aber auch als "Partner willkommen", falls sie ihre Beteiligung nicht verkaufen wolle. Essar reagierte darauf bislang lediglich mit der Stellungnahme, sie wolle nun ihre Optionen prüfen.

Eine weitere Schwierigkeit stellt für Vodafone die Beschränkung ausländischer Unternehmen im indischen Mobilfunkmarkt dar. Ausländer dürfen in dem Land nur 74 Porzent eines Mobilfunkanbieters besitzen. Dieses Problem soll dadurch gelöst werden, dass indische Partner von Hutchison Telecom bis zu 26 Prozent an Hutchison Essar übernehmen.

Eine weitere Aufgabe stellt sich für Vodafone bei ihrem bisherigen Engagement in Indien. Die Briten halten 5,6 Prozent am Mobilfunkanbieter Bharti Airtel direkt und weitere 4,4 Prozent indirekt. Zur Finanzierung des Essar-Zukaufs hat Vodafone nun dem Bharti-Konzern angeboten, ihm die direkte Bharti-Airtel-Beteiligung für 1,6 Mrd. US-Dollar zu verkaufen.

Vodafone hat nach einer Reihe von Verkäufen jedoch bereits relativ hohe Barmittel zur Finanzierung der Transaktion auf dem Konto. So hatte
der Konzern jüngst in der Schweiz seine 25% an Swisscom Mobile verkauft und dafür 3,5 Mrd. US-Dollar erhalten.

Quelle: n-tv.de