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Ärzte fordern die Limo-Abgabe64 Länder haben bereits eine Zuckersteuer

13.06.2026, 11:45 Uhr
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Die Bundesregierung will eine Abgabe auf Cola und andere Limonaden einführen. Eine internationale Bestandsaufnahme zeigt: Etliche Länder haben diese bereits. (Foto: dpa)

Eine Abgabe auf süße Limonaden wird in Deutschland schon länger diskutiert. Eine neue Studie zeigt, dass dies für fast die Hälfte der Weltbevölkerung längst Alltag ist. Die Einführung der Zuckersteuer hat oft einen überraschenden Auslöser.

Die Bundesregierung plant die Einführung einer "Zuckerabgabe" auf süße Getränke wie Colas und Limonaden. Anderswo ist das längst Standard: Laut einer im Fachjournal "The Lancet Global Health" veröffentlichten Überblicksstudie leben 3,5 Milliarden Menschen in Ländern, in denen zuckerhaltige Getränke gesondert besteuert werden.

Im vergangenen Vierteljahrhundert - zwischen 1990 und 2024 - haben 64 Länder aus gesundheitlichen Gründen Abgaben auf zuckerhaltige Getränke eingeführt, wie das Team aus Ernährungsexperten der Tufts University in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts) schreibt. Zwar seien bereits zuvor auf den Marshall- und den Fidschi-Inseln Steuern auf gezuckerte Getränke eingeführt worden, aber damals nicht aus gesundheitlichen Gründen.

Zusammenhang mit Übergewicht und Erkrankungen

Mittlerweile empfiehlt unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diese Maßnahme. Der Studie zufolge wurde die Zuckersteuer dort, wo es sie gibt, weitgehend als Gesundheitsmaßnahme eingeführt: Ausschlaggebend war den Studienautoren zufolge in den meisten Fällen nicht etwa, wie viel stark gezuckerte Getränke die Bürger in dem jeweiligen Land tranken, sondern wie stark die Bevölkerung von Übergewicht und Typ-2-Diabetes betroffen war.

"Überraschenderweise bestand kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Konsum von zuckerhaltigen Getränken und der Entscheidung eines Landes, diese zu besteuern, was darauf hindeutet, dass diese Entscheidungen eher von der Krankheitslast bestimmt werden", erklärt Erstautorin Lizbeth Moreno Loaeza.

Man habe zudem festgestellt, dass Länder mit besser ausgestatteten Sozial- und Gesundheitssystemen die Zuckerabgaben seltener einführen - und zwar unabhängig von ihrer Wirtschaftskraft, betont die Forscherin. "Dies könnte daran liegen, dass sie im Allgemeinen über robustere Gesundheitssysteme verfügen und geringere Raten an ernährungsbedingten Erkrankungen aufweisen."

Nur weniger als ein Drittel der reichen Länder hat Zuckersteuer

Führend ist der Studie zufolge der Süden Asiens, wo die Hälfte der Länder entsprechende Steuern eingeführt haben - Schlusslicht ist hingegen Osteuropa mit nur 17 Prozent. Reichere Länder haben der Auswertung zufolge zu weniger als einem Drittel (29 Prozent) entsprechende Abgaben, dazu zählen Großbritannien, Frankreich und Belgien.

Die Höhe der Abgabe ist international extrem unterschiedlich, sie reicht im Ländervergleich von 1 bis 34 Prozent. Bei den wenigsten Regelungen richtet sich die Höhe der Steuer nach dem Zuckergehalt der Getränke, obwohl Experten dies für sehr effektiv halten, weil es für Hersteller einen Anreiz liefert, den Zuckergehalt zu senken.

Fast Hälfte der Weltbevölkerung lebt mit Zuckersteuer

Für ihre Bestandsaufnahme zogen die Forscherinnen und Forscher Daten aus 183 Ländern heran, die sowohl Informationen zur Krankheitslast in den jeweiligen Bevölkerungen als auch zur Einführung von entsprechenden Abgaben enthalten. Dazu gehören Daten der Weltbank, der WHO, der Universität von North Carolina sowie aus verschiedenen Gesundheitsdatenbanken.

"Wir wissen, dass diese Steuern wirken, und wir haben nun ein viel klareres Bild davon, wie sie eingeführt werden und was die Länder dazu bewegt", betont Co-Autor Dariush Mozaffarian. "Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt mittlerweile in Ländern mit einer nationalen Steuer auf zuckerhaltige Getränke, aber wir haben festgestellt, dass die Sätze vieler dieser Steuern relativ niedrig bleiben und dass Dutzende anderer Länder, darunter die USA, keine nationalen Steuern eingeführt haben."

Limonaden können etwa Diabetes befördern

In einer im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift "Nature Medicine" erschienenen Studie der Tufts University wird geschätzt, dass zuckerhaltige Getränke jährlich weltweit zu 2,2 Millionen neuen Diabetes-Fällen und 1,2 Millionen neuen Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen.

Die Bundesregierung plant in Deutschland die Einführung einer Abgabe auf zuckerhaltige Getränke ab 2028, wie im April bekannt wurde. Das geschätzte Aufkommen von jährlich 450 Millionen Euro soll dann auch den Krankenversicherungen entlastend zukommen.

Ärzte gegen Lebensmittelbranche

Hintergrund sind Empfehlungen einer Kommission für die Reform zur Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherungen. Das von Gesundheitsministerin Nina Warken von der CDU eingesetzte Gremium schlug unter anderem die Einführung einer gestaffelten Steuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke wie Colas und Limonaden vor.

Verbraucherschützer und Ärzte werben seit Langem für eine Zuckersteuer als Anreiz, um zu einer gesünderen Ernährung und weniger Übergewicht und Diabetes vor allem bei Kindern zu kommen. Die Lebensmittelbranche macht Front dagegen.

Quelle: ntv.de, Larissa Schwedes, dpa

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