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Lebensraum bis 2075 verschwunden96 Prozent aller Korallenriffe vom Absterben bedroht

22.10.2026, 14:28 Uhr
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Korallenriffe bedecken weniger als 0,2 Prozent des Meeresbodens, bieten aber Lebensraum für viele Arten. (Foto: IMAGO/Anadolu Agency)

Sie schützen Küsten, speichern Kohlenstoff und bieten unzähligen Arten einen Lebensraum. Doch die Erderwärmung setzt den Korallenriffen immer stärker zu. In einigen Jahrzehnten werden sie laut Weltnaturschutzunion fast vollständig verschwunden sein.

Wegen des fortschreitenden Klimawandels sind laut einer Prognose der Weltnaturschutzunion (IUCN) innerhalb der kommenden 50 Jahre fast alle Korallenriffe der Welt vom Absterben bedroht. Es bestehe für 96 Prozent der Korallenriffe in den Weltmeeren "ein extrem erhöhtes Risiko", dass sie bis 2075 absterben, hieß es in einer IUCN-Analyse. Es war die erste weltweite Untersuchung dieser Art.

Die IUCN schätzte für ihre Prognose den Zustand und die Entwicklung von Korallenriffen vor den Küsten von mehr als 80 Ländern und Gebieten ein. Dabei stufte sie 96 Prozent in die Kategorie "vom Aussterben bedroht" ein - dies ist die höchste von der Organisation definierte Gefährdungsstufe.

Korallen bilden natürliche Barrieren gegen Erosion, sind Reservoirs der Artenvielfalt und Kohlenstoffspeicher. Sie bleichen unter Hitzeeinwirkung aus und sind besonders anfällig für die Auswirkungen der globalen Erwärmung: In wärmeren Ozeanen sterben die Mikroorganismen, die ihnen ihre leuchtenden Farben verleihen und sie mit Nahrung versorgen - die Korallen werden bleich und "verhungern" schließlich.

Zeit zur Erholung fehlt

Die Wissenschaftler des Global Coral Reef Monitoring Network (GCRMN) warnten bereits vor einigen Wochen, dass den Riffen zunehmend die Zeit zur Erholung fehlt. Zwischen 2017 und 2019 hatte die weltweite Bedeckung mit Hartkorallen um rund sechs Prozent zugenommen - das zeige, dass sich Riffe grundsätzlich erholen könnten, wenn zwischen Bleiche-Ereignissen ausreichend Zeit liege. Unter dem Begriff Bleiche-Ereignis wird eine schwerwiegende Stressreaktion von Steinkorallen auf veränderte Umweltbedingungen, allen voran auf steigende Meerestemperaturen, zusammengefasst.

Mittlerweile seien die Erholungsphasen nach solchen Ereignissen immer kürzer: "Dadurch entsteht eine Abwärtsspirale, die mit jedem neuen Bleichereignis immer schwieriger umzukehren ist", sagte Hauptautor Manuel González Rivero vom Australian Institute of Marine Science (AIMS).

Während Korallenriffe früher teils jahrzehntelang Zeit zwischen schweren Bleichereignissen gehabt hätten, blieben heute oft nur fünf bis sechs Jahre. Für viele Riffe, die 2024 von besonders starken Hitzewellen betroffen waren, könnte die Erholungsphase sogar noch kürzer ausfallen: Gerade läuft das Klimaphänomen El Niño. "Nicht der aktuelle Verlust der Hartkorallen-Bestände bereitet mir die größten Sorgen, sondern die Tatsache, dass wir die Bedingungen für ihre Regeneration stetig zerstören", erklärte González Rivero.

Quelle: ntv.de, mba/AFP

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