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Lehren für den Menschen?Wie ein Bürgerkrieg unter Schimpansen ausbrach

09.04.2026, 20:54 Uhr
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Nachdem sich die Tiere aufgeteilt hatten, eskalierte die Gewalt. (Foto: American Association for the Advancement of Science / Aaron Sandel)

Bei einer großen Schimpansengruppe in Uganda stellen Forscher etwas Ungewöhnliches fest: Die Tiere trennen sich in zwei Lagern auf und führen danach jahrelang einen systematischen Krieg. Nun stellen die Forscher die mögliche Ursache vor.

Polarisierung, gegenseitige Meidung, schließlich tödliche Gewalt: Erstmals haben Forschende über Jahrzehnte dokumentiert, wie sich eine Schimpansengemeinschaft in zwei Lagern spaltete und schließlich bekriegte. Die detaillierte Rekonstruktion dieser Eskalation im Fachjournal "Science" wirft auch ein Licht auf die Entstehung von Kriegen beim Menschen - und ihre Vermeidung. 

Seit 1995 beobachteten Forscher im Kibale-Nationalpark von Uganda die mit rund 200 Tieren mit Abstand größte Gruppe wild lebender Gemeiner Schimpansen (Pan troglodytes). Zum Vergleich: Alle anderen bekannten Gruppen umfassen - teils deutlich - unter 100 Tiere. Einen Grund für die beispiellose Gruppengröße nennt Roman Wittig von der Forschungsorganisation CNRS in Lyon, der nicht an der Studie beteiligt war: "Die Ngogo-Schimpansen haben von 1999 bis 2010 eine benachbarte Gruppe fast komplett ausgelöscht und viele der verbliebenen Weibchen integriert."

Lange verzeichnete das Team um Aaron Sandel von der University of Texas in Austin bei der Gruppe wechselnde Allianzen, Freundschaften und Hierarchien - wie bei anderen Schimpansen-Gruppen. Den ersten Hinweis auf ein Zerwürfnis beobachteten die Wissenschaftler 2015: Da trafen im Zentrum des Territoriums zwei Lager aufeinander - eines aus dem westlichen, das andere aus dem zentralen Areal. Dabei ergriffen die westlichen Schimpansen die Flucht, verfolgt von den anderen. "Es folgte eine sechswöchige Phase der Meidung", schreiben die Forscher. Daraufhin kam es zu einer zunehmenden Polarisierung.

Ab 2018 nutzten die beiden Gruppen vollständig separate Lager, was für die Forscher eine vollendete Trennung der Gemeinschaft bedeutete. Danach eskalierte die Gewalt, wobei alle beobachteten Angriffe von der kleineren Gruppe ausgingen. In sieben Fällen wurde das angegriffene Männchen getötet, 2021 folgte die nächste Eskalationsstufe: Nun wurden auch junge Schimpansen zum Ziel. Bis 2024 töteten westliche Schimpansen 17 Jungtiere. Zudem verschwanden 14 weitere Schimpansen der zentralen Gruppe.

Gruppentrennung bei Schimpansen selten

Die Forscher vermuten, dass die ungewöhnlich große Gruppengröße, Konkurrenz um Nahrung und Fortpflanzung, Krankheiten, der Tod wichtiger Individuen und Führungswechsel die sozialen Bindungen destabilisierten und zur Spaltung beitrugen. Weiter deuten der Studie zufolge genetische Untersuchungen darauf hin, dass dauerhafte Aufspaltungen von Schimpansengruppen überaus selten auftreten.

In einem "Science"-Kommentar berichtet James Brooks vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen von einer Spaltung einer Gemeinschaft von Bonobos (Pan paniscus) vor fast 50 Jahren in der Demokratischen Republik Kongo. Zu ausufernder Gewalt kam es allerdings nicht: Beide Bonobo-Gruppen koexistieren demnach bis heute. Im Hinblick auf die Studie von Sandel betont der Forscher: "Eine feindselige Spaltung unter wild lebenden Schimpansen macht deutlich, welche Gefahren Gruppenspaltungen auch für menschliche Gesellschaften darstellen können".

Quelle: ntv.de, gri/dpa

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