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Zehn Grad wärmer als früher Arktis-Forscher: Lage ist extrem dramatisch

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Rund zehn Monate war das Forschungsschiff "Polarstern" auf der Arktis-Expedition "Mosaic" unterwegs.

(Foto: picture alliance/dpa/Alfred-Wegener-Institut)

Die Mammut-Expedition "Mosaic" ist bereits seit Monaten beendet, nun werden erste Ergebnisse präsentiert. Und die lassen nichts Gutes erahnen. Die Erderwärmung schreitet enorm voran, es gibt viel zu wenig Eis in der Arktis. Der Expeditionsleiter findet deutliche Worte für das Agieren Deutschlands.

Das Forschungsschifft "Polarstern" startete im Herbst 2019 in Bremerhaven zur Arktis-Expedition "Mosaic" und sammelte binnen zehn Monaten so viele Daten wie nie zuvor. Acht Monate nach dem Ende der historischen Mission hat Expeditionsleiter Markus Rex für eine breite gesellschaftliche Unterstützung zum Erreichen der Klimaziele geworben. Die Klimaziele der Bundesregierung seien "angemessen und gut", sagte Rex bei einer ersten Zwischenbilanz in Berlin. "Jetzt kommt es darauf an, dass wir auch die gesellschaftlichen Mehrheiten bekommen für die konkreten Maßnahmen."

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Expeditionsleiter Markus Rex und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek präsentierten die besorgniserregenden Ergebnisse der "Mosaic"-Expedition.

(Foto: picture alliance/dpa)

Da seien Politik und Gesellschaft in Deutschland "noch weit zurück" und "viel zu langsam". Nötig seien Mehrheiten in der Gesellschaft, die das Klimakonzept unterstützten, so Rex. Der Polarforscher vom Alfred-Wegener-Institut hatte die einjährige internationale Mosaic-Expedition mit der "Polarstern" am Nordpol geleitet, die im Oktober zu Ende ging.

Es seien mehr als 150 Terabyte Daten und mehrere 10.000 Proben mit nach Hause gebracht worden. Rex sagte, das seien dabei Daten "in nie dagewesenem Umfang", die nun von mehreren hundert Wissenschaftlern weltweit ausgewertet würden. "Wir sind dabei, unser Wissen über das arktische Klimasystem Puzzlestück für Puzzlestück aus den Messungen zusammenzusetzen."

So wenig und so dünnes Eis wie nie zuvor

Die Forscher hätten spannende, aber "auch besorgniserregende Erkenntnisse" gewonnen. So habe sich während der Expedition im Frühjahr 2020 das Eis der Arktis schneller zurückgezogen als jemals zuvor. Dies wiederum habe begünstigt, dass sich das Eis im Herbst viel später geschlossen habe und die eisfreie Zeit im Sommer länger gewesen sei. "Durch die lange eisfreie Zeit im Sommer konnte der Ozean große Mengen an Wärme aufnehmen und speichern", sagte Rex. Auch habe es während des Winters "fast durchgehend um zehn Grad Celsius höhere Temperaturen" gegeben als zu Zeiten früherer Expeditionen. Das Eis sei zudem nur noch halb so dick wie vor knapp 130 Jahren.

Das Auslösen des Kipppunkts, der irreparabel zum Verschwinden des sommerlichen Meereises in der Arktis führt, stehe unmittelbar bevor, warnte Rex. Dies könne eine ganze Kaskade auslösen, in deren Verlauf weitere Kipppunkte ausgelöst würden, "die die Erderwärmung immer weiter antreiben können".

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek von der CDU hob daher erneut die Notwendigkeit hervor, dass nicht nur die Klimaziele verschärft wurden und Deutschland nun bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden soll. Es sei künftig auch wichtig, "massiv CO2 wieder aus der Atmosphäre" zu holen. Deshalb müsse die Forschung dazu unterstützt und ausgebaut werden.

Karliczek sieht großen Handlungsbedarf

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Die Expedition der "Polarstern" zeigt laut Karliczek die "geschichtliche Bedeutung dieser einmaligen Expedition". Nie zuvor seien so viele Daten über die klimatische Lage in der Arktis gesammelt worden. Die ersten vom Alfred-Wegener-Institut präsentierten Erkenntnisse machten deutlich, "wie ernst die Lage und wie groß der Handlungsbedarf ist".

Bei der logistisch extrem aufwendigen Expedition hatte sich die "Polarstern" ein Jahr lang mit einer Eisscholle durch die Arktis treiben lassen, um auch den Winter am Nordpol erforschen zu können. Mit Mess- und Forschungsstationen sammelte die Besatzung direkt auf dem Polareis riesige Datenmengen, die nun nach und nach ausgewertet werden und eine bessere Kenntnis der klimarelevanten Umweltprozesse am Nordpol ermöglichen sollen.

Quelle: ntv.de, als/AFP/dpa

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