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Dienstag, 05. Juni 2018

Countdown ins All: Astro-Alex übernimmt das Kommando

Am Mittwoch geht es los: Der deutsche Astronaut Alexander Gerst startet zur ISS. In der Schwerelosigkeit warten etliche Experimente auf ihn. Drei Tage dauert der Flug dorthin - den himmlischen Segen dafür hat Gerst schon mal.

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst freut sich über die Rückendeckung von Raumfahrtlegende Sigmund Jähn bei seinem bevorstehenden Start in den Weltraum. "Es ist eine großartige Unterstützung, wenn man in dieser Rakete sitzt und weiß: Da sind Leute, die mit einem mitfiebern. Da fliegt es sich viel leichter in den Weltraum", sagte Gerst auf dem russischen Kosmodrom Baikonur in Kasachstan. Am Mittwoch um 13.12 Uhr (MESZ) startet der Geophysiker von dort aus mit einem Russen und einer Amerikanerin zur Internationalen Raumstation (ISS).

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Der 81-jährige Jähn war selbst bei der Abschieds-Pressekonferenz von Gerst anwesend. Der Kampfpilot aus der DDR war der erste Deutsche im Kosmos. Sein Flug zur sowjetischen Raumstation Saljut-6 jährt sich im August zum 40. Mal.

Gerst bezeichnete Jähn als "guten Freund". Es sei ihm persönlich sehr wichtig gewesen, dass Jähn zum Start nach Baikonur kommt, sagte er. Zugleich bedankte sich der 42-Jährige auch bei den Ex-Astronauten Reinhold Ewald und Thomas Reiter, die ebenfalls angereist sind. "Was uns verbindet, ist ja nicht nur der Beruf, sondern auch die Erfahrung, die wir zusammen gemacht haben." Jeder sei zwar zu seiner Zeit ins All geflogen, aber jeder habe die Welt von außen gesehen - und das sei es, was sie eng miteinander verbinde, sagte Gerst.

Weihwasser auf Rakete

Ein orthodoxer Priester segnete die Sojus-Rakete.
Ein orthodoxer Priester segnete die Sojus-Rakete.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Auch Gersts Sojus-Rakete ist startklar: In einer kurzen Andacht hat sie ein orthodoxer Priester gesegnet. An einem provisorischen Altar am Fuß der Rakete auf dem russischen Weltraumbahnhof sprach er ein Gebet. Dann bespritzte er die Rakete sowie umstehende Vertreter des Raumfahrtpersonals und Reporter mit Weihwasser. Die Crew war bei der Zeremonie nicht anwesend. Der orthodoxe Priester sagte, seit 20 Jahren segne er schon jede Rakete und jede Crew. "Es sind noch alle wieder zurück zur Erde gekommen".

Die Segnung der Sojus-Rakete ist eine der zahlreichen Traditionen der russischen Raumfahrt. Dazu gehören auch die Bräuche, einen Baum zu pflanzen und einen sowjetischen Kinoklassiker aus den 1970er Jahren anzuschauen. Manche der Rituale, die Glück bringen sollen, gehen auf Raumfahrtpionier Juri Gagarin zurück. Die Segnung wurde erst in den 1990er Jahren eingeführt.

Auf der ISS wird Alexander Gerst als erster Deutscher für etwa die Hälfte der Zeit ihr Kommandant. Gut sechs Monate soll der promovierte Geophysiker in dem fliegenden Labor rund 400 Kilometer über der Erde bleiben. Teil seiner Mission "Horizons" (Horizonte) sind etwa 300 Experimente, darunter 41 des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Unter anderem arbeitet Gerst mit einem Roboter, der auf Sprachbefehle hört. Mit dem Projekt "CIMON" testet das DLR künstliche Intelligenz.

Gerst war schon 2014 für ein halbes Jahr auf der ISS. Bevor die drei Raumfahrer auf der ISS ankommen, müssen sie zwei Tage in der engen Kapsel "Sojus MS-09" ausharren. Am Freitag, nach 34 Erdumrundungen, soll das Raumschiff an der Station andocken. Dort erwarten sie die US-Astronauten Andrew Feustel und Richard Arnold sowie der Kosmonaut Oleg Artjemjew.

Am Mittwoch sendet n-tv um 12:50 ein "News Spezial" live aus Baikonur in Kasachstan.

Quelle: n-tv.de