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Kepler-1229b ein heißer Anwärter Auf diesen Planeten könnte es Leben geben

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So könnte es auf Gliese 667 Cc aussehen - bisher der aussichtsreichste Kandidat für außerirdisches Leben.

(Foto: ESO/L. Calçada/Wikipedia/CC BY 4.0)

Mehrere tausend Planeten sind bereits in den Tiefen des Alls entdeckt worden. Könnte es auf einem von ihnen tatsächlich Leben geben? In Puerto Rico wird Buch geführt über die tauglichsten Kandidaten. Eine neuer ist gerade hinzugekommen.

Die Anforderungen an einen von Pflanzen und Tieren bevölkerten Planeten scheinen streng zu sein. Jedenfalls mit Blick auf unser eigenes Sonnensystem: Von acht Planeten sind nur vier aus Gestein, sodass man auf ihrer Oberfläche überhaupt stehen kann. Davon wiederum ist nach bisherigen Erkenntnissen nur einer belebt: die Erde. Keine gute Ausbeute. Aber es macht auch deutlich: Wenn es auf einem anderen Planeten in den Tiefen des Alls Leben geben sollte, muss dieser schon starke Ähnlichkeit mit der Erde aufweisen.

Das sehen auch viele Astronomen so. Eine Rangliste der wahrscheinlichsten Kandidaten für einen solchen erdähnlichen Planeten hält man an der Universität von Puerto Rico stets auf dem neusten Stand. Dieser "Katalog der bewohnbaren Exoplaneten" untersucht nur Planeten, die sich in der habitablen Zonen um ihren Heimatplaneten befinden. Also jenem Bereich, in dem es warm genug ist, damit Wasser in flüssiger Form vorkommt, aber nicht zu warm, dass es verdunsten würde. Denn ohne flüssiges Wasser, da sind sich die meisten Astronomen sicher, ist kein Leben möglich.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Faktor: Er definiert die Ähnlichkeit eines Exoplaneten zur Erde was seine Masse, Größe und die Intensität des Sternenlichts angeht, dem er ausgesetzt ist. Zusammen ergeben diese Faktoren  den sogenannten Earth-Similarity-Index (ESI). Also auf Deutsch etwa den Erde-Ähnlichkeits-Index. Beispielsweise sollte die Temperatur an der Oberfläche ausreichend hoch sein, damit Pflanzen und Phytoplankton - Algen und Cyanobakterien - sprießen können. Denn sie gelten als Grundlage einer Nahrungskette, die letztendlich auch höhere Lebensformen ermöglicht.

Neuer Exoplanet in Top 10 der Kandidaten für die Erde 2.0

Mit der Entdeckung von mehr als 1200 Exoplaneten durch das Weltraumteleskop Kepler vor einigen Tagen kam wieder Bewegung in diese Rangliste. Ein neuer Kandidat schob sich in die Top Zehn der Planeten, die möglicherweise Leben beheimaten. Es handelt sich um den Planeten mit dem Namen Kepler-1229b. Er befindet sich in der habitablen Zonen um seinen Heimatstern, einem roten Zwerg. Auch in anderer Hinsicht ist Kepler-1229b der Erde sehr ähnlich. Er ist etwa nur etwas größer, sein Durchmesser dürfte bei rund 17.900 Kilometern liegen - etwa 5200 Kilometer mehr als unser Heimatplanet. Bei der Masse sind sich die Forscher noch nicht ganz sicher. Sie könnte in etwa der der Erde entsprechen, aber auch bis zu zehnmal größer sein.

Allerdings dürfte es auf dem rund 770 Lichtjahre entfernten Planeten durchschnittlich kühler als auf der Erde sein, was eher gegen komplexes Leben spricht. Genau kann man das jedoch nicht sagen, da die Temperatur auf der Oberfläche auch von der Beschaffenheit der Atmosphäre des Planeten abhängt. Ob es überhaupt eine gibt und wie sich diese zusammensetzt, weiß man jedoch nicht. Für Kepler-1229b wird - ohne Atmosphäre - eine Durchschnittstemperatur von minus 60 Grad angenommen. Eisig kalt, aber mit einer Atmosphäre und einem gewissen Treibhauseffekt könnten die Temperaturen höher liegen. Beispielsweise läge die Durchschnittstemperatur der Erde ohne Atmosphäre bei minus 18 Grad statt den heutigen plus 15 Grad.

Kepler-1229b liegt mit einem ESI-Wert von 0,73 nur auf Platz fünf der zehn möglicherweise lebensfreundlichsten bisher entdeckten Exoplaneten. Zum Vergleich: Unser roter Nachbar im All - der Mars - weist einen höheren Wert von 0,8 auf. Zwar gibt es bisher keinerlei Anzeichen für heutiges Leben auf dem Mars. Jedoch schließen Wissenschaftler nicht aus, dass der Mars vor Millionen von Jahren eine lebensfreundliche Oberfläche bot.

Bisheriger Hoffnungsträger aus dem Rennen "gepustet"

An der Spitze der Rangliste der möglicherweise bewohnbaren Exoplaneten stehen jedoch zwei andere Kandidaten, die eine noch höhere Ähnlichkeit zur Erde aufweisen als Kepler-1229b und Mars. Bei dem einen handelt es sich um Kepler-442b, rund 1100 Lichtjahre von der Erde entfernt. Sein ESI-Wert beträgt 0,84 und macht den Exoplaneten zu einem der Orte im Universum, an dem außerirdisches Leben am wahrscheinlichsten ist. Der im vergangenen Jahr als mögliche zweite Erde gehandelte Exoplanet Kepler-452b findet sich hingegen nicht in den Top Zehn wieder - bei ihm ist nicht wirklich sicher, ob es sich tatsächlich um einen Gesteinsplaneten mit einer festen Oberfläche handelt oder doch um einen kleinen Gasplaneten.

Das größte Potenzial für den Titel Erde 2.0 hat der Spitzenreiter der Rangliste: Gliese 667Cc aus dem Sternbild Skorpion. Er ist einer von zwei Planeten um den Stern Gliese 667C, der wiederum zu einem Dreifachsternsystem gehört. Auch er weist einen ESI-Wert von rund 0,84 auf, ist wahrscheinlich aber mehr als viermal so schwer wie die Erde. Sein Durchmesser könnte leicht größer bis doppelt so groß wie der der Erde sein - der Planet gilt als sogenannte Supererde. Was am meisten für ihn spricht: Die Temperaturen auf seiner Oberfläche sind denen der Erde wohl am ähnlichsten. Und sollte auf dem Exoplaneten einmal außerirdisches Leben entdeckt werden - mit einer Entfernung von rund 22 Lichtjahren zur Erde liegt er vergleichsweise nah.

Der Exoplanet mit dem bisher höchsten ESI-Wert aber ist Kepler-438b. Er beträgt 0,88, was den 473 Lichtjahre entfernten Exoplaneten zeitweise zum Hoffnungsträger für eine mögliche zweite Erde machte. Kepler-438b ist vom Durchmesser her nur wenig größer als die Erde, seine Masse dürfte ebenfalls ähnlich sein, zudem liegt er in der habitablen Zone. Allerdings leidet der Planet unter starken Eruptionen seines Heimatsterns, wie Forscher herausfanden. Denn er kreist vergleichsweise nah um diesen herum, sechsmal näher als der Erde um die Sonne. Gewaltige Eruptionen des Sterns dürften die Atmosphäre von Kepler-438b daher bereits weggepustet haben.

Quelle: n-tv.de

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