Wissen

Besser als AblenkungAufmerksamkeit kann akute Entzündungen der Haut reduzieren

17.08.2026, 11:00 Uhr
00:00 / 03:17
Pickel-Deutschland-BLF-Pickel-Germany-BLF-BL75728
Ein Pickel ist ein typisches Zeichen für eine akute Entzündung der Haut. (Foto: IMAGO/Bernd Leitner)

Schmerzen oder Juckreiz sind körperliche Empfindungen, die niemand mag. Viele lenken sich dann ab. Doch was passiert, wenn man das Gegenteil macht? Eine aktuelle Studie liefert die Antwort.

Menschen, die ihre Aufmerksamkeit auf eine akut entzündete Hautstelle richten, können so die Genesung beschleunigen. Das hat ein Forschungsteam der Bar-Ilan-Universität in Israel herausgefunden. Bereits bekannt war, dass durch Ablenkung die Wahrnehmung von Körperempfindungen wie Schmerz oder Juckreiz weniger intensiv empfunden wurden. Nun probierte das Team um Liron Rozenkrantz das Gegenteil aus.

Für die Untersuchung konnten die Forschenden insgesamt 57 freiwillige, gesunde Probanden und Probandinnen gewinnen, auf deren Haut eine leichte, vorübergehende Entzündungsreaktion hervorgerufen wurde. Anschließend wurden die Studienteilnehmer dazu aufgerufen, ihre Aufmerksamkeit auf den betroffenen Bereich zu lenken oder die komplette Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten. Danach maßen die Forschenden über einen Zeitraum von 20 Minuten die Entzündungsreaktionen aller Teilnehmenden.

Vielfältige Reaktionen des Körpers

Bei einer Entzündung handelt es sich um eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers auf schädliche Reize. Sobald der Reiz erkannt wird, läuft eine Kaskade von Prozessen im Körper ab, die mit der Aktivierung von Mastzellen beginnt. Diese wiederum setzen Histamin und andere Botenstoffe frei, was zu einer erhöhten Durchblutung, Schwellung, Wärmebildung und Schmerzen führt. Durch diese Reaktionen soll die Ursache des Reizes bekämpft und geschädigtes Gewebe repariert werden.

Bei der Auswertung der Daten sah das Forschungsteam ein eindeutiges Ergebnis. Bei fast 90 Prozent der Studienteilnehmer war die Entzündungsreaktion geringer, wenn sie sich auf den betroffenen Bereich konzentrierten. Die diversen Entzündungsreaktionen fielen bei der Fokussierung auf die Stelle etwa eineinhalbmal geringer aus als bei Ablenkung. Die Effekte waren innerhalb weniger Minuten sichtbar. Die durch die Entzündungsreaktion veränderten Werte kehrten zudem schneller zum Ausgangswert zurück, wenn sich die Teilnehmenden auf die Körperstelle konzentrierten.

"Besonders auffällig war, dass die Lenkung der Aufmerksamkeit auf den entzündeten Bereich nicht nur die Wahrnehmung der Teilnehmer veränderte, sondern auch die Entzündungsreaktion selbst", sagte Dr. Rozenkrantz laut Mitteilung. Dies lege die Vermutung nahe, dass die subjektive Wahrnehmung der Vorgänge im Körper nicht nur ein passiver Prozess sei, sondern aktiv zur Regulation physiologischer Reaktionen beitrage.

Weil alle Studienteilnehmenden gesunde waren, können die Forschenden nicht sagen, ob die neu entdeckten Effekte auch bei chronischen Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, Wundheilungen oder anderen Erkrankungen auftreten. Das Team kündigte an, im nächsten Schritt die beteiligten Hirn- und Immunwege zu identifizieren. Zudem will es klären, ob ähnliche Effekte auch in anderen physiologischen Systemen nachweisbar sind. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachjournal "Nature Human Behaviour" veröffentlicht.

Quelle: ntv.de, jaz

GehirnGesundheitSchmerz