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Schon zu Beginn der Infektion Biomarker könnten Post Covid voraussagen

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Veränderungen an 20 Proteinen könnten als Biomarker für Long und Post Covid dienen.

(Foto: imago images/Christian Ohde)

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Long und Post Covid geben als Folgeerkrankungen einer Sars-CoV-2-Infektion noch immer Rätsel auf. Forschende kommen mit der Untersuchung von bestimmten Proteinen im Blut bei der Früherkennung nun einen großen Schritt weiter.

Einem Forscherteam ist es gelungen, 20 Proteine im Blut von Sars-CoV-2-Infizierten zu identifizieren, mit denen möglicherweise eine Long Covid-Vorhersage zuverlässig getroffen werden kann. Diese Vorhersage könne Gabriella Captur und ihren Kollegen vom University College London zufolge bereits zu Beginn der Infektion mit Sars-CoV-2 gemacht werden, schreiben die Forschenden zu ihren Ergebnissen, die im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurden.

Für die Untersuchung griffen sie auf Blutproben von insgesamt 156 britischen Pflegekräften zu. Diese wurden bereits zu Beginn der Covid-19-Pandemie verpflichtet, wöchentlich ihr Blut entnehmen und untersuchen zu lassen. Das Durchschnittsalter der Probanden und Probandinnen lag bei 39 Jahren. 54 dieser Testpersonen infizierten sich innerhalb des Untersuchungszeitraums nachweislich mit Sars-CoV-2. 44 Prozent davon sind männlich. Die 102 weitere Personen dienten als Kontrollgruppe. Davon sind 38 Prozent männlich.

91 Proteine genauer untersucht

Das Forschungsteam sah sich im Blut aller Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer insgesamt 91 Blutproteine genauer an. Es wollte auf diese Weise herausbekommen, ob sich diese im Verlauf einer Covid-19-Erkrankung verändern und wenn ja, auf welche Weise. Für die Untersuchungen wurde die sogenannte Massenspektrometrie angewendet, eine Analyseform, die äußerst empfindlich auf winzige Änderungen der Proteinmenge im Blutplasma reagiert. So konnte festgestellt werden, wie eine Sars-CoV-2-Infektion diese Proteine im Zeitraum von sechs Wochen beeinflusst hat.

Normalerweise sind die Proteinspiegel im Blut sind stabil. Doch die Forschenden sahen bei einigen Proteinen bis zu sechs Wochen nach der Sars-CoV-2-Infektion dramatische Unterschiede. Diese Veränderungen sind starke Hinweise darauf, dass eine Reihe wichtiger biologischer Prozesse gestört ist. "Unsere Studie zeigt, dass selbst mildes oder asymptomatisches Covid-19 das Profil von Proteinen im Blutplasma stört. Dies bedeutet, dass selbst mildes Covid-19 normale biologische Prozesse bis zu mindestens sechs Wochen nach der Infektion dramatisch beeinträchtigen kann", sagt Captur einer Mitteilung der Universität zufolge.

Die Forschenden sahen bei 12 der 91 untersuchten Proteine schon zu Beginn der Corona-Infektion deutlich veränderte Werte. Im Verlauf der Erkrankung kamen weitere sieben hinzu. Außerdem fiel auf: Je größer die Anomalien waren, umso schwerer waren auch die Symptome bei den Covid-19-Patientinnen und -Patienten. Die 20 identifizierten Proteine, die bereits zu Beginn der Infektion Veränderungen zeigten, sind der Hinweis darauf, ob auch noch nach einem Jahr mit sogenannten Post-Covid zu rechnen ist. Die meisten der ausgemachten Proteine wurden mit gerinnungshemmenden und entzündungshemmenden Prozessen in Verbindung gebracht.

KI sagte Post Covid korrekt voraus

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In einem weiteren Schritt fütterten die Forscherinnen und Forscher eine Künstliche Intelligenz (KI) mit den vorhandenen Daten. Der maschinelle Lernalgorithmus konnte alle 11 Personen aus dem Gesundheitswesen erkennen, die auch noch ein Jahr nach ihrer Sars-CoV-2-Infektion über mindestens ein Post-Covid-Symptom klagten. "Unser Tool zur Vorhersage von Post Covid muss noch in einer unabhängigen, größeren Gruppe von Patienten überprüft werden. Mit unserem Ansatz könnte jedoch schnell und kostengünstig ein Test eingeführt werden, der Post Covid bereits zum Zeitpunkt der Erstinfektion vorhersagt", resümiert Captur.

Mit dieser Erkenntnis könnten Betroffene mit entsprechenden Mitteln schon zu Beginn der Infektion behandelt werden, um eventuell Post Covid zu verhindern. Doch ob das wirklich möglich ist, müssen erst weitere Untersuchungen zeigen.

Quelle: ntv.de

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