Wissen

Studie zur Omikron-Variante Anteil symptomloser Infizierter höher als gedacht

imago0154410416h.jpg

Auch wer sich nur mal unwohl fühlt, sollte einen Sars-CoV-2-Test machen, bevor er sich mit anderen Menschen trifft.

(Foto: IMAGO/imagebroker)

Seit Beginn der Pandemie ist klar: Es gibt Menschen, die trotz Sars-CoV-2-Infektion keinerlei Krankheitszeichen spüren. Wie viele das bei der Subvariante Omikron gewesen sein könnten, beziffern Forschende mit aktuellen Untersuchungsergebnissen.

Forscherinnen und Forscher haben herausgefunden, wie viele Menschen, die sich mit der Omikron-Variante von Sars-CoV-2 angesteckt hatten, nichts davon merkten. Das Forschungsteam um Sandy Joung und Susan Cheng vom Cedar-Sinai Medical Center gibt an, dass mehr als der Hälfte der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht bewusst war, dass sie mit Omikron infiziert war. Diese Variante wird mit weniger schweren Symptomen im Vergleich zu Alpha oder Delta in Verbindung gebracht. Gleichzeitig gilt sie als ansteckender als alle anderen Vorgänger-Varianten.

Für die Untersuchungen im Zeitraum zwischen Herbst 2021 und Frühjahr 2022 wurden die Daten von insgesamt 6385 Personen analysiert. Dabei handelte es sich um Patientinnen, Patienten und Angestellte der Klinik in Los Angeles. Zudem wurden bei allen zwei Tests zur Bestimmung des Antikörpers gegen das sogenannte Nukleokapsid-Protein des Coronavirus' durchgeführt. Dieser Antikörper wird nur im Körper von Infizierten und nicht von Covid-19-Geimpften gebildet.

Omikron-Infizierte rausgegriffen

Der erste Test wurde im September 2021 durchgeführt, also nach der Deltawelle. Der zweite ab Mitte Dezember 2021, als Omikron bereits zur dominanten Variante geworden war. Danach identifizierten die Forschenden die Daten von 210 Studienteilnehmenden, die diese Antikörper erst während der Omikron-Welle gebildet hatten und sich dementsprechend mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit der Omikron-Variante infiziert hatten.

Von den 210 Versuchspersonen im Alter zwischen 23 und 84 Jahren waren 197 bereits gegen Covid-19 geimpft. Der Frauenanteil lag bei 65 Prozent und das Durchschnittsalter bei 51 Jahren. 92, das sind 44 Prozent, der Probandinnen und Probanden gaben an, sich über eine zeitnahe Infektion mit Sars-CoV-2 bewusst gewesen zu sein. Während 118, also 56 Prozent sagten, dass sie sich dessen nicht bewusst waren. 12 Personen, also zehn Prozent der zweiten Gruppe, machte zudem klar, dass sie zwar irgendwelche Symptome bemerkten, diese allerdings einer anderen Erkrankung, wie beispielsweise einer Erkältung, und nicht Covid-19 zuschrieben. Die Daten zeigten außerdem, dass diejenigen, die sich einer Sars-CoV-2-Infektion bewusst waren, eher jünger waren und meistens der Gruppe der Klinikangestellten angehörten.

Tests machen den Unterschied

Mehr zum Thema

Dieses Ergebnis könne nicht nur durch die Unterschiede im allgemeinen Gesundheitsbewusstsein und der Gesundheitskompetenz zwischen Klinik-Mitarbeitern und Nichtmitarbeitern erklärt werden. Sie kämen eher durch die obligatorischen täglichen Tests für die Angestellten im medizinischen Bereich zustande, schreiben die Forschenden, deren Ergebnisse bei JAMA Network veröffentlicht wurden. Einen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften konnte das Forscherteam diesbezüglich nicht feststellen.

Die aktuellen Ergebnisse der Studie stützen auch frühere Befunde. Die Forschenden nehmen sie zum Anlass, einmal mehr auf die Rolle von Infizierten ohne Symptome bei der Verbreitung von Sars-CoV-2 zu achten. Die große Anzahl derer, die sich der Infektion nicht bewusst waren, könne ein Faktor bei der rasanten Verbreitung der Omikron-Variante in Los Angeles County gewesen sein. "Unsere Studienergebnisse belegen, dass nicht diagnostizierte Infektionen die Übertragung des Virus erhöhen können", sagte die Erstautorin der Studie, Sandy Y. Joung, laut einer Mitteilung der Klinik. "Ein geringes Infektionsbewusstsein hat wahrscheinlich zur schnellen Verbreitung von Omikron beigetragen." Wer keine Symptome habe oder diese einer anderen Erkrankung zuschreibe, sei auch weniger vorsichtig. "Wir hoffen, dass die Leute diese Ergebnisse lesen und denken: 'Ich war gerade bei einer Versammlung, bei der jemand positiv getestet wurde' oder 'Ich habe gerade angefangen, mich ein wenig angeschlagen zu fühlen. Vielleicht sollte ich mich schnell testen lassen'." Cheng ergänzt: "Je besser wir unsere eigenen Risiken verstehen, desto besser können wir die Gesundheit der Öffentlichkeit und uns selbst schützen".

Quelle: ntv.de, jaz

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen