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Bis zu 56 Millionen JahreBisher ältestes Cannabis in Sachsen-Anhalt entdeckt

20.04.2026, 19:24 Uhr
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Fossilabdruck von Cannabis oligocaenica aus Eisleben - im Namen ist die Zeitangabe "Oligozän" verewigt: ein Erdzeitalter vor etwa 34 bis 23 Millionen Jahren. Doch der Fund soll wesentlich älter sein. (Foto: Ludwig Luthardt)

Bisher hielt man China für die Heimat von Cannabis - doch ein Fossilfund könnte die Geschichte der berauschenden Pflanzen neu schreiben. Denn Forscher datieren fossile Blattspuren aus Sachsen-Anhalt auf ein Alter von zig Millionen Jahren.

Als Rauschmittel erfreut sich Cannabis in Deutschland seit Jahren zunehmender Beliebtheit, aber auch als Rohstoff gewinnt Hanf in verschiedenen Branchen immer mehr an Bedeutung. Doch wo stammt diese vielseitige Pflanze ursprünglich her? Die heute bekannte Art Cannabis sativa hat ihr natürliches Verbreitungsgebiet in Nordwest-China und angrenzenden Regionen. Doch ein Fossil aus Sachsen-Anhalt legt nahe, dass Cannabis vor langer Zeit offenbar schon in Mitteleuropa heimisch war.

Bei dem Fossil handelt es sich um einen Abdruck der unverwechselbaren Blätter der Cannabis-Pflanze in versteinertem Schlamm. Es stammt aus der Nähe von Eisleben in Sachsen-Anhalt. Das Pflanzenfossil gehört zur Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin und war bereits im Jahr 1883 als Cannabis oligocaenica beschrieben worden. Erst eine neue Datierung offenbarte, dass das Fossil aus dem Zeitalter des Eozäns stammt und damit 56 bis 48 Millionen Jahre alt sein dürfte.

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Details des fossilen Cannabis-Blatts.

Damit wäre es deutlich älter als die bisher bekannten Nachweise. Die ältesten gefundenen Pollen der Pflanze stammen aus dem Miozän vor etwa 20 Millionen Jahren und wurden in Nordwest-China entdeckt. Molekulare Datierungen am Erbgut heute lebender Vertreter lassen jedoch vermuten, dass die Gattung bis zu 28 Millionen Jahre alt sein könnte.

Ein Merkmal fehlt noch

Die am Rand gezackten, lanzettförmigen Blätter des Eislebener Abdrucks zeigen überraschende Ähnlichkeit mit heutigen Cannabispflanzen. Allerdings fehlten für eine eindeutige Zuordnung weitere Merkmale, die im Fossil nicht erkennbar seien - etwa die feinen Härchen auf den Blattoberflächen, teilte das Naturkundemuseum Berlin mit.

Bestätigt sich das Alter des Fundes, würde das den Ursprung der Pflanzengattung in Zentralasien in Frage stellen, so das Museum. Cannabispflanzen könnten bereits in der jüngeren Urzeit ein wichtiger Teil unserer mitteleuropäischen Landschaft gewesen sein, heißt es demnach.

Quelle: ntv.de, kst

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