Wissen

Chance für Frühwarnsystem Corona-Schnelltest aus Papier für Abwasser

126791434.jpg

Ein Übertragungsweg über das Abwasser halten Experten für relativ unwahrscheinlich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Corona-Pandemie ist in vollem Gange, die Testkapazitäten für mögliche Infizierte fast erschöpft. Da stellen Forscher eine neue Idee vor, mit der man in Zukunft neue Infektionsherde schnell und einfach identifizieren könnte.

Forscher haben einen Schnelltest entwickelt, mit dem die Präsenz von Sars-Cov-2 im Abwasser nachgewiesen werden könnte. "Mit dem Echtzeit-Nachweis könnte man ermitteln, ob es Covid-Infizierte in einem bestimmten Gebiet gibt", sagt Zhugen Yang von der Cranfield University, der zusammen mit Kollegen der Chinesischen Akademie der Wissenschaften die Idee für den Test hatte. So sei es möglich, zügig weitere Tests, Quarantäne und andere Gegenmaßnahmen zur Ausbreitung des Virus einzuleiten, erklären die Forscher in der Veröffentlichung der Ergebnisse bei "Environmental Science & Technology".

Als eines der größten Probleme der derzeitigen Corona-Pandemie wird die Übertragung des Virus von Infizierten angesehen, die sich selbst nicht krank fühlen. Infektionsherde werden aus diesem Grund nicht oder erst spät erkannt. Andere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass sich sowohl im Stuhl als auch im Urin von Sars-CoV-2-Infizierten lebende Viren befinden, die dann schließlich im Abwasser landen und von dem neuen Test gefunden werden.

Konkret funktioniert der neue Test nach demselben Prinzip wie Tests der Forscher für Salmonellen, HIV, Malaria oder auch für Zika. Papierähnliches Trägermaterial, auf das mit Spezialdruckern chemisch aktive Beschichtungen, sogenannte Reagenzien, aufgetragen werden, wird ins Abwasser gehalten und in einer bestimmten Reihenfolge gefaltet. Auf diese Weise werden verschiedene Reaktionsketten ausgelöst.

Test mit Malaria bereits in Uganda eingesetzt

Befindet sich Erbgut des neuen Coronavirus darin, wird es durch Enzyme vermehrt, was zu einer Verfärbung auf dem Papier führt, so zumindest die Idee der Forscher. Die Grundlage für diesen Papiertest bildet ein Prototyp, mit dem Yang bereits genetisches Material des Malariaerregers innerhalb von 50 Minuten im Abwasser nachgewiesen hat. Dieser Test, der bereits in Uganda funktioniert habe, müsse nun für das Coronavirus angepasst werden, erklärt Yang.

Dabei bringe dieser Test gleich mehrere Vorteile mit sich. Da er aus Papier ist, lasse er sich leicht stapeln, lagern und transportieren. Nach dem Gebrauch könne man die Tests einfach verbrennen und so das Risiko einer Weiterverbreitung verringern, wird Yang auf der Webseite der Cranfield University zitiert. Zudem sei der Test billig und nach weiteren Verbesserungen auch von Laien einfach anzuwenden. Wie lange es noch dauert, bis der Abwasser-Schnelltest zur Verfügung steht, ließen die Forscher noch offen.

Auch in den Niederlanden haben sich Wissenschaftler bereits mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, das Abwasser als Frühwarnsystem für Sars-CoV-2-Infektionen zu nutzen. Sie hatten in einer Kläranlage in Amersfoort genetisches Material des neuen Coronavirus entdeckt, noch bevor in der rund 50 Kilometer südöstlich von Amsterdam gelegenen Stadt überhaupt eine Infektion mit Sars-CoV-2 gemeldet wurde, schreibt die "Welt" unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Quelle: ntv.de, jaz