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Sterben durch Beatmung? Covid-19: Einige US-Ärzte behandeln anders

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Eine intensivmedizinische Behandlung mit einem Beatmungsgerät sollte so kurz wie möglich gehalten werden.

(Foto: dpa)

Covid-19-Patienten, die schwer erkranken, müssen im schlimmsten Fall künstlich beatmet werden. Dennoch sterben besonders viele von ihnen. Das macht einige Ärzte in den USA skeptisch und lässt sie auf andere Methoden ausweichen.

In Zeiten der Coronavirus-Krise setzen Krankenhäuser vor allem auf Intensivbetten mit Beatmungsgeräten. Sie gelten als letztes Mittel, um das Leben von schwer erkrankten Covid-19-Patienten zu retten. Doch diese Strategie geht ungewöhnlich selten auf. In mehreren Berichten wurde bereits festgestellt, dass die Sterberate bei den Patienten, die künstlich beatmet wurden, sehr hoch liegt.

In New York City, einem Hotspot der Verbreitung des Virus in den USA, gehen die Behörden davon aus, dass 80 Prozent und mehr der beatmeten Patienten sterben, meldete die Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Auch aus anderen Teilen der USA seien überdurchschnittlich hohe Sterberaten bei den beatmeten Patienten gemeldet worden, zitiert die Agentur den Medizinischen Leiter der American Lung Association, Albert Rizzo.

Im Allgemeinen liege die Sterberate von Patienten, die an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden mussten, zwischen 40 und 50 Prozent, schreibt AP. Die Angaben aus den USA werden von Ärzten aus China und Großbritannien bestärkt. Aus Wuhan berichteten Ärzte beispielsweise, dass lediglich 3 von 22 beatmeten Patienten überlebten. Aus London wird gemeldet, dass von 1053 intubierten Patienten nur 355 überlebten. Auch wenn es sich bei jeder künstlichen Beatmung um einen invasiven Eingriff bei schwerkranken Patienten mit entsprechenden Risiken handelt, könnte es sein, dass die Behandlung damit nicht für jeden Covid-19-Patienten die beste Option ist.

Keine routinemäßige Beatmung mehr

Wurden vor wenigen Wochen schwer erkrankte Covid-19-Patienten routinemäßig an Beatmungsgeräte angeschlossen, um den kritischen Zeitpunkt dafür nicht zu verpassen, setzen nun einige Ärzte in den USA zunehmend auf andere Behandlungsstrategien. Sie versuchen zunächst Covid-19-Patienten so lange wie möglich von Beatmungsgeräten fernzuhalten. Stattdessen wird versucht, durch Positionsänderungen das Atmen zu erleichtern und die Lunge zu entlasten. Die Erkrankten werden unter anderem auf den Bauch gelegt. Durch diese Lagerung sollen verschiedene Teile der Lunge besser belüftet werden. Auch die Gabe von größeren Mengen Sauerstoff durch die Nase ist eine Möglichkeit, um Patienten zu unterstützen. Manche Ärzte experimentieren mit der Zugabe von Stickstoffmonoxid zum Sauerstoff. Auf diese Weise soll die Durchblutung der intakten Teile der Lunge verbessert werden. Ob sich diese alternativen Behandlungsstrategien für schwer erkrankte Covid-19-Patienten bewähren, bleibt abzuwarten.

Inwieweit die künstliche Beatmung das Sterberisiko für Covid-19-Patienten tatsächlich erhöht, kann zu diesem Zeitpunkt nicht geklärt werden. Fakt ist, dass jede künstliche Beatmung mit einer Reihe von Risiken verbunden ist. Bereits beim Einführen des Tubus kann es zu Verletzungen oder zum Einführen von Keimen kommen. Das kann zu weiteren Infektionen führen, von der sich schwer Erkrankte manchmal nicht mehr erholen.

Quelle: ntv.de, jaz