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Diesen Rat haben ExpertenDas deutsche Stromnetz lässt sich kaum komplett schützen - was also tun?

03.09.2026, 13:48 Uhr imageVon Kai Stoppel
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Polizei im Einsatz am Umspannwerk nahe Bergheim bei Köln. Können Anschläge überhaupt verhindert werden? (Foto: action press)

Nach den mutmaßlichen Angriffen auf das deutsche Stromnetz wird dessen Verwundbarkeit mehr als deutlich. Fachleute halten eine lückenlose Überwachung für illusorisch. Sie plädieren für ein anderes Konzept, das aus der Ukraine bekannt ist.

Die Angriffe auf zwei Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen werfen die Frage auf, wie man das weitverzweigte Stromnetz in Deutschland besser schützen kann. Experten halten größere regionale Stromausfälle durch Attacken durchaus für möglich. Aus der Politik kommen Forderungen, den Betreibern kritischer Infrastruktur mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Anlagen einzuräumen, etwa durch Videoüberwachung oder Drohnenabwehr. Doch wie viel würde das bringen?

Christian Rehtanz, einer der Leiter des Instituts für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft an der TU Dortmund, hält einen Schutz des gesamten Stromnetzes für unmöglich: "Man kann nicht jeden Strommast vollständig überwachen." Auch Michèle Knodt, Direktorin des Drohnenkompetenzzentrums der TU Darmstadt, sieht das Problem vor allem in der weiten räumlichen Verteilung der Netze. Wo es "sinnvoll und praktisch" umsetzbar sei, sollten Betreiber kritischer Infrastruktur zwar Drohnen auf ihrem Gelände selbst detektieren und abwehren dürfen. Flächendeckend sei dies aber keine "realistische Option", meint die Expertin.

Schwerpunktmäßig ist ein besserer Schutz also sinnvoll, aber was ist mit dem Rest des Stromnetzes? Entscheidend sei die Kombination aus drei Fähigkeiten, sagt Martin Braun, Experte vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik: "Erstens: Angriffe möglichst zu verhindern oder zu erschweren. Zweitens: ihre Auswirkungen auf die Versorgung zu begrenzen. Drittens: nach einem erfolgreichen Angriff die Versorgung möglichst schnell wiederherzustellen."

Von der Ukraine lernen?

"Resilienz" ist auch das Stichwort, das Knodt nennt, sowie die Fähigkeit, beschädigte Stromnetze schnell wieder herzustellen. "Statt immer mehr Ressourcen in den Versuch zu stecken, jede einzelne Anlage gegen jeden denkbaren Angriff zu schützen, müssen wir stärker darin investieren, die Funktionsfähigkeit nach einem Angriff schnellstmöglich wiederherzustellen", so die Expertin. Genau das mache kritische Infrastrukturen resilient.

Um im Ernstfall schnell reparieren zu können, müssten jedoch mehrere Bedingungen erfüllt sein, betont Knodt. Reparaturteams müssten im Notfall schnell bereitstehen, auch ein ausreichend großer Vorrat an Ersatzteilen sei entscheidend. Komponenten sollten zudem standardisiert werden, um sie zwischen Betreibern und Regionen schneller verfügbar zu machen. Dass solche Maßnahmen für die Resilienz von Energiesystemen entscheidend seien, zeigten auch die Erfahrungen aus der Ukraine, so Knodt.

Auch der "Inselbetrieb" sei ein Ansatz, um besonders wichtige Einrichtungen zu schützen, so Braun: Diese könnten sich dadurch im Ernstfall auch ohne Verbindung zum übrigen Netz selbstständig mit Strom versorgen. Dezentrale Stromerzeugung und Batteriespeicher könnten dies möglich machen.

Risiko eines nationalen Blackouts "eher gering"

Wie groß ist das Risiko, dass es durch Angriffe zu einem nationalen Blackout kommt? Ein größerer regionaler Stromausfall sei durch einen gezielten Angriff durchaus möglich, betont Braun. "Daraus folgt aber nicht, dass die Zerstörung eines einzelnen Umspannwerks unmittelbar einen bundesweiten Blackout auslösen würde." Dafür müsste eine wesentlich komplexere Verkettung von Ausfällen und dem Versagen weiterer Schutzmaßnahmen zusammenkommen. Auch Rehtanz schätzt die Gefahr dafür als eher gering ein: "Aber lokale Nadelstiche sind immer möglich, wie wir sehen."

Die jüngsten Attacken auf die Netzinfrastruktur hatten zwar keine Stromausfälle zur Folge, allerdings wurden in beiden Fällen Kurzschlüsse ausgelöst. In Brandenburg war laut offiziellen Angaben mittels selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen ähnelten, leitfähiges Material in Richtung Höchstspannungsleitungen geschossen worden. Der Angriff ereignete sich in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde.

Am Abend desselben Tages hatten Unbekannte an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln ebenfalls Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht. In der Nähe beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass beide Vorfälle auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückzuführen sind.

Quelle: ntv.de

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