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Wissenschaftler mit düsterer PrognoseFettleber wird weltweit zur Volkskrankheit

19.04.2026, 08:07 Uhr IMG-20190620-WA0006Von Jana Zeh
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Die Leber ist ein Stoffwechselorgan, das zum Verdauungssystem gehört und eng mit Gallenblase und Bauchspeicheldrüse zusammenarbeitet. (Foto: imago / Zoonar.com/TIGULLA VIJAYA CHANDAR)

Die Fettleber ist aktuell die häufigste Lebererkrankung weltweit. Eine Analyse zeigt, wie sich die Zahlen der Betroffenen von 1990 bis 2023 entwickelt haben - und zeichnet zudem ein düsteres Zukunftsbild.

Rund 1,8 Milliarden Menschen weltweit werden 2050 eine Fettleber haben, die durch Fettleibigkeit und hohe Blutzuckerwerte verursacht wird. Das prognostizieren Forschende im Fachjournal "The Lancet Gastroenterology & Hepatology". Die Vorhersage folgt nach der Analyse der Gesundheitsdaten, die in der Zeit von 1990 bis 2023 erhoben wurden. Die umfangreiche Studie wurde vom Institute for Health Metrics and Evaluation an der University of Washington in Seattle geleitet.

Die Forschungsgruppen schauten sich für die Untersuchung vor allem die sogenannte "metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung", kurz MASLD an, die vor einiger Zeit noch als nichtalkoholische Fettleber bezeichnet wurde. Diese wird vor allem durch Nikotinkonsum, einen hohen Body-Mass-Index und einen hohen Blutzuckerspiegel begünstigt.

Für die Analyse wurden die Daten aus der Erhebung "Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors" kurz GBD genutzt, bei der insgesamt 204 Länder involviert waren. Den Berechnungen zufolge lebten 1990 etwa 500 Millionen Menschen weltweit mit MASLD. Bis 2023 stieg diese Zahl auf 1,3 Milliarden Betroffene an.

Den ermittelten Prognosen zufolge wird MASLD bis 2050 1,8 Milliarden Menschen treffen. Das entspricht einem Anstieg von 42 Prozent gegenüber 2023. Die weltweite Prävalenzrate wird von den Forschenden von 1990 bis 2023 auf 14.429 Fälle pro 100.000 Einwohner angegeben. Das entspricht einem Anstieg von 29 Prozent. Als Grund wird das globale Bevölkerungswachstum in Kombination mit Veränderungen des Lebensstils genannt.

Mehr Männer als Frauen betroffen

Auch wenn die Fallzahlen insgesamt weltweit gestiegen sind, gibt es Regionen, die bei der Analyse durch besonders hohe Fallraten aufgefallen sind. Dazu gehören unter anderem Nordafrika und der Nahe Osten. In Großbritannien stieg die Prävalenzrate um 33 Prozent und stellt damit den größten Anstieg in Westeuropa dar, schreibt "The Guardian" dazu. Zum Vergleich werden auch die Anstiege der Prävalenzraten für Australien mit 30 Prozent und für die USA mit 22 Prozent angegeben.

Zudem trifft diese Art der Fettlebererkrankung häufiger Männer als Frauen. Die größte Anzahl der betroffenen Männer war den Studienergebnissen zufolge im Alter von 35 bis 39 Jahren, die Altersspanne der betroffenen Frauen lag bei 55 bis 59 Jahren.

Erkrankung schreitet häufig ganz ohne Symptome voran

Das Tückische an der Erkrankung: Sie kann sich über Jahre ohne jegliche Symptome entwickeln und zu einer Reihe von lebensgefährlichen Folgeerkrankungen führen. Dazu gehören Leberzirrhose und Leberkrebs. Zudem fördert die Fettleber Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ 2 und erhöht das Risiko für eine Reihe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Manche Betroffene berichten zudem von übermäßiger Müdigkeit, Leistungsabfall, Konzentrationsstörungen und einem Druckgefühl im rechten Oberbauch. Derzeit gibt es kein Medikament und auch keine anerkannte Standardtherapie, mit der die Fettleber erfolgreich behandelt werden kann.

Prinzipiell unterscheiden Mediziner zwischen drei Stufen der Erkrankung:

  • Stufe 1: Fettleber ohne entzündliche Reaktionen

  • Stufe 2: Fettleber mit entzündlicher Reaktion, die als Steatohepatitis bezeichnet wird. Diese entwickelt im Schnitt jeder zweite Betroffene.

  • Stufe 3: Leberzirrhose, die in rund zehn Prozent der Fälle auftritt.

Fettleber kann wieder verschwinden

Die gute Nachricht: Wird die Fettleber rechtzeitig als Erkrankung erkannt, kann durch eine grundlegende Änderung des Lebensstils das Organ in vielen Fällen wieder vollständig hergestellt werden. Dafür sind hauptsächlich folgende Maßnahmen nötig:

  • Gewichtsreduktion: Schon eine Reduktion von sieben bis zehn Prozent des Körpergewichts kann Entzündungen und Vernarbungen des Organs, die durch eine Fettleber entstehen können, stoppen oder sogar rückgängig machen.

  • Ernährungsumstellung: Neben einem hohen Anteil an Gemüse, sollte man auf eine konsequente Reduzierung von Zucker und Kohlenhydraten achten. Auch Fruktose, die in vielen Softdrinks, Säften und Fertigprodukten steckt, sollte gemieden werden. Weißmehl sollte so oft wie möglich durch ballaststoffreiches Vollkornmehl ersetzt werden.

  • Bewegung: Regelmäßig betriebener Ausdauer- und Kraftsport hilft dem Körper zusätzlich, das überschüssige Fett in der Leber abzubauen und die Gewichtsabnahme über einen langen Zeitraum zu halten.

Zudem geben längere, bewusst eingelegte Essenspausen, wie beim Intervallfasten, der Leber die nötige Zeit zur Regeneration. Ein zweiwöchiges Wasserfasten ist dem Diabetologen Peter Schwarz, Professor an der Uniklinik Dresden und Präsident des Internationalen Diabetes-Verbandes eine hocheffektive Methode, um eine Fettleber loszuwerden. Der Körper wird über einen bestimmten Zeitraum gezwungen, auf seine Fettreserven zurückzugreifen, wodurch überschüssiges Fett in der Leber zur Energiegewinnung mobilisiert wird. Auf Alkohol sollten Betroffene mit Fettleber vollständig verzichten, um das erkrankte Organ nicht zusätzlich zu belasten.

Zufällig entdeckt

Menschen mit einer Fettleber müssen nicht zwangsläufig übergewichtig sein. Bis zu 25 Prozent der normalgewichtigen Menschen sind Studien zufolge von der Erkrankung betroffen. Da diese Personen jedoch nicht zur Risikogruppe gehören, wird die Erkrankung oftmals gar nicht erkannt. Allerdings handelt es sich auch bei vielen aus der Risikogruppe um einen Zufallsbefund, der bei einer anderen diagnostischen Untersuchung auftritt.

Prinzipiell wird eine Fettleber in Deutschland vom Hausarzt mithilfe spezieller Leberwerte, durch ein Blutbild und durch eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs diagnostiziert. Im Rahmen des Check-up ab 35 Jahren werden derzeit diese Untersuchungen nicht gemacht, es sei denn, man leidet unter Übergewicht oder hat Diabetes.  

Quelle: ntv.de

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