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Algorithmus im EinsatzForschende identifizieren drei Arten von Konflikten

22.01.2026, 20:23 Uhr
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Laut der Studie konnten tausende Konflikte in Afrika seit 1997 in drei Kategorien unterteilt werden: sporadische Ereignisse/Ausläufer (sporadic/spillovers), lokale Konflikte (local conflicts) und große Unruhen (major unrest). (Foto: Complexity Science Hub (CSH))

Bürgerkrieg, Aufstand, Terror: Forscher halten diese Begriffe für überholt. Eine neue Studie klassifiziert Konflikte in Afrika erstmals rein datenbasiert. Der Algorithmus unterscheidet dabei nur drei grundlegend unterschiedliche Arten von Gewalt.

Die Welt ist auch im 21. Jahrhundert von zahlreichen Konfliktherden geprägt. Mal spricht man von Bürgerkrieg, mal von Aufstand oder Terrorismus. Ein internationales Forschungsteam wollte jedoch eine einheitliche Definition finden, die sich auf Daten stützt. Mit ihrer Analyse konnten sie in Afrika drei verschiedene Arten von Konflikten identifizieren. Ihre Studie erschien im Fachmagazin "Royal Society Open Science".

"Bestehende Konfliktklassifizierungen sind jedoch weitgehend heuristisch", erklärte Hauptautor Niraj Kushwaha vom Complexity Science Hub in Wien, laut einer Mitteilung. "Wir glauben beispielsweise, dass 'Bürgerkriege' das Ergebnis interner Konflikte sind, und wir diskutieren darüber, ob Kriege als 'Invasion' oder 'Verteidigung' charakterisiert werden sollten." Diese Einteilung basiere auf Faustregeln oder Expertenurteilen, die variieren können und schwer reproduzierbar seien, ergänzt Co-Autor Eddie Lee.

In ihrer Studie verwendeten die Forscher einen Algorithmus für maschinelles Lernen, um Kennzeichen für Konflikte in den Daten zu finden. Sie kombinierten dafür Konfliktdaten aus dem Armed Conflict Location & Event Data Project mit Informationen zu Klima, Geografie, Infrastruktur, Wirtschaft und Demografie in ganz Afrika. Auf diese Weise wollten sie Konflikte auf reproduzierbare und empirisch fundierte Weise klassifizieren.

Tausende Konflikte in Afrika, die zwischen 1997 und heute stattgefunden haben, passen laut den Forschenden in diese drei Kategorien:

  • Große Unruhen: Konflikte wie der Aufstand der Boko Haram im Nordosten Nigerias und in angrenzenden Staaten gehören laut der Studie zu dieser Kategorie. Gekennzeichnet seien sie durch weitreichende, lang anhaltende Gewalt in dicht besiedelten, gut vernetzten Regionen, die oft nationale Grenzen überschreiten.

  • Lokale Konflikte: Zu dieser Kategorie gehören Konflikte wie der Konflikt zwischen den Gruppen Seleka und Anti-Balaka in der Zentralafrikanischen Republik. Diese Art von Konflikt sei durch geografisch begrenzte Auseinandersetzungen innerhalb eines Landes gekennzeichnet. In der Regel dauern sie eher Monate als Jahre.

  • Sporadische Ereignisse/Ausläufer: Zu dieser Kategorie gehören Vorfälle wie die Ausbreitung des Aufstands der islamistischen Al-Shabaab in Somalia. Diese Konflikte seien durch kurzlebige Ereignisse in wenig bevölkerten, abgelegenen oder unterentwickelten Gebieten gekennzeichnet.

"Diese neuen Kennzeichnungen überschneiden sich bis zu einem gewissen Grad mit den Kennzeichnungen von Experten, sind aber nicht identisch", sagte Lee. "Experten haben eine unglaubliche Intuition für Konflikte und Regionen, die sie gut kennen, aber weltweit gibt es jedes Jahr Zehntausende von Konfliktfällen. Kein einzelner Experte kann diese Komplexität vollständig erfassen."

Für politische Entscheidungsträger biete die Unterscheidung in drei Konfliktarten jedoch einen schärferen Blick darauf, wo verschiedene Arten von Gewalt auftreten, schreibt das Forschungsteam. Konflikte in dicht vernetzten Städten sähen ganz anders aus als solche, die sich in abgelegenen Grenzregionen abspielen - und sie erfordern unterschiedliche Reaktionen. Das Verständnis dieser Konfliktarten kann somit zu einer intelligenteren humanitären Planung und einer besseren Nutzung der Ressourcen führen.

Quelle: ntv.de, kst

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