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Viren wie Hepatitis B interagieren mit DNA-Zellen des Wirtes.
Viren wie Hepatitis B interagieren mit DNA-Zellen des Wirtes.(Foto: imago/Science Photo Library)
Freitag, 11. Mai 2018

Ältestes Virus der Welt: Forscher finden Hepatitis B in der Steinzeit

Hepatitis B gehört zu den am weitesten verbreiteten Infektionen weltweit. Neuesten Forschungen zufolge hat das Virus dem Menschen das Leben schon in der Steinzeit schwer gemacht. Und seit dem Mittelalter hat es sich erstaunlich wenig verändert.

Die Erreger der Leberentzündung Hepatitis B sind schon vor 7000 Jahren in Europa zirkuliert. Das Erbgut solcher Viren habe sich in Zahnproben von Steinzeitskeletten aus Karsdorf in Sachsen-Anhalt gefunden, teilt die Universität Kiel mit. Die Funde stellen demnach die ältesten bislang genetisch nachgewiesen viralen Krankheitserreger dar. An der Studie haben unter anderem Forscher des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena mitgearbeitet. Die Ergebnisse sind im Fachjournal "eLIFE" veröffentlicht worden.

Der Hepatitis-B-Erreger ist eines der am weitesten verbreiteten Viren weltweit. Laut Robert-Koch-Institut haben etwa zwei Milliarden Menschen eine Infektion durchgemacht. Mehr als 250 Millionen Menschen gelten als chronisch infiziert.

Laut der Universität Kiel haben die Forscher 53 Skelette aus der Jungsteinzeit und dem Mittelalter untersucht. In drei Gebeinen habe das internationale Team Hepatitis-B-Stämme gefunden und die Genome rekonstruiert, heißt es. Dabei hätten sie festgestellt, dass sich die Genome der mittelalterlichen Viren und jener aus der Steinzeit unterscheiden.

Verblüffender Erreger des Mittelalters

Demnach ähnelt die Struktur des mittelalterlichen Virus noch immer den Stämmen heutiger Hepatitis-B-Erreger. In den letzten 500 Jahren habe sich das Virus erstaunlich wenig verändert, erklärten die Wissenschaftler. Die steinzeitlichen Erreger hingegen seien heute vermutlich ausgestorben.

Die Krankheit wird etwa durch Blut oder beim Sex übertragen. In vielen Fällen ist eine medikamentöse Therapie mittlerweile erfolgreich. Die Virusvermehrung kann dadurch in der Regel meist komplett unterdrückt werden, wodurch das Risiko für eine Leberzirrhose und Leberkrebs deutlich sinkt.

Verwandte der extrahierten Viren aus Steinzeit und Mittelalter kommen heute noch bei Schimpansen und Gorillas vor. Eine Verwandtschaft zu Stämmen, die heute den Menschen befallen, bestünde aber nicht, so die Wissenschaftler. Sie wollen als nächstes untersuchen, ob sie in den Überresten vergangener Zeiten noch andere Bakterien und Viren nachweisen können.

Quelle: n-tv.de