Wissen

Darum beim Schlüpfen schon großForscher können Geheimnis der Schlangen-Embryos lüften

02.09.2026, 10:35 Uhr
00:00 / 02:52
Schlangen im Ei
Ein Embryo der Kap-Hausschlange (Boaedon capensis), der so gefärbt wurde, dass die sich entwickelnden Muskelblöcke im Rumpf erkennbar sind. Der Embryo weist eine rechtsdrehende Windung auf. (Foto: Raul Diaz, California State University Los Angeles/dpa)

Warum Schlangen beim Schlüpfen aus dem Ei so groß sind, beschäftigt Biologen seit Langem. Ein internationales Forscherteam analysiert nun Hunderte Embryos und findet den Grund im Inneren des Eis. Ein Detail über den Eidotter überrascht besonders.

Beim Schlüpfen aus dem Ei sind Schlangen im Vergleich zu anderen eierlegenden Wirbeltieren besonders lang. Das liegt einer Studie zufolge daran, dass die Tiere ihre länglichen Körper im Ei spiralförmig eng aufwickeln. Warum das so ist, hat nun ein internationales Forschungsteam durch Analysen von Schlangenembryos ermittelt. Demnach wickelt sich der Körper der Tiere im Ei schon während des frühen Embryonalstadiums spiralförmig auf - und zwar fast immer mit einer Rechtsdrehung, also im Uhrzeigersinn.

In der im Fachjournal "Current Biology" veröffentlichten Studie analysierte das Team um Alexandra Weber von der Carleton University in Ottawa Bilder von mehr als 900 Embryos von insgesamt 39 Arten von Schlangen und anderen gliedlosen Reptilien wie etwa Doppelschleichen. Bei den untersuchten Schlangen - insgesamt 865 Tiere aus 34 Arten - wickelte sich der Körper in den ersten Wochen, wenn noch keine Muskulatur ausgeprägt ist, nach rechts ein. Bei den anderen Tieren - etwa Doppelschleichen - war das nicht der Fall.

Schlangen im Ei (2)
Embryo einer Kap-Hausschlange (Boaedon capensis), eines von mehr als 900 Exemplaren, die Teil der Studie zum Thema Schlangenwindungen waren. (Foto: Raul Diaz, California State University Los Angeles/dpa)

Eidotter liegt stets auf der linken Seite - daher der Rechtsdrall

Durch CT-Aufnahmen entdeckte das Team auch den Grund dafür: Verschiedene Körperteile wachsen anfangs in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Demnach wächst der Körper anfangs schneller als der Verdauungstrakt, der zwischen Magen und Kloake liegt - daher wickle sich der Körper auf.

"Der Körper windet sich und wickelt sich auf", erläutert Studienleiter Tetsuto Miyashita vom Canadian Museum of Nature in Ottawa. Und diese Wickelkraft sei so ausgerichtet, dass die Embryos auf die entgegengesetzte Seite des Eidotters wachsen. Und der liege im Ei stets auf der linken Seite.

Schlangen im Ei (1)
Tetsuto Miyashita mit einem Embryo einer Prärie-Strumpfbandnatter (Thamnophis radix). (Foto: Pierre Poirier, Canadian Museum of Nature/dpa)

Manche Tiere entwickeln ihre seitenmäßige Ausrichtung später

"Daher wird sich der Embryo anfangs immer nach rechts aufwickeln", so Miyashita. Erst später - etwa ab der zweiten Woche nach der Eiablage - hole der Verdauungstrakt beim Wachstum auf.

Und in späteren Entwicklungsstadien, wenn die Muskulatur stärker ausgeprägt ist und der Eidotter immer mehr schwindet, verändern manche Tiere ihre seitenmäßige Ausrichtung. Bei der Kap-Hausschlange (Boaedon capensis) passiere dies etwa mehr als 14 Tage nach der Eiablage.

Schlangen im Ei (3)
Ein Embryo einer Afrikanischen Hausschlange (Lamprophis sp.), der eine rechtsdrehende Windung aufweist. (Foto: Joy Richman, University of British Columbia/dpa)

"Manche Tiere bleiben rechtsseitig gewickelt, aber andere wickeln sich nach links auf", sagt Erstautorin Weber. "Daher sind manche der Embryos vor dem Schlüpfen rechtsseitig, und die andere Hälfte ist linksseitig."

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

TiereSchlangenReptilien