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In einem geschlossenen Kreislauf sollen die Pflanzen wachsen.
In einem geschlossenen Kreislauf sollen die Pflanzen wachsen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 11. Januar 2018

Vollautomatisches Gewächshaus: Gemüse soll in der Antarktis wachsen

Für den Anbau von Obst und Gemüse sind weder Feld noch Sonne nötig. Das wollen Forscher einer Station in der Antarktis beweisen. Sie bauen in einem Spezialgewächshaus Nutzpflanzen an und wollen damit den Grundstein für die Besiedlung fremder Planeten legen.

Das von deutschen Forschern entwickelte Eden-ISS-Gewächshaus für den Lebensmittelanbau im Weltall ist mit einigen Tagen Verspätung in der Antarktis angekommen. Wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitteilte, erreichte der Spezialcontainer an Bord eines Forschungsschiffs Schelfeiskante. Von dort wurde er etwa 20 Kilometer zur Polarstation Neumayer III geschleppt. Dort wird das Gewächshaus nun für einen mehrmonatigen Testlauf unter extremsten Umweltbedingungen eingerichtet.

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Nun beginnt der Aufbau. "Regale müssen eingerichtet, Pumpen für die Nährlösung installiert und Spezial-LEDs für die optimale Beleuchtung kalibriert werden. Dann soll bereits die Aussaat beginnen", sagt Daniel Schubert vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. Eden-ISS ist eine von der Außenwelt unabhängige Anlage, in der Obst und Gemüse bei künstlichem Speziallicht ohne Erde steril angebaut werden. Die Wurzeln der Pflanzen werden computergesteuert mit einer Nährlösung besprüht, Wasser und Luft zirkulieren in einem geschlossenen Kreislauf und werden den Pflanzen immer wieder neu zugeführt. Pestizide und Insektizide werden nicht benötigt.

Testlauf für Mars-Besiedlung

Das vom DLR gebaute Hightechmodul dient als Pilotprojekt zur Erforschung des Nutzpflanzenanbaus unter extremen Bedingungen wie in Wüsten oder Polargebieten sowie perspektivisch auch für einen Einsatz bei längeren Weltraummissionen - etwa bei bemannten Flügen zum Mars. Es wurde zuvor beim DLR in Bremen ausgiebig getestet und wird aus Mitteln des Europäischen Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020 finanziert.

Zehn Menschen sollen künftig von der Antarktis-Kost profitieren.
Zehn Menschen sollen künftig von der Antarktis-Kost profitieren.(Foto: dpa)

Das Gewächshaus wird neben der deutschen Forschungsstation Neumayer III errichtet, die vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) betrieben wird. In einer Art Härtetest soll sie sich während des antarktischen Polarwinters mehrere Monate lang bewähren. Zwischen Ende Mai und Ende Juli schafft es dort die Sonne nicht über den Horizont, die Temperaturen fallen auf unter minus 40 Grad Celsius. DLR-Experte Paul Zabel wird das Modul die kommenden Monate betreuen. "Wenn wir pünktlich Anfang Februar aussähen, hoffe ich Ende März die ersten Salate und Radieschen ernten zu können", sagt Zabel.

Die Ernte aus dem Spezialgewächshaus soll in dieser Zeit den Speiseplan der zehnköpfigen Überwinterungscrew der Station bereichern. Im Polarwinter gibt es dort üblicherweise keine frischen Lebensmittel, weil Versorgungsflüge nicht möglich sind. So müssen die Bewohner von Februar bis November auf frische Lebensmittel verzichten. Die Experten von DLR und AWI interessieren sich daher auch für die psychologischen Effekte, die dies auf das Befinden der Bewohner hat. Dieser Aspekt ist Teil des Forschungsprojekts. Interessierte können die Ergebnisse des Projekts auf Twitter, Facebook und Instagram unter dem Hashtag #MadeInAntarctica beobachten.

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Quelle: n-tv.de