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Erste Frau weltweit HIV-Patientin mit Nabelschnurblut geheilt

Mit modernen Medikamenten lassen sich HIV-Infektionen in Schach halten, aber noch nicht heilen. Nun gelingt US-Forschenden ein weiterer Schritt in diese Richtung. Sie können das Virus bei einer Frau stoppen. Das ist in mehrfacher Hinsicht ein Durchbruch.

Bei einer Patientin in den Vereinigten Staaten ist nach einer Stammzellentransplantation mit Nabelschnurblut HIV nicht mehr nachweisbar. Das berichtet ein Forscherteam um Dr. Yvonne J. Bryson, Spezialistin für pädiatrische Infektionskrankheiten an der David Geffen School of Medicine der UCLA, auf einer Konferenz über Retroviren und opportunistische Infektionen in Denver im US-Bundesstaat Colorado.

Die "New Yorker Patientin", wie die Forschungsgruppe sie nennt, wäre erst die dritte Person weltweit, bei der HIV geheilt werden konnte - und die erste Frau. Außerdem hat sie sowohl schwarze als auch weiße Vorfahren. Sie war 2013 mit HIV und 2017 mit Leukämie diagnostiziert worden. Die Bezeichnung bekam sie, weil sie ihre Behandlung im New York-Presbyterian/Weill Cornell Medical Center erhielt.

Bei ihr wurde erstmals Nabelschnurblut zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie verwendet, die in blutbildenden Zellen im Knochenmark beginnt. Sie erhielt zusätzlich Blut von einer nahen Verwandten, um ihre Immunabwehr während der Transplantation zu stärken. "Die Transplantation von der Verwandten ist wie eine Brücke, die sie bis zu dem Punkt gebracht hat, an dem das Nabelschnurblut übernehmen kann", zitiert die "New York Times" Marshall Glesby. Der Experte für Infektionskrankheiten am Weill Cornell Medicine war Mitglied des Forschungsteams. 37 Monate nach der Behandlung setzte die Frau die antiretroviralen Medikamente ab. In den seitdem vergangenen 14 Monaten ist sie in Remission und HIV-frei.

Frauen brauchen andere Therapie

Der Säuglingsspender des Nabelschnurbluts war durch eine genetische Anomalie von Natur aus resistent gegen das Virus, das AIDS verursacht. "Dies ist nun der dritte Bericht über eine Heilung in diesem Umfeld und der erste bei einer Frau, die mit HIV lebt", sagte Sharon Lewin, designierte Präsidentin der International AIDS Society, in einer Erklärung.

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Bei den beiden vorherigen Fällen handelte es sich um männliche Patienten. Der als "Berliner Patient" bekannt gewordene Timothy Ray Brown blieb zwölf Jahre lang virenfrei, bis er 2020 an Krebs starb. Im Jahr 2019 wurde berichtet, dass ein weiterer Patient, der später als Adam Castillejo identifiziert wurde, von HIV geheilt wurde. Beide Männer erhielten Knochenmarktransplantationen von Spendern, die eine Mutation trugen, die eine HIV-Infektion blockiert. Die Mutation wurde bisher nur bei etwa 20.000 Spendern identifiziert, von denen die meisten nordeuropäischer Abstammung sind.

Es wird angenommen, dass die HIV-Infektion bei Frauen anders verläuft als bei Männern. Bisher sind jedoch nur elf Prozent der an Heilversuchen Teilnehmenden weiblich, obwohl Frauen mehr als die Hälfte der HIV-Fälle weltweit ausmachen. Dieser neue Ansatz könnte die Behandlung für mehr Menschen zugänglich machen. Den Forschenden zufolge könnte sich der Kreis der Menschen, die eine ähnliche Behandlung erhalten könnten, auf mehrere Dutzend jährlich erweitern. Weltweit leben fast 38 Millionen Menschen mit HIV, etwa 73 Prozent von ihnen werden behandelt.

Quelle: ntv.de, sba

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