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Gerst über Reise ins All "Habe vermisst, den Wald zu riechen"

Nach seiner Landung auf der Erde spricht der deutsche Astronaut Alexander Gerst über die Erfahrungen seines zweiten Raumflugs. Dabei geht es um die Sehnsucht nach dem All, aber auch über seine aufs Neue entflammte Liebe zur Erde.

Gerade noch rechtzeitig zu Weihnachten ist der deutsche Astronaut Alexander Gerst zur Erde zurückgekehrt - und freut sich jetzt auf zwei freie Tage mit der Familie. Allerdings habe er keine Geschenke, wie er auf einer Pressekonferenz in Köln zugeben musste. "Doch dieses Jahr habe ich aber eine gute Ausrede", sagt der 42-Jährige mit seinem immer noch jungenhaften Charme.

In der Tat: Der gebürtige Künzelsauer hat bis zu seiner Landung in der kasachischen Steppe vor zwei Tagen die 197 Tage davor im All zugebracht, auf der Internationalen Raumstation ISS. Dort hatte er als erster deutscher Kommandant ganz andere Sorgen: etwa ein unerwartetes Loch in einem Orbitalmodul oder der Fehlstart der russischen Sojus-Rakete im Oktober, welcher nur eine Rumpf-Crew auf der Raumstation zurückließ.

Dennoch blickt er bereits jetzt mit Wehmut hoch ins All: "Ich vermisse jetzt schon meine Freunde da oben", sagt Gerst über seine Kollegen auf der Raumstation. "Und den Ausblick auf die Erde." Aber wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, sei am Ende doch am schönsten. "Man realisiert im Weltraum, was man da oben nicht hat", sagt Gerst. Etwa das Gefühl, nachts durch einen Dezember-Nieselschauer zu laufen, den Wind im Gesicht zu spüren oder den Duft des Waldes zu riechen. "Das habe ich vermisst." Fern von der Erde, weiß Gerst zu berichten, entwickele man eine neue Wertschätzung für den Planeten.

"Jetzt sind erstmal andere dran"

Aber natürlich würde er wieder ins All fliegen - es wäre dann sein dritter Raumflug. Mit 362 Tagen Aufenthalt im Orbit ist Gerst aktuell deutscher Rekordraumfahrer. "Ich bin nach wie vor im Astronautenkorps", sagt Gerst. Aber das sei nicht seine persönliche Entscheidung. "Ich habe ja auch noch weitere Kollegen, die erstmal dran sind." Er freue sich etwa darauf, den deutschen Astronauten Matthias Maurer fliegen zu sehen und dabei zu unterstützen, wie dieser auch ihn unterstützt habe.

Das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Astronauten, so klingt es bei Gerst immer wieder durch, hat für den Deutschen einen hohen Stellenwert. Als durch den Sojus-Fehlstart nur er und zwei weitere Astronauten im All zurückblieben, machte sich Gerst vor allem daran, das Team eng zusammenzuschweißen. Man habe Überstunden gemacht - aber nicht bei der Arbeit. "Wir haben abends regelmäßig zusammen gegessen. Und ich habe Kinoabende veranstaltet", erzählt der Raumfahrer. Gezeigt habe er Filme über die Expeditionen des Polarforschers Ernest Shackleton - die Abenteurer mussten ebenfalls unter widrigen Umständen leben.

Ähnlich wie Shackleton, hat auch Gerst seine Rolle als Kommandant verstanden: "Man ist so ein bisschen Expeditionsleiter. Man muss den Gesamtüberblick behalten", so der Deutsche. Etwa, dass keine Kabel im Weg sind, damit alles reibungslos ablaufen kann. "Aber man achtet auch darauf, dass es allen gut geht, und dass sich niemand überarbeitet." Zu tun gab es jedenfalls genug: Fast 300 Experimente, davon rund 70 von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, sind während seines Aufenthalts auf der ISS durchgeführt worden.

Aber auch jetzt auf der Erde ist die Mission von Gerst noch nicht abgeschlossen - noch mehrere Monate wird die Nachbereitung in Anspruch nehmen. Eine Ausnahme sei es daher, dass er über Weihnachten frei bekommen habe. Allerdings: Sein Fitnessprogramm nach mehr als sechs Monaten in der Schwerelosigkeit müsse er auch an den Feiertagen fortsetzen. Daher stünden "Liegestütze unter dem Weihnachtsbaum" ebenfalls auf seinem Programm.

Quelle: n-tv.de

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