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Universelle Antikörper Hoffnung auf Wunderwaffe gegen Sars-CoV-2

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Die universellen Antikörper attackieren jene Stellen am Virus, die sich bisher nicht durch Mutationen der Immunantwort entzogen haben.

(Foto: imago images/Science Photo Library)

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Forscher entdecken in Affen spezielle Antikörper, die gegen alle Varianten von Sars-CoV-2 wirksam sein sollen. Es ist ein weiterer spektakulärer Fund dieser Art, der Hoffnung auf einen Sieg gegen das mutationsfreudige Virus macht. Ist diese berechtigt? Es gibt Zweifel.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist aufgrund seiner Mutationsfreude den Entwicklern von Impfstoffen immer einen Schritt voraus. Ein Ausweg aus diesem Dilemma könnte in Antikörpern liegen, die gegen alle Varianten des Virus, aktuelle wie künftige, in gleicher Weise wirksam sind. Nun berichtet ein Forschungsteam des Scripps Research Institutes in Kalifornien von einem Kandidaten, der diesbezüglich Hoffnung macht.

Bei Versuchen mit Rhesusaffen entdeckten die Forschenden aus Kalifornien erstaunliche Antikörper, die gegen viele verschiedene Sars-CoV-2-Varianten wirksam sind - und sogar gegen weniger eng verwandte Coronaviren wie Sars-CoV, welches 2002/2003 eine kleinere Pandemie verursacht hatte. Diese "Pan-Sars-Virus"-Antikörper könnten bei der Herstellung besserer Impfstoffe behilflich sein, so die Forschenden. Ihre Studie wurde nun im Fachmagazin "Science Translational Medicine" veröffentlicht.

Die Wissenschaftler hatten Rhesusaffen das Spike-Protein von Sars-CoV-2 verabreicht. Beim Spike-Protein handelt es sich um die markanten Stacheln auf der Hülle des Virus, mit denen es sich Zugang zu Wirtszellen verschafft. Das Immunsystem der Affen reagierte jedoch anders als das von Menschen: Es produzierte eine größere Bandbreite an Antikörpern - darunter solche, die gegen andere Varianten wirksam waren.

Empfindliche Stelle im Visier

Bei näherer Betrachtung der Antikörper wurde den Forschenden klar, warum. Menschliche Antikörper attackieren meist jenen Teil am Spike-Protein des Virus, der an die Zellen andockt. Doch von Variante zu Variante verändert sich dieser Bereich, sodass einmal gebildete Antikörper an Wirkung verlieren. Bei den Affen entdeckten die Wissenschaftler zahlreiche Antikörper, die eine andere Stelle am Spike-Protein ins Visier nehmen, die sich weniger häufig verändert. Von einer ähnlichen Entdeckung hatte eine weitere Gruppe von US-Forschern bereits Ende Juli berichtet.

"Die Antikörperstrukturen offenbaren einen wichtigen Bereich, der mehreren Sars-Viren gemeinsam ist", sagte Ian Wilson, einer der Autoren der Studie. "Diese Stelle wurde bisher nur selten von menschlichen Antikörpern ins Visier genommen." Neue Strategien seien nun denkbar, um das Immunsystem darauf zu trainieren, diese anfällige Stelle am Virus zu erkennen.

Die Autoren äußern die Hoffnung, dass ihre Entdeckung dabei helfen könnte, Impfstoffe der nächsten Generation zu entwickeln. "Wenn wir Impfstoffe entwickeln können, die ähnlich breit gefächerte Reaktionen hervorrufen, wie wir sie in dieser Studie gesehen haben, könnten diese Behandlungen einen breiteren Schutz gegen das Virus und die fraglichen Varianten ermöglichen", sagte Hauptautor Raiees Andrabi. Allerdings betonten die Autoren, dass zunächst weitere Forschung notwendig sei.

Kein Optimismus angebracht?

Ende Juli hatte ein Team um Forscher von der University of Alabama seinerseits die Entdeckung von Antikörpern gemeldet, die ebenfalls gegen verschiedene Varianten von Sars-CoV-2 und sogar entfernter verwandte Erkältungscoronaviren wirken. Auch sie attackieren eine Stelle am Spike-Protein, die bisher von Mutationen verschont blieb: dessen Stiel.

Das US-Unternehmen Aridis arbeitet bereits an einem Medikament aus diesen universellen Antikörpern. Und berichtet von Erfolgen: Bei Tierversuchen seien bei infizierten Rhesusaffen nach einer Behandlung mit einem derartigen Antikörpercocktail keine Sars-CoV-2-Viren mehr nachweisbar gewesen, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des Unternehmens. Versuche im Reagenzglas würden zudem darauf hindeuten, dass das Mittel auch gegen verschieden Omikron-Varianten wirkt.

Der deutsche Virologe Klaus Stöhr hatte sich zuletzt jedoch wenig optimistisch zu den vermeintlichen Wunder-Antikörpern geäußert. "Leider werden die 'universellen' Antikörper keine Lösung für die Impfstoffe der näheren Zukunft sein", schrieb Stöhr auf Twitter. Mit neuen Antikörpern würde auch "ein Selektionsdruck für diesen Teil des Spike-Proteins entstehen und damit dann auch Varianten, die wieder eine Anpassung des Impfstoffen notwendig machen".

Quelle: ntv.de

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