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Produktion startet bereits Impfstoff könnte im September bereitstehen

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Wenn die Studien schnell erfolgreich sind, könnte ein in Oxford entwickelter Corona-Impfstoff bereits im Herbst einsatzbereit sein.

(Foto: imago images/Future Image)

Die Universität Oxford legt bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs ein atemberaubendes Tempo hin. Versuche mit Menschen haben bereits begonnen, im Idealfall könnten die Studien im September abgeschlossen sein. Der größte Impfstoff-Hersteller der Welt beginnt schon mal die Produktion.

Weltweit wird fieberhaft nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gesucht. Normalerweise dauert so etwas rund 15 Jahre. Bei Ebola habe man mit vier bis fünf Jahren einen Rekord aufgestellt, sagt Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland für die Zulassung zuständig ist. Doch noch nie standen der Forschung solche Mittel wie jetzt zur Verfügung und bürokratische Hindernisse werden unbürokratisch aus dem Weg geräumt. Die WHO geht daher davon aus, dass ein Corona-Impfstoff in 15 bis 18 Monaten zugelassen werden könnte. Doch vielleicht geht es noch deutlich schneller, ein Wirkstoff der Universität Oxford könnte mit viel Glück bereits im September so weit sein. Der weltgrößte Impfstoff-Hersteller lässt daher schon mal auf Verdacht die Produktion anlaufen.

Studien mit Menschen haben begonnen

Das zur Oxford-Universität gehörende Jenner Institute hat bereits am vergangenen Donnerstag Studien am Menschen begonnen und die ersten Freiwilligen mit dem Wirkstoff hAdOx1 nCoV-19 geimpft. Insgesamt soll der Wirkstoff an mehr als 6000 Menschen getestet werden. In einer ersten Phase an Erwachsenen zwischen 18 und 55 Jahre, danach an älteren Menschen. Schließlich soll die Wirkung an 5000 Freiwilligen getestet werden, von denen die Hälfte den Corona-Impfstoff erhält und die andere einen Wirkstoff gegen Meningitis.

Wenn sich nur die Meningitis-Gruppe infiziere, sei die Wirkung von hAdOx1 nCoV-19 erwiesen, sagt die leitende Wissenschaftlerin Sarah Gilbert. Sie ist sehr zuversichtlich, dass dies der Fall sein wird. Der "Times" sagte sie, sie sei sich zu 80 Prozent sicher, dass der Wirkstoff funktionieren werde. Die frühen Studien mit Menschen seien möglich geworden, da sie bereits mit ähnlichen Impfstoffen bewiesen hätten, dass sie gut verträglich sind, schreibt die "New York Times". Darunter war im vergangenen Jahr auch ein Wirkstoff gegen ein anderes Virus.

Das Jenner Institute schrieb in einer Pressemitteilung, im Idealfall sei die Wirkung des Impfstoffs schon im Herbst bewiesen. Dies hänge allerdings auch von Faktoren ab, die schwer vorhersehbar seien. Unter anderem könnte eine stark sinkende Infektionsrate im Sommer dazu führen, dass sich zu wenige Probanden anstecken.

Weltmarktführer startet Massenproduktion

Der weltgrößte Hersteller von Impfstoffen, Serum Institute of India, will sich aber nicht mal bis zum Herbst gedulden. Konzernchef Adar Poonawalla sagte der "Times of India", sein Unternehmen warte das Ende der Studien in Großbritannien nicht ab, sondern starte auf eigenes Risiko die Produktion, um im September und Oktober bereits 20 bis 40 Millionen Dosen zur Verfügung zu haben. Insgesamt plane man in den ersten sechs Monaten 4 bis 5 Millionen Einheiten hAdOx1 nCoV-19 herzustellen, danach könne die Produktion auf 10 Millionen Dosen steigen, wenn sich der Wirkstoff als erfolgreich erweise.

Die Preise sollen erschwinglich bleiben, in Indien soll eine Dosis umgerechnet etwa 12 Euro kosten. Poonawalla sagte "Business Insider India", seine Firma werde den Impfstoff nicht patentieren lassen. "Wir wollen aus einer solchen Epidemie und Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung kein Geld verdienen. Wir wollen nichts vermarkten, das über ein nachhaltiges Niveau hinausgeht."

Quelle: ntv.de