Wissen

Nervenkrankheit tritt selten auf Impfstoff von Astrazeneca erhält Warnhinweis

247815098.jpg

Wegen des sehr selten auftretenden Guillain-Barré-Syndroms erhält der Wirkstoff von Astrazeneca künftig einen Warnhinweis auf die Nervenkrankheit.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Der europäische Ausschuss für Risikobewertung nimmt einen Warnhinweis für das Guillain-Barré-Syndrom in die Produktinformationen des Impfstoffes von Astrazeneca auf. Diese Nebenwirkung trete allerdings sehr selten auf. Die Vorteile des Vakzins überwiegen die Risiken deutlich.

Der europäische Ausschuss für Risikobewertung hat einen Warnhinweis für eine sehr seltene Nervenkrankheit in die Produktinformationen des Covid-19-Impfstoffs von Astrazeneca aufgenommen. Das geht aus dem Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) hervor, der nun veröffentlicht wurde. Beim Guillain-Barré-Syndrom (GBS) werden durch eine überschießende Autoimmunreaktion Nerven geschädigt, so dass sie keine Reize mehr übertragen können.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte einen entsprechenden Hinweis Anfang der Woche bereits in die Produktinformation zum Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson aufgenommen. Sie verwies jedoch darauf, dass die Wahrscheinlichkeit, die Nervenerkrankung zu bekommen, insgesamt sehr gering sei. Dem PEI-Bericht zufolge hat der Ausschuss für Risikobewertung (Pharmacovigilance Risk Assessment Committee, PRAC) der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA nun beschlossen, einen solchen Hinweis auch für den Impfstoff von Astrazeneca, Vaxzevria, herauszugeben.

"Es sind mehr Fälle eines Guillain-Barré-Syndroms (GBS) nach Vaxzevria in Deutschland gemeldet worden, als aufgrund der Anzahl geimpfter Personen zufällig erwartet würde, was auf ein Risikosignal hinweist", heißt es in dem Bericht. "Sehr selten" wurden dem PEI zufolge darüber hinaus Fälle der Herzerkrankungen Myokarditis und Perikarditis nach Impfung mit Biontech und Moderna beobachtet. Die Gesamtmelderate in allen Altersgruppen liege bei 0,32 beziehungsweise 0,48 Meldungen auf 100.000 Impfdosen. Der Ausschuss für Risikobewertung habe beschlossen, Myokarditis und Perikarditis in die Fach- und Gebrauchsinformationen beider mRNA-Impfstoffe aufzunehmen. "Nach den bislang vorliegenden Daten sind offenbar vor allem junge Männer nach Gabe der zweiten Dosis betroffen, typischerweise innerhalb von 14 Tagen." Das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Impfstoffe sei aber "weiterhin positiv".

Nutzen der Impfung nimmt mit dem Alter zu

Das neuartige Thrombosen-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) wird dem Bericht zufolge "sehr selten als schwerwiegende Nebenwirkung" der beiden Vektorimpfstoffe von Astrazeneca und Janssen (Johnson & Johnson) beobachtet. Nach den Meldungen an das PEI seien aktuell "Frauen und Männer aller Altersgruppen" von TTS betroffen. Es handele sich um eine seltene, gleichwohl schwerwiegende Nebenwirkung. Sie müsse allerdings mit dem Nutzen der Impfung in Relation gesehen werden, betont das PEI. Laut EMA "nimmt der individuelle Nutzen der Impfung mit steigendem Alter und steigenden Infektionszahlen zu".

Die Melderate an Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Spritze betrug für alle Impfstoffe zusammen 1,4 pro 1000 Impfdosen, für Meldungen über schwerwiegende Reaktionen 0,1 pro 1000 Impfdosen. Der Bericht umfasst den Zeitraum von Beginn der Impfkampagne Ende Dezember 2020 bis zum 30. Juni.

Quelle: ntv.de, als/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.