Hohe FeinstaubkonzentrationIn Deutschland herrscht seit Tagen dicke Luft
Von Laura Stresing
In der aktuellen Kältephase laufen viele Heizungen auf Hochtouren - darunter auch Holz- und Kohleöfen. Das macht sich bemerkbar: Das Umweltbundesamt stuft die Luftqualität in Deutschland teilweise als "sehr schlecht" ein.
Winter in Deutschland bedeutet nicht nur, dass man mit Schnee, Eis und Glätte rechnen muss. Es bedeutet auch, dass die Luftqualität an manchen Tagen deutlich schlechter ausfällt als im Rest des Jahres. Vor allem im Januar und Februar laufen viele Heizungen, Holz- und Kohleöfen auf Hochtouren. Bei ungünstigem Wetter können sich die Emissionspartikel mehrere Tage in Bodennähe anreichern.
Meteorologen sprechen von einer sogenannten Inversionslage, die im Winter typisch ist. Aktuell ist es wieder mal so weit: Ein anhaltendes Hochdruckgebiet sorgt für dicke Luft. "Wir bekommen seit mehreren Tagen Luft aus dem Osten, die grundsätzlich mehr Feinstaub enthält, gerade im Winter", sagt der ntv.de-Meteorologe Paul Heger. In Osteuropa werde viel mit Holz und Kohle geheizt, außerdem sei es dort derzeit sehr kalt. "Das dürfte einen zusätzlichen Input liefern, den wir bei uns messen können."
Die Folge: Zum ersten Mal in diesem Jahr herrscht in Deutschland großflächig Feinstaubalarm. Luftqualitätsdaten des Umweltbundesamtes (UBA) zeigen, dass seit einigen Tagen insbesondere Kleinstpartikel von weniger als 2,5 Mikrometern (PM2,5) die Atmosphäre belasten. Laut Prognose bleiben die Werte auch am Wochenende in weiten Landesteilen stark erhöht, bevor die Luft im Süden und Westen etwas aufklart.
Am Freitagmorgen sind vor allem der Norden und Osten von stark erhöhten Feinstaubwerten betroffen. Der Luftqualitätsindex des UBA, in den mehrere Schadstoffe einfließen, wird in einem breiten Streifen von Schleswig-Holstein bis nach Sachsen als "sehr schlecht" bewertet. In einer solchen Lage empfiehlt das UBA selbst gesunden Menschen, auf körperliche Anstrengung wie zum Beispiel Joggen im Freien zu verzichten. Fenster sollten zum Stoßlüften am besten zu Zeiten mit geringer Feinstaubbelastung geöffnet werden.
Grenzwertüberschreitungen sind kein Dauerzustand
In den Innenstadtlagen und an stark befahrenen Straßen werden Feinstaub-Grenzwerte am häufigsten überschritten. Hier kommen die Emissionen von Diesel- und Benzinfahrzeugen, Reifenabrieb und aufgewirbelter Staub zusammen. In den stündlich gemessenen Stationsdaten des UBA werden kurzfristige, lokale Belastungsspitzen sichtbar - etwa zu Stoßzeiten im Berufsverkehr. Doch auch im von ntv.de berechneten laufenden Tagesmittel leuchten viele Stationen am Freitag rot auf, das heißt, der Grenzwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter wird überschritten.
Die öffentlichen Daten sollen den Bürgerinnen und Bürgern dabei helfen, ihr Verhalten anzupassen, wenn sie empfindlich auf bestimmte Luftschadstoffe reagieren. Eine hohe Feinstaubbelastung kann die Atemwege reizen, Beschwerden wie Kopfschmerzen verursachen und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Hinzu kommt, dass die ultrafeinen Schadstoffpartikel bis ins Lungengewebe und den Blutkreislauf vordringen können. Bei einer dauerhaft hohen Belastung steigt die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
In Deutschland sind die Grenzwertüberschreitungen jedoch zum Glück kein Dauerzustand. Die Luftqualität hat sich seit den 1990er-Jahren deutlich verbessert, stellt das UBA fest. Im Jahresmittel werden die EU-Grenzwerte an allen Messstationen eingehalten und in der Regel sogar deutlich unterschritten. Situationen mit einer hohen Belastung treten nur vorübergehend auf und lösen sich meist mit einem Wetterwechsel wieder auf.
"Aktuell zieht von Westen Niederschlag auf. Das wäscht die Luft ein wenig rein", sagt der Wetterexperte Heger. "Am Wochenende kann es davon noch mehr geben, womit die generelle Schadstoffbelastung etwas sinken dürfte. Ein richtiger Durchbruch sauberer Meeresluft ist aber noch nicht in Sicht."