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Pawlowscher LerneffektInsektenspray kann Mücken anlocken, statt sie abzuwehren

28.05.2026, 17:50 Uhr
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DEET ist der am häufigsten genutzte Schutz vor Insektenstichen, doch er könnte laut Studie das Gegenteil bewirken. (Foto: picture alliance / blickwinkel/F. Hecker)

Der weit verbreitete Wirkstoff DEET in Insektenschutzmitteln soll eigentlich Blutsauger fernhalten. Doch nun zeigt eine neue Studie: Mücken können ihre Reaktion auf den Geruch ändern. Das Experiment dabei erinnert an einen berühmten Versuch aus der Psychologie.

Hatten Sie schon mal das Gefühl, von einer Mücke trotz Insektenschutzmittel besonders lecker gefunden zu werden? Womöglich haben Sie ein lernfähiges Exemplar erwischt: Für Gelbfiebermücken haben Forschende nun gezeigt, dass sie den in solchen Präparaten enthaltenen Wirkstoff DEET mit Nahrung in Verbindung bringen können - und sie damit eingeriebene oder eingesprühte Menschen häufiger stechen als andere.

DEET zähle seit 80 Jahren zu den wirksamsten Insektenschutzmitteln, doch die Wirksamkeit kann unter bestimmten Bedingungen sinken, schreibt das Team um Claudio Lazzari von der Universität Tours im "Journal of Experimental Biology". "Wenn Mücken wiederholt mit DEET in Kontakt kommen, verliert es seine abwehrende Wirkung", erklärte Lazzari.

Die Forschenden nutzten eine Abwandlung von Iwan Pawlows berühmtem Experiment, bei dem Hunde lernten, das Erscheinen von Futter mit dem Läuten einer Glocke in Verbindung zu bringen. Zunächst wurde weiblichen Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) ein Beutel mit warmem Blut hinter einem Stoffgitter dargeboten. Wurde der Beutel in Reichweite abgesenkt, stachen die Insekten zu - hielten sich aber fern, wenn sie vom Geruch von DEET umgeben waren.

Das Team fütterte die Mücken im zweiten Schritt jeweils 20 Sekunden lang mit warmem Blut und sprühte dabei in den letzten 10 Sekunden der Mahlzeit den Geruch von DEET in das Gehege. Dieser Vorgang wurde noch dreimal wiederholt. Dann wurde überprüft, wie die Insekten auf den Geruch allein von DEET reagierten.

Mücken lernen, DEET mit Nahrung zu verbinden

Diesmal hätten die Mücken verrückt gespielt, heißt es in der Studie. Mehr als 60 Prozent der Tiere hatten zu stechen versucht, sobald sie nur einen Hauch von DEET rochen. Als das Team den trainierten Insekten die Wahl zwischen einer unbehandelten und einer mit DEET besprühten Hand ließ, stürzten sie sich auf die besprühte Hand. In weiteren Versuchen konnten die Forschenden die Mücken auch auf eine zuckerhaltige Belohnung mit dem Geruch des Abwehrmittels trainieren.

Dass Mücken lernen können, DEET mit Nahrung zu verbinden, könnte in bestimmten Fällen ausgerechnet Menschen, die sich mit dem Wirkstoff schützen wollen, attraktiver für die Blutsauger machen, befürchten die Wissenschaftler. "Wenn eine Mücke jemanden sticht, der einige Stunden zuvor DEET auf seine Haut aufgetragen hat, und die Konzentration des Abwehrmittels zu gering ist, um die Mücke abzuschrecken, aber dennoch stark genug, damit das Insekt es riechen kann, sticht die Mücke möglicherweise eher Menschen, die nach DEET riechen", erklärte Lazzari.

Er betonte auch, dass die Ergebnisse nichts daran änderten, dass DEET das wirksamste verfügbare Insektenschutzmittel sei und Menschen vor durch Mücken übertragenen Krankheiten schütze. Aktuell sei ohnehin noch unklar, wie lange der DEET-Lerneffekt bei einer Mücke anhalte.

Wirkmechanismus nicht vollständig geklärt

DEET ist N,N-Diethyl-m-toluamid. Die synthetische Verbindung wurde in den 1940er Jahren in den USA als militärisch genutztes Mittel entwickelt und ist heute das verbreitetste Insektenschutzmittel, insbesondere zum Schutz vor Mückenstichen. Der Wirkmechanismus konnte bisher nicht komplett geklärt werden.

DEET wird auch in Deutschland verwendet, vor allem in Mücken- und Zeckenschutzmitteln für Reisen und bei starkem Insektendruck. Wegen der potenziellen Nebenwirkungen wird vor allem bei kleinen Kindern und Schwangeren von einer Nutzung abgeraten.

Die Gelbfiebermücke - auch Ägyptische Tigermücke genannt - überträgt gefährliche Krankheiten wie Zika-, Dengue-, Chikungunya- und Gelbfieber. Sie lebte ursprünglich vor allem in den Tropen und Subtropen, kommt aber im Zuge des Klimawandels zunehmend auch in Europa vor.

Quelle: ntv.de, Annett Stein, dpa

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