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Intimität in Pandemie-Zeiten Ist das Coronavirus durch Sex übertragbar?

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Auch wenn das Virus nicht durch den eigentlichen Geschlechtsverkehr übertragen wird, ist eine Ansteckung beim Sex durchaus möglich.

(Foto: picture alliance / Christophe Ga)

Kontakte meiden, Abstand halten und wenn möglich zu Hause bleiben - an diese Regeln müssen sich zurzeit die Menschen fast überall auf der Welt halten, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Das Sozialleben vieler liegt brach. Da kann es schon mal ganz schön einsam werden, vor allem für Singles. Sie sehnen sich nach Zärtlichkeit und Intimität. Aber darf man jetzt überhaupt noch Sex haben? Oder ist die Ansteckungsgefahr zu groß?

Zuletzt veröffentlichte die Gesundheitsbehörde von New York eine Anleitung, was Bürger beim Sex in Corona-Zeiten beachten sollten, und sorgte damit vor allem in den sozialen Medien für Heiterkeit. Denn im "Sex and Coronavirus Disease 2019"-Guide heißt es: "Sie selber sind Ihr sicherster Sexualpartner." Wenig überraschender Weise werde durch Masturbation das Coronavirus nicht verbreitet. Allerdings sei es auch dabei wichtig, auf die Handhygiene zu achten. Gleiches gelte für Sexspielzeug. Nach und vor der Selbstbefriedigung sollten Dildo, Vibrator und Co mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife gewaschen werden, gibt die Behörde den New Yorkern mit auf den Weg. Doch was, wenn man nicht selbst Hand anlegen möchte und auf Zweisamkeit setzt?

Kann man sich durch Sex infizieren?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht nicht davon aus, dass das Virus durch den eigentlichen Geschlechtsverkehr - wie zum Beispiel im Falle von HIV - übertragen wird. In Körperflüssigkeiten wie Sperma oder Vaginalflüssigkeit konnte Sars-CoV-2 bislang nicht nachgewiesen werden. Dennoch: Eine Ansteckung ist auch beim Sex möglich.

*Datenschutz

Das Coronavirus wird vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen, in erster Linie auf direktem Weg durch Anhusten, Anhauchen oder Anniesen. Infektionen sind aber auch indirekt möglich, zum Beispiel, wenn Finger winzige virushaltige Tröpfchen mit Nasensekret, Speichel oder Auswurf aufnehmen und dann Nase, Mund oder Augen berühren. Beim Sex - egal um welche Praktik es sich dabei handelt - hat man also allein durch die Nähe zum Partner ein hohes Ansteckungsrisiko. Sogar, wenn man nur kuschelt.

"Natürlich ist es so, dass man fast nicht in der Lage sein wird, Geschlechtsverkehr zu haben, ohne das Virus auszutauschen", sagt Virologe Alexander Kekulé im MDR-Podcast "Kekulés Corona-Kompass". Deshalb empfiehlt der Wissenschaftler, sich seine Sexualpartner "handverlesen" auszusuchen. Seine Faustregel lautet dabei: "Umarme nur denjenigen, mit dem du Viren austauschen willst." Das gelte natürlich auch für alles, was mehr als eine normale Umarmung sei.

Verboten ist unverbindlicher Sex natürlich nicht, aber One-Night-Stands und wechselnde Partner sind in Zeiten von Corona aus Sicht des Virologen unvernünftig. "Das ist ja auch ein Grund, warum in Deutschland alle Bordelle geschlossen wurden", so Kekulé. Wer allerdings einen festen Partner hat, mit dem man zusammenlebt oder den man regelmäßig sieht, muss natürlich nicht auf Sex verzichten.

Wird es in neun Monaten einen Babyboom geben?

Fraglich bleibt zu diesem Zeitpunkt allerdings, ob Paare derzeit überhaupt noch Lust auf Sex verspüren. Aus der Vergangenheit weiß man, dass Krisensituationen zum Mythos von explodierenden Schwangerschaftszahlen führen können. Ausgangspunkt dafür war der historische Stromausfall in New York 1965. Dieser Mythos könnte nun auch auf die Zeit des Corona-Shutdown übertragen werden. Schließlich haben viele Paare viel mehr Zeit für einander. Dass sie dadurch aber auch vermehrt Lust auf Sex hätten, sei allerdings ein Irrglaube, sagt Kekulé. "Ich würde vermuten, dass die Menschen die Situation mit dieser Krankheit eher als eine libidofeindliche Umwelt wahrgenommen haben", erklärt der Virologe. Daher gehe er nicht davon aus, dass Deutschland in neun Monaten einen Babyboom erleben wird.

Übrigens: Erste Zahlen aus Wuhan zeigten tatsächlich keine Zunahme der Schwangerschaftszahlen. Stattdessen stiegen die Fälle von Selbstmord und häuslicher Gewalt sprunghaft an.

Quelle: ntv.de