Wissen

Eisschmelze lässt Bestand sinkenKaiserpinguine sind nun auch "stark gefährdet"

09.04.2026, 14:46 Uhr
00:00 / 04:12
Emperor-penguin-parent-and-chick-together-on-snowy-Antarctica-RUEF04684
Ein erwachsener Kaiserpinguin mit Küken. (Foto: IMAGO/Westend61)

Die Rote Liste der stark bedrohten Tiere wird länger. Die beiden hochgestuften Arten leben in der Antarktis und bekommen wegen der Erderwärmung echte Probleme. Auch Erreger, die es zuvor noch nie in dieser Region gab, machen Probleme.

Dem Kaiserpinguin in der Antarktis geht es als Folge des Klimawandels immer schlechter. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft ihn nun auf ihrer Skala der vom Aussterben bedrohten Arten als "stark gefährdet" ein.

Die Population der Kaiserpinguine (Aptenodytes forsteri) sei von 2009 bis 2018 um zehn Prozent geschrumpft. Es dürften nach der Auswertung von Satellitenbildern 2018 noch rund 180.000 Tiere gewesen sein. Die IUCN geht davon aus, dass sich diese Zahl ohne einschneidende Rückgänge bei den Treibhausgasemissionen bis 2080 halbieren dürfte.

"Der Hauptgrund dafür ist das frühe Aufbrechen und der Verlust des Meereises, das seit 2016 Rekordtiefstände erreicht hat", so die IUCN. Kaiserpinguine benötigen Meereis, das an der Küste, am Meeresboden oder an festsitzenden Eisbergen verankert ist, berichten die Fachleute. Dies ist der Lebensraum für die Küken und während der jährlichen Mauserzeit, wenn Pinguine neues Gefieder bekommen und für zwei bis vier Wochen nicht schwimmen können. Bricht das Eis zu früh, stürzt eine Brutkolonie demnach ins Meer und ertrinkt.

Der Kampf um Nahrung

Der Antarktische Seebär (Arctocephalus gazella) wurde auf der Roten Liste der IUCN von "nicht gefährdet" auf "stark gefährdet" herabgestuft, da sein Bestand um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist - von geschätzten 2.187.000 ausgewachsenen Tieren im Jahr 1999 auf 944.000 im Jahr 2025. Dieser anhaltende Rückgang ist auf den Klimawandel zurückzuführen. Ein Problem ist unter anderem, dass kleine Krebstiere, Krill genannt, wegen der steigenden Meerestemperaturen auf der Suche nach kaltem Wasser immer tiefer tauchen. Den Seebärenjungen fehlt es deshalb an Nahrung.

Krillmangel vor Südgeorgien habe die Überlebensrate der Jungtiere im ersten Lebensjahr drastisch reduziert und zu einer Überalterung der Fortpflanzungspopulation geführt. Weitere Bedrohungen, wie die Jagd durch Orcas und Seeleoparden sowie die Konkurrenz mit sich erholenden Bartenwalpopulationen, die denselben Krill jagen, beeinträchtigten diesen Bestand möglicherweise ebenfalls, schreibt die IUCN in einer Mitteilung.

Vogelgrippe-Erreger rafft Generationen dahin

Der Südliche See-Elefant (Mirounga leonina) wurde aufgrund von Bestandsrückgängen durch die hochpathogene Vogelgrippe (HPAI) auf der Roten Liste der IUCN von "Nicht gefährdet" auf "Gefährdet" gestuft. Seit 2020 haben die Fälle von Vogelgrippe weltweit deutlich zugenommen und sich sogar auf Säugetiere ausgebreitet.

Vier der fünf größten Teilpopulationen sind von der Infektionskrankheit betroffen, wobei in einigen Kolonien über 90 Prozent der Jungtiere getötet und erwachsene Weibchen, die mehr Zeit an den Stränden verbringen als Männchen, stark beeinträchtigt wurden. Es wächst die Sorge, dass die krankheitsbedingten Todesfälle von Meeressäugetieren mit der globalen Erwärmung zunehmen werden - insbesondere in Polargebieten, wo die Tiere bisher kaum Krankheitserregern ausgesetzt waren. Tiere, die in Kolonien eng beieinander leben, wie der Südliche See-Elefant, sind von solchen Infektionskrankheiten besonders stark betroffen.

"Diese Aufnahme in die Rote Liste ist nicht nur für zwei ikonische Tierarten ernüchternd, sondern spiegelt auch die weltweite Bedrohung von Pinguinen und Robben wider ", sagte Kathleen Flower, Vizepräsidentin für Biodiversitätsforschung bei Conservation International . "Der Rückgang verdeutlicht, wie schnell Ökosysteme zerstört werden und wie sich die Auswirkungen der Erderwärmung, der Nahrungsmittelknappheit, das Auftreten neuer Krankheiten und der Verlust von Lebensräumen beschleunigen."

Quelle: ntv.de, jaz/dpa

AntarktisTiereArtenschutzPinguineNaturschutz