Leidiges Thema ZeitumstellungDie Trump-Methode funktioniert auch bei Sommerzeit
Ein Kommentar von Hubertus Volmer
Wer die Zeitumstellung abschaffen will, hat die Wahl zwischen zwei Übeln. Am besten bleibt alles beim Alten. Und wem das Thema zu kompliziert ist: Einfach gucken, was Donald Trump sagt.
Es gibt die Trump-Methode, um zu prüfen, ob eine Idee wahrscheinlich gut oder möglicherweise doch eher dumm ist: Was sagt Donald Trump dazu? Das klappt nicht immer, schließlich geht auch eine kaputte Uhr zweimal am Tag richtig. Einen Anhaltspunkt kann die Methode aber geben.
Im Fall der Zeitumstellung, die an diesem Wochenende wieder ansteht, funktioniert es. Trump ist dagegen. Aktuell will er einen "Sunshine Protection Act", ein "Sonnenscheinschutzgesetz" durch den Kongress bringen, um die Zeitverschiebung abzuschaffen. Die Umstellung von Uhren an "schwer zu erreichenden Orten" würde Städte und Bundesstaaten "Millionen Dollar" kosten, behauptete Trump kürzlich in einem Social-Media-Post.
Studien würden "eindeutig" belegen, so Trump, dass die Abschaffung der Zeitumstellung dazu beitragen würde, "Raub- und Mordraten zu senken, Autounfälle (insbesondere solche, an denen Fußgänger beteiligt sind!) zu verringern, das Risiko für Herzprobleme, Schlaganfälle und saisonale Depressionen zu senken, den Schulweg für Kinder sicherer zu machen, mehr Zeit für die Familie zu schaffen, außerschulische Aktivitäten stark zu fördern, die Sport-, Fitness-, Tourismus-, Einzelhandels- und Gastronomiebranche (und weitere!) zu stärken sowie Energiekosten zu sparen".
Mehrheit gegen Zeitumstellung
Für manche dieser Behauptungen gibt es wissenschaftliche Anhaltspunkte, aber "eindeutig belegt" ist sein Rundumversprechen nicht. Vor Journalisten sagte Trump, die Zeitumstellung bedeute "viel Arbeit für viele Menschen - zwei Tage lang sind sie damit beschäftigt, im ganzen Haus alle Uhren umzustellen". Das ist natürlich Quark.
Schlafmediziner argumentieren, eine dauerhafte Normalzeit wäre am gesündesten. Der häufig sehr müde wirkende Trump allerdings will die Sommerzeit rund um das Jahr gelten lassen. Das dürfte der Mehrheitsmeinung auch in Deutschland entsprechen: Als die Europäische Union vor acht Jahren eine "öffentliche Konsultation" zur Zeitumstellung durchführte, sprachen sich 84 Prozent dafür aus, die Zeitumstellung abzuschaffen - die meisten Teilnehmer kamen aus Deutschland. 56 Prozent aller Befragten bevorzugten damals eine dauerhafte Sommerzeit. Die Ablehnung der Zeitumstellung sinkt derzeit zwar leicht, aber sie liegt immer noch bei 71 Prozent.
Morgendämmerung nach halb neun?
Tatsächlich gibt es gute Gründe gegen die Zeitumstellung. Vor allem aber gibt es sehr gute Gründe dafür: die Zeiten von Sonnenauf- und -untergang. Nehmen wir ein Beispiel aus der Mitte des Landes, Niederdorla in Thüringen, ein Ortsteil der Gemeinde Vogtei. Niederdorla liegt ganz in der Nähe eines der möglichen geografischen Mittelpunkte Deutschlands.
Würde die Sommerzeit auch im Winter gelten, so ginge die Sonne in Niederdorla in diesem Jahr am 31. Oktober erst um 8.09 Uhr auf und um 17.54 Uhr unter. Am 27. März 2027, kurz bevor die Sommerzeit normalerweise wieder gelten würde, wäre die Sonne, gutes Wetter vorausgesetzt, von 7.06 Uhr bis 19.42 Uhr zu sehen. Das mag erträglich sein. Aber am kürzesten Tag des Jahres, dem 21. Dezember, wäre der Sonnenaufgang um 9.20 Uhr, Sonnenuntergang wäre 17.13 Uhr.
Wäre das wirklich eine gute Lösung? Sonnenaufgang um 9.20 Uhr, das würde bedeuten, die Morgendämmerung setzt nach halb neun ein. Das kann niemand wollen. Zum Vergleich: Bleibt alles beim Alten, geht die Sonne in Niederdorla am 21. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende, um 8.20 Uhr auf und um 16.13 Uhr unter.
Auch anderswo in Deutschland, etwa in Freiburg oder Rostock, sähe es mit einer dauerhaften Sommerzeit nicht besser aus:
Winterzeit ist auch nicht besser
Und wie wäre es, wenn die Sommerzeit abgeschafft würde? Während der bisherigen Winterzeit wäre naturgemäß nichts anders. Aber die künftigen Sommer würden sich erheblich unterscheiden. Ohne Sommerzeit ginge die Sonne in Niederdorla am 31. Mai 2027 schon um 4.10 Uhr auf und würde bereits um 20.23 Uhr untergehen. Am Tag der Sommersonnenwende, am 21. Juni 2027, wären es 4.03 Uhr und 20.37 Uhr. Am 30. Oktober 2027 wäre der Sonnenaufgang 7.07 Uhr, der Sonnenuntergang wäre 16.56 Uhr.
Und auch hier wäre Niederdorla natürlich kein Einzelfall:
Wer die Zeitumstellung abschaffen will, hat letztlich die Wahl zwischen zwei Übeln. Entweder ist es im Winter morgens eine Stunde länger dunkel - furchtbar. Oder im Sommer ist es abends eine Stunde früher dunkel - unschön. Egal, was Trump sagt: Am besten bleibt alles, wie es ist.

