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Schizophrenie und Depressionen LSD hilft Forschern bei Ursachensuche

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Drogen vernebeln die Realität.

(Foto: imago/Steinach)

LSD ist eine Droge, die die Wahrnehmung der Realität stark verändert. Das gilt für die Selbst- und die Fremdwahrnehmung. Forschern hilft sie bei der Suche nach neuen Medikamenten für Patienten mit psychischen Leiden.

Der Großteil der psychischen Erkrankungen hängt mit Problemen im zwischenmenschlichen Kontakt und einer gestörten Selbstwahrnehmung zusammen. Geholfen werden kann Betroffenen mit den derzeit zur Verfügung stehenden Therapien nur mäßig. Ein Grund dafür ist, dass neurobiologische Grundlagen und neurochemische Prozesse bisher nur wenig untersucht wurden. Forschende der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich haben deshalb untersucht, wie Veränderungen in der Selbstwahrnehmung und Veränderungen in der sozialen Interaktion miteinander zusammenhängen und welche pharmakologischen Prozesse dabei eine Rolle spielen.

Dafür gaben sie insgesamt 24 freiwilligen Studienteilnehmern ein Placebo, LSD oder den Wirkstoff Ketanserin in Kombination mit LSD. Alle Probanden wurden danach ins MRT-Gerät gelegt und bekamen die Aufgabe, durch Augenbewegungen mit einem virtuellen Avatar zu kommunizieren. "LSD lässt die Grenzen zwischen der eigenen Person und anderen Personen während eines sozialen Austauschs verschwimmen", erklärt Katrin Preller die Wirkung der eingesetzten Droge. Sie leitete zusammen mit Professor Franz Vollenweider die Studie.

Es zeigte sich, dass Selbstwahrnehmung und soziale Interaktion eng in Verbindung miteinander stehen. "Dies ermöglichte uns zu zeigen, dass Gehirnregionen, die für die Unterscheidung zwischen der eigenen und anderen Personen wichtig sind, unter LSD weniger aktiv waren", erklärte Preller weiter. "Und dadurch veränderte sich auch die soziale Interaktion."

Rezeptor geblockt

Die Scannerbilder aus dem MRT versetzte die Forschenden in die Lage, zu zeigen, dass die LSD-bedingten Veränderungen durch Ketanserin blockiert wurden. In diesem Zusammenhang konnten sie auch einen bestimmten Serotonin-Rezeptor benennen, der bei einer Vielzahl psychischer Störungen eine Rolle spielt.

Die Ergebnisse könnten für die Entwicklung neuer Medikamente für Patienten mit psychischen Störungen eingesetzt werden. Die medikamentöse Blockade des speziellen Rezeptors könnte beispielsweise Patienten mit Schizophrenie helfen. Eine Stimulierung hingegen ist möglicherweise bei Patienten mit überhöhtem Selbstfokus wirksam, wie er bei Depressionen ausgeprägt ist.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im "Journal of Neuroscience".

Quelle: n-tv.de, jaz

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