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Abdulrazak Gurnah ausgezeichnet Literaturnobelpreis für tansanischen Autor

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Gurnah wurde 1948 auf Sansibar geboren, ging aber Ende der 60er Jahre ins Exil nach England.

(Foto: picture alliance / StockPix)

Der tansanische Schriftsteller Gurnah erhält die prestigeträchtigste literarische Auszeichnung der Welt. Er habe die "Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten" durchdrungen, lobt die Schwedische Akademie.

Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an den tansanischen Schriftsteller Abdulrazak Gurnah. Er erhält den Preis "für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten", wie der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Mats Malm, bei der Bekanntgabe sagte. Demnach veröffentlichte der 1948 auf Sansibar geborene Gurnah zehn Romane und mehrere Kurzgeschichten. Er flüchtete Ende der 1960er Jahre ins Exil nach England und begann dort als 21-Jähriger mit dem Schreiben.

Der Nobelpreis für Literatur gilt als die prestigeträchtigste literarische Auszeichnung der Welt. Der Preis geht wie die weiteren traditionellen Nobelpreise auf das Testament des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück. 1901 war er zum ersten Mal verliehen worden, damals an den Franzosen Sully Prudhomme. Seitdem haben ihn fast 120 Persönlichkeiten erhalten. Der bislang jüngste Preisträger war 1907 der damals 41 Jahre alte "Dschungelbuch"-Autor Rudyard Kipling, die älteste Doris Lessing, die ihn 2007 im Alter von 88 Jahren überreicht bekommen hatte.

"Ich dachte, das wäre ein Streich"

Der frisch gekürte Literaturnobelpreisträger konnte es erst überhaupt nicht glauben, dass er mit dem renommierten Preis ausgezeichnet wird. "Ich dachte, das wäre ein Streich. Dachte ich wirklich", sagte der tansanische Schriftsteller in einem auf dem Twitter-Kanal der Nobelpreise veröffentlichten Interview zu dem Moment, als er am Vormittag von der Schwedischen Akademie angerufen wurde. Als der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm, weiter mit ruhiger Stimme gesprochen habe, sei die Nachricht langsam angekommen. "Das war überhaupt nichts, was ich im Sinn hatte. Ich habe nur gedacht: Wer wird ihn bekommen?" Während des Interviews klingelte sein Telefon - die BBC war dran. Dem britischen Sender sagte er, es sei "brillant und wundervoll", mit dem Literaturnobelpreis geehrt zu werden. "Das war solch eine völlige Überraschung, dass ich wirklich warten musste, bis ich die Bekanntgabe gehört habe, bevor ich es glauben konnte."

Im vergangenen Jahr war die amerikanische Dichterin Louise Glück mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden. Sie war damit eine von 16 Frauen, die den Preis bislang in Empfang genommen haben. Wie im Vorjahr sind die Nobelpreise auch diesmal mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980.000 Euro) pro Kategorie dotiert. Sie werden traditionell am 10. Dezember verliehen, dem Todestag Nobels.

Bereits in der ersten Wochenhälfte waren die diesjährigen Preisträger in den wissenschaftlichen Kategorien Medizin, Physik und Chemie verkündet worden. Unter ihnen waren mit dem Meteorologen Klaus Hasselmann und dem Chemiker Benjamin List auch zwei Deutsche.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa

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