Blick auf die genetische UhrManche Menschen altern schon als Kinder schneller

Wissenschaftler können das Alter eines Menschen an dessen Erbgut ablesen. Eine Studie zeigt nun, dass dieser innere Zeitmesser bei sozial benachteiligten Menschen offenbar schneller tickt. Der Effekt ist bereits bei Kindern nachweisbar.
Menschen aus ärmeren Verhältnissen haben eine kürzere Lebenserwartung als ihre besser gestellten Mitmenschen - das haben bereits verschiedene Studien festgestellt. Auch erkranken sie im Schnitt früher an chronischen Krankheiten. Doch woran liegt das? Eine mögliche Erklärung liefert eine neue Studie: Laut dieser altern sozial benachteiligte Menschen schneller als andere. Dasselbe trifft demnach auf Menschen aus ethnisch marginalisierten Gruppen zu.
Woran erkennt man die Alterung von Menschen? In den 2010er Jahren entdeckten Forscher, dass sich an der DNA von Menschen ein bestimmtes Muster zeigt, mit dem sich erstaunlich gut das biologische Alter ablesen lässt. Es handelt sich um sogenannte Biomarker, die an der DNA haften. Weil diese so zuverlässig Auskunft über das biologische Alter eines Menschen geben können, spricht man auch von einer epigenetischen Uhr.
Das biologische Alter kann sich bei Menschen mit demselben Geburtsjahr erheblich voneinander unterscheiden: laut einer Studie aus dem Jahr 2022 kann der Unterschied in einem Zeitraum von 20 chronologischen Jahren auf bis zu 40 biologische Jahre anwachsen.
Diese genetischen Uhren von fast 66.000 Menschen aus verschiedenen sozialen Gruppen hatte ein Forschungsteam aus Deutschland und den USA untersucht. Dafür wurden 140 Studien zusammengeführt. Die Probanden erstreckten sich über die Altersspanne von Neugeborenen bis zu 86-Jährigen. Es zeigte sich, dass Menschen mit geringerem sozioökonomischen Status - etwa gemessen an Bildung, Einkommen oder Vermögen - sowie aus marginalisierten ethnischen Gruppen im Schnitt Hinweise auf beschleunigte biologische Alterung zeigten.
Schnelle Alterung bereits ab Kindesalter
Die DNA-Markierungen der Betroffenen zeigten zudem, dass soziale Ungleichheit die Alterung bereits früh im Leben beeinflusst: Kinder, die unter schlechteren Bedingungen aufwachsen, weisen bereits Anzeichen einer beschleunigten Alterung auf. Auch Erwachsene, die in benachteiligten Familien aufgewachsen sind, altern später im Leben biologisch ebenfalls schneller, so die Autoren, und zwar selbst Jahrzehnte nach den Belastungen in der Kindheit.
Laut den Autoren könnten epigenetische Uhren künftig genutzt werden, um zu bewerten, ob Programme zur Armutsbekämpfung und zur Stärkung von Bildung oder Gesundheit die biologische Alterung verlangsamen und die Gesundheit tatsächlich verbessern. Die Studie wurde im Fachmagazin "Nature Human Behaviour" veröffentlicht.